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Santiago de Chile – Unsere Stadt

… Am Busbahnhof von Temuco angekommen, überlegen wir nicht lange. Der Ort ist ewig lang und wir haben keine Karte, außerdem keine Lust mit dem schweren Gepäck auf Unterkunftsuche zu gehen. Ich beginne bei den unzähligen Busanbietern nach dem nächsten Bus nach Santiago abzufragen.

Beim fünften Anbieter geht der Bus in 30 Minuten und kostet nur 26.000 CLP für uns alle. Den nehmen wir! Doch wir haben keinen Proviant und die Fahrt wird lang. Also kurz auf Hektik umschalten; während mein Mann mit den Kindern am Bus wartet, rase ich durch die Halle des Busbahnhofes und klapper die Kioske ab. Das Ergebnis ist nichts für Gourmets, aber stellt die Mägen ruhig und stillt den Durst. Zehn Stunden Busfahrt stören uns gar nicht mehr. Ganz im Gegenteil. Der Große freut sich auf das Fernsehprogramm, mein Mann kann in Ruhe Musik hören, ich schreibe für den Blog und das Baby schläft oder spielt.

Mitten in der Nacht weckt uns der Stuart des Busses. „¿A donde van?“ Er will wissen, wohin wir wollen, denn wir sind eigentlich an der Endstation und der Bus ist leer. Nur wir sitzen noch drinnen. Total verschlafen quälen wir uns aus den „Semi-Cama“-Sitzen. Kurzfristige Aufgabenaufteilung ist wieder angesagt. Die Kinder verlassen mit meinem Mann den Bus um das restliche Gepäck zu sichern. Meine Aufgabe ist es das Gepäck von den Sitzen einzusammeln. Leider gelingt mir das in meiner Trance nur mäßig, wie wir wenig später feststellen müssen.

Da stehen wir nun mit der Situation überfordert. Wir sammeln uns erstmal im Gebäude des Busbahnhofes. Rettung! Durch Zufall entdecke ich, dass das Busunternehmen eine „Expressübernachtung“ anbietet im gleichen Gebäude. Noch einmal nehmen wir all unsere Kräfte zusammen und bringen alles in den 2. Stock.

Tag 1 Richtig ankommen in Santiago

Richtig ankommen in Santiago de Chile
Richtig ankommen in Santiago de Chile

Um zwölf Uhr müssen wir erst das Zimmer verlassen, was wir natürlich ausnutzen um auszuschlafen und W-Lan zu nutzen. Zweites gab es bei den Mapuche in der Ruka natürlich nicht.

Mit dem Taxi kommt man hier auch günstig von A nach B. Mit dem Gepäck entscheiden wir uns nach dem Frühstück auch für diese Variante. Als wir ankommen, freuen wir uns über unsere Wahl dieses „Green Hostals“. Es hat einen hübschen kleinen Innenhof mit Gartenmöbeln und einem Kickertisch sowie großzügige Betten in den Zimmern. Hier wollen wir erstmal ankommen und einen Plan für die Erkundung der Stadt schmieden. Und wie soll es anders sein; unsere Söhne haben wieder die Herzen der anderen Gäste und des Personals erobert. Während das Baby durch die Gegend geschleppt wird, kickert der Große mit seiner neuen 19-jährigen Freundin Svenja. Diese Idylle wollen wir gerade nicht zerstören, weshalb mein Mann im Supermarkt um die Ecke schnell Zutaten für Pasta al la Casa holt. So lassen wir den Tag ruhig ausklingen.

Tag 2 Santiago zu Fuß zum Frauentag

Es gibt ein paar Dinge, die wir heute besorgen wollen und müssen. Seit die Brille meines Mannes abhanden gekommen und er seitdem auf Kontaktlinsen angewiesen ist, hat er ein bisschen Probleme mit den Augen. Beim Optiker holen wir nicht nur neue Reinigungsflüssigkeit für die Linsen sondern auch eine Sonnenbrille. Für das Baby haben wir keine Wechseljacke eingepackt. Die Stellen, wo es drauf gespien hat, werden schon leicht steif, ganz zu schweigen vom Geruch. Also brauchen wir auch ein Babygeschäft, in dem wir Gott sei Dank auch gleich die Stilleinlagen bekommen. Unser Sohn findet eine Kette, wie Mogli aus dem Dschungelbuch sie auch hat.
Heute ist Frauentag, weshalb die Frauen alle eine Blume bekommen haben und in der Stadt eine Demonstration der Feministinnen stattfindet.

Frauentagsbewegung in Santiago de Chile
Frauentagsbewegung in Santiago de Chile

Durch die Fußgängerzone strömen die Menschen. Achtung auf die Wertsachen ist angesagt! Wir werden auch so gleich Zeugen, wie ein Mann vom Postboten verfolgt wird, weil er dem offensichtlich gerade eine Fracht entwendet hat.

Auf unserem Weg besuchen wir das Museo Nacional de Bellas Artes, das Künstlerviertel Barrio Bellavista und natürlich auch den Spielplatz. Auf dem Rückweg stoßen wir auf eine Menschenversammlung vorm Palacio de La Moneda, überwacht von Polizisten. Das interessiert mich. Ich kann es mir nicht verkneifen und frage einen Polizisten, was hier los ist. Er gratuliert mir darauf zum Frauentag und fragt, ob ich denn von meinem Mann heute nichts geschenkt bekommen habe. Doch ich habe, wenn auch nicht mit dem Hintergedanken des Frauentage – eine handgemachte gelbe Strickjacke. Das Baby brauchte eine, da musste ich glatt Solidarität zeigen. Der Polizist freut sich für mich und lädt uns herzlich zur Aufführung anlässlich dieses Feiertages ein, die hier 21:30 Uhr stattfindet. Zu gerne hätte ich die Einladung angenommen, aber mit Kindern zu reisen, bedeutet eben auch gewiße Einschränkungen zu akzeptieren. Stattdessen koche ich zur Feier des Frauentages eine vegetarische Paella.

Tag 3 Santiago Hop-on-Hop-off

Im Großraum Santiago leben etwa die 50 Prozent der Chilenen, in der Stadt Santiago de Chile, die grüne Hauptstadt Chiles, leben ungefähr 30 Prozent der Chilenen. (Zur Größe: 18 Mio Einwohner in Chile davon 5,5 Mio Einwohner in Santiago de Chile.) Das können wir auf keinen Fall erlaufen. Wir entscheiden uns wieder für den Hop-on-Hop-off-Bus, auch wenn es diesmal nicht gerade Budgetkonform ist. Man kann es zwei Tage nutzen. Also wollen wir es am Abend im Hostel zum halben Preis anbieten. Mit dem Bus gewinnen wir auch wieder einen Überblick über die Stadt. Im Preis inbegriffen ist die Standseilbahn auf den 880 Meter hohen Cerro San Cristóbal, wo sich neben einer Kirche, einem Amphitheater und der Statue der Jungfrau Maria für die kulturelle Unterhaltung auch zwei Schwimmbäder zur Abkühlung befinden.

Da wir an der falschen Haltestelle ausgestiegen sind, müssen wir etwas weiter laufen um zum Schwimmbad zu kommen. Doch die Schließzeit sitzt uns im Nacken. Kurzentschlossen mache ich das, was hier ganz viele Backpacker machen: Ich halte meinen Daumen raus. Schon das zweite Auto hält.

Ausübung von Religion auf dem Cerro San Cristóbal
Ausübung von Religion auf dem Cerro San Cristóbal
Baden im Piscina Antilén auf dem Cerro San Cristóbal
Baden im Piscina Antilén auf dem Cerro San Cristóbal

Arbeiter, die gerade auf dem Heimweg sind, rücken für uns zusammen und nehmen uns bis zum Piscina Antilén mit. Für eine halbe Stunde bemühe ich mich jetzt nicht erst in die Badesachen, so dass die anderen mich nicht nackt sehen müssen. Bei den Jungs geht das schneller und über das nackte Baby erfreuen sich die anderen nur. Diese halbe Stunde entschädigt unseren Sohn für die vielen Sehenswürdigkeiten.

Mit der Standseilbahn geht es schließlich den Berg wieder runter. Unser Sohn bemerkt, dass er „mit solch einer Bahn schonmal zu Hause mit den Mäusen gefahren ist“. Im Barrio Bellavista genehmigen wir uns heute Sushi bevor wir den Heimweg antreten.

Im Hostel legt heute im Innenhof ein DJ auf. Unserem Sohn haben wir versprochen, dass wir dieses Vergnügen eine Weile wahrnehmen können. Natürlich tanzen wir zu den Hits der ´80er Jahre bis wir wirklich total müde sind. Wir haben uns sehr amüsiert an diesem Abend, weil unser Kind den großen Jungs die Show gestohlen hatte indem er mit den ihn umringenden Chicas tanzte. Leider war es nicht möglich dies als Foto festzuhalten.

Tag 4 Gran Torre Santiago

Gran Torre Santiago
Gran Torre Santiago

Schon gestern hatte wir uns für heute den Besuch des Gran Torre Santiago beschlossen. Wir nehmen die U-Bahn um an das andere Ende der Stadt, ins Viertel Providencia zu gelangen. Dieses Verkehrsmittel bereitet unserem Sohn genau so viel Freude wie ein Spielplatz. Im angrenzenden Gebäude des Turms (300 Meter) finden wir auch das Hard Rock Café, welches schon vor der Reise auf unserem Plan stand.

Der Große hatte auf seiner ersten Reise in Sydney sein „First Hard Rock Café“-Shirt bekommen. Und das Baby sollte eigentlich in Buenos Aires sein erstes T-Shirt haben, doch dort gab es keines für die Kleinsten. Hier werden wir alle fündig, zum Leid des Reisebudgets. Wir stellen fest, dass wir Santiago lieber bald verlassen sollten, weil wir uns hier offensichtlich so wohl fühlen, dass unsere Ausgeberlaune hier weniger Hemmungen kennt. Denn es gibt noch etwas Neues im Gepäck. Ich habe mich anstecken lassen, werde unvernünftig und folge einer Mode, die hier viele Backpacker folgen. Ich kaufe mir eine kleine Gitarre Made in China.
Endlich finden wir den Zugang zum höchsten Gebäude Südamerikas. 62 Stockwerke rasen wir mit dem Aufzug hoch. Hier oben begreifen wir erstmal richtig, dass diese große, schöne und zugleich ruhige und gemütliche Hauptstadt umgeben von Bergen und karger Landschaft ist.

Buntes Treiben auf dem Plaza de Armes
Buntes Treiben auf dem Plaza de Armes

Auf dem Rückweg machen wir einen Zwischenstopp auf dem Plaza de Armes und beobachten das bunte Treiben der verschieden Darsteller. Als mich dann ein junger Mann anrempelt und so tut als hätte er sich dabei furchtbar weh getan, halte ich instinktiv alles fest an mir. Er beobachtet mich noch eine Weile und verschwindet im U-Bahn-Eingang, wo wir ihn ein paar Minuten später in einer kleinen Gruppe antreffen. Wir beschließen jetzt zügig den Heimweg anzutreten.

Tag 5 und 6 Valparaiso – Die chaotische Stadt

Halb eins bringt uns das Taxi zum Flughafen. Wir haben uns wieder für etwas mehr Freiheit und Individualität in Form eines Mietwagens entschieden. Alles geht ganz zügig und wir sitzen zeitnah im Auto in Richtung Valparaiso. Gleich zu Beginn müssen wir tanken, damit wir es auch aus der Stadt schaffen, denn der Tank ist leer. Doch nach ungefähr 30 Kilometern müssen wir den Beschluss fassen umzukehren und uns im Stau anzustellen um das Fahrzeug zu tauschen. Die Geräusche sind atypisch und wecken den Verdacht in uns, dass es von den Rädern kommt. Wir haben bereits genug Fahrbahnmarkierungen von Unfalltoten an den Straßenrändern gesehen und zwei Unfälle Live; Wir haben nicht das Bedürfnis uns einzureihen. Auch der Austausch geht nach kurzer Diskussion wieder sehr schnell. Trotzdem kostet uns das ganze zwei Stunden Zeit, sodass wir erst am späten Nachmittag in Valparaiso ankommen.

Es ist kalt und sehr windig. Wir brauchen einfach nur ein gemütliches Plätzchen. Das bekommen wir bei Johan – durch Zufall. Irgendwas sehe ich mit „Bag Pack“ an seiner Tür stehen und klingel einfach. Er lässt mich auch gleich in sein Haus. Willkommen zu Hause vor acht Jahren, denke ich so. (2006 haben wir mit der Komplettsanierung eines alten Bauernhauses begonnen)

Überall stehen die Trockenbauwände angelehnt, zum Teil fehlen noch Fenster und Oliven an den Türen, die Küche ein selbstgebautes Provisorium und die Dachterrasse eigentlich nur mit Sicherheitsleine zu erklimmen. Er ist uns sympathisch und bietet uns zudem eine Bleibe in privater Atmosphäre. Und das Beste stellt sich heraus, ist der neue Freund Fransico. Unser Sohn und er sind sofort auf einer Wellenlänge, spielen zusammen das Vorschulspiel auf dem Tablet, mit den Autos und rasen den Gang auf und ab, wobei sie laut gackern. Wir sind uns einig; wir müssen mindestens zwei Nächte hier bleiben.

Augenbehandlung bei Johan
Augenbehandlung bei Johan

Am nächsten Tag hat mein Mann wieder Probleme mit den Augen. Johan studiert unter anderem Heilkunde und bereitet eine Tinktur aus Kerbelwurzeln zu. „Schlimmer kann es nicht werden“, meint mein Mann und lässt sich das Zauberelixier in die Augen tropfen. Sofort muss er sich hinlegen und etwas schlafen, weil seine Augen jeden Augenblick drohen zu explodieren. Im Schlaf kommt ihm die Erleuchtung, dass er auf frische Möhren auch so reagiert hat und das es sich hierbei möglicherweise auch um eine allergische Reaktion handelt.

Nachdem er sich die Augen ausgespült hat und sie sich schließlich etwas beruhigt haben, erkunden wir den Ort zu Fuß. Wir bestaunen im Hafen die großen Kräne und die riesigen Militärschiffe, auf dem Marktplatz das Denkmal von Arturo Prad sowie die geniale Idee historische Außenmauern mit einem modernen Glasbau zu kombinieren. Gemütlich schlendern wir über einen kleinen Flohmarkt, wo unser Sohn seiner besten Freundin ein kleines Mitbringsel kauft.
Valparaiso wird im Lonely Planet(R) als „extravagant, verfallen, bunt und poetisch – kurz: eine herrlich chaotische Stadt“ beschrieben. Das trifft es genau. Graffiti schmücken hier nahezu jedes Haus, Kunst an jeder Straßenecke und irgendwie kein klares Stadtbild.

Denkmal Arturo Prad
Denkmal Arturo Prad
Hafen von Valparaiso
Hafen von Valparaiso

Am Nachmittag kommt wieder ein starker Wind auf. Der Große kennt schon den Stundenplan seines neuen Freundes und möchte nun schleunigst zurück. Da es unangenehm ist, wenn der Sand durch den Wind gegen die Beine peitscht, willigen wir ein.

Unsere Wäsche ist auch schon knochentrocken als wir zurückkehren. Wir plaudern noch ein bisschen mit Johan, der uns auch Tipps für unsere Weiterreise gibt. Dabei fällt mir zunehmend auf, dass mein Mann schon ganz gut Spanisch versteht, weil ich nicht mehr alles übersetzen muss. Ich bin begeistert, denn für unseren Sohn ist es auch schon völlig normal auf Spanisch zu antworten; Manche Sätze hat er schon intus und andere erfragt er bei mir; Auch auf die Gefahr hin, dass es sich nicht um einwandfreies Spanisch handelt, was ich ihm beibringe – er wird verstanden und erntet dafür Umarmungen, Küsse und Freunde. Unser blonder (B)Engel wird hier ganz besonders von den Frauen geliebt.

Vegetarische Paella

Zutaten für eine Vegetarische Paella für reichlich 3 Personen

  • 2 Möhren
  • 1 Packung frische Pilze
  • 1/4 Kürbis
  • 2 Tomaten
  • 1 gelben Paprika
  • Mangold nach Belieben
  • 1 kleine Zucchini
  • 1 Gemüsezwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1/4 Kaffeetasse braune Linsen
  • 3/4 Kaffeetasse Reise
  • Olivenöl zu Braten
  • 250g Passierte Tomaten
  • Salz, Pfeffer
  • Curry, Ingwer, Gewürzmischung wie Chimichurri oder Provencial

Zubereitung:

Das Gemüse vorbereiten; Waschen, das Gemüse zerkleinern (in Würfel, bzw. Streifen schneiden). Den Reis mit Salzwasser ansetzen. Während er kocht das Öl in einer großen Pfanne erhitzen.

Zuerst den Kürbis, die Möhren und die Linsen anbraten. Nachdem das Gemüse ca. 6 – 10 Minuten bei leichter Hitze angedünstet ist, die Pilze hinzufügen und kurz mit andünsten. Anschließend den Paprika, die Zucchini, Knoblauch und Zwiebel dazugeben und kurz mit anbraten. Wasser bodenbedeckt hinzufügen und ca. 15 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen bis das Wasser reduziert ist.

Passierte Tomaten und Mangold hinzufügen, gut umrühren, dabei nach Geschmack würzen und weitere 5 Minuten köcheln lassen. Abschmecken und Bißfestigkeit prüfen. Gegebenenfalls nachwürzen oder noch etwas köcheln lassen. Zum Schluss alles mit dem Reis vermengen.

Fertig!

 

Sopaipillas

Zutaten für 20 große Sopaipillas oder 40 Appetizer

500 g Weizenmehl
250 g Kartoffel, gekocht und gestampft
100 g Schmalz oder Gemüseöl (alternativ Sonnenblumenöl)
30 g zerlassene Butter
3/4 Tasse heißes Wasser
Salz

zum Fritieren:
250 g Schmalz
250 ml  Gemüseöl

Zubereitung:
Vermische das Mehl, die gestampften Kartoffeln, Schmalz/ Gemüseöl, Butter und das Salz. Füge das Wasser hinzu und knete alles für einige Minuten mit der Hand zu einem Teig. Packe den Teig in ein Küchentuch und lasse ihn 30 Minuten ruhen.

Rolle den Teig mit einer Teigrolle auf 3 Millimeter aus und stech mit einer runden Backform mit der Größe deiner Wahl die Sopaipillas aus und steche sie zusätzlich viermal mit einem Messer an.

Fritiere die Sopaipillas in genügend Öl und Schmalz für 8 Minuten von jeder Seite oder bis sie goldbraun sind. Anschließend mit einer Schaumkelle auf ein Küchentuch geben. Am besten warm verzerren.

Homestay bei den Mapuche

Fernbus Bariloche nach Temuco
Fernbus Bariloche nach Temuco

Die Reise mit dem Fernbus von Bariloche nach Temuco gestaltet sich als sehr angenehm und vergeht dementsprechend schnell. Mitternacht erreichen wir Temuco in Chile.

Ein Mapuche scheint uns gleich zu erkennen und kommt zielgerichtet auf uns zu. Zaghaft fragt er mich, „ob wir zu Nadia kommen“. Ich freue mich wie verrückt. Nicht nur, weil wir nicht erst noch lange warten müssen. Nein! Ich habe ihn auf Anhieb verstanden. Keine unklaren Wörter, nichts genuscheltes, einfach verständlich – Wunderbar! Zum Beispiel ist „Me llamo …“ hier nicht „Me [sch]amo …“ sondern wie es in meinem Lehrbuch steht „Me [j]amo …“

Zwei Stunden Fahrt sind es jetzt noch bis zur verabredeten Mapuche-Gemeinde am Lago Budi. Als wir ankommen, hat Nadia schon das Feuer in unserer Ruka für uns angemacht. Wir fallen völlig erschöpft in die Betten, welche neben der Feuerstelle aufgestellt sind.

Tag 1 Mapuche-Kultur kennenlernen

Nach dem späten Frühstück entdeckt unser Sohn die Nachbarskinder. Es steht für ihn außer Frage ob er dahin geht oder nicht. Geschwind läuft er über das Feld zu ihnen hin.

Wohnen in einer Ruka bei den Mapuche
Wohnen in einer Ruka bei den Mapuche

Derweilen genießen wir den Ausblick von unserer Ruka auf den Budisee und fühlen uns leicht heimisch. Von einem Karren, vor den zwei Ochsen gespannt sind, werden wir am frühen Nachmittag ins Ortzentrum von Llagepudi gebracht. Der Ortskern besteht aus einem Restaurant und einem Kulturzentrum, einer Ruka, die von der Gemeinde für Feste und Veranstaltungen genutzt wird. Dort erfahren wir was die Mapuche-Kultur ausmacht.

Auf einen Dolmetscher hatten wir vor Antritt der Reise bewusst verzichtet, da wir uns das Homestay-Feeling bewahren wollen. Hier im Kulturzentrum merke ich jedoch deutlich meine Grenzen. Das Wesentliche, so glaube ich zumindest, habe ich verstanden. Die Mapuche haben den Ehrgeiz, so erfahren wir später, ihre Gastfreundschaft wie in einem Hotel zu bieten. Dementsprechend wird uns ein Dreigang-Menü aufgefahren. Unsere Vorlieben hatten sie im Vorab schon abgefragt. Zu der leckeren Gemüsesuppe gibt es „das beste Brot der Welt“ so unser Sohn. Zum Hauptgang gibt es ein leckeres Gericht mit Quinoa und Gemüse. Und zum Dessert gibt es Birnen aus eigener Ernte. Das meiste, was wir hier verzehren ist aus eigenem Anbau der Gemeindemitglieder.

Typisch bei den Mapuche; Gerichte mit Quinoa
Typisch bei den Mapuche; Gerichte mit Quinoa

Später kommt Nadia mit Schafwolle zur Ruka und zeigt uns, wie die Mapuche ihr Garn herstellen. Dabei erfahren wir auch wie sie mit ganz natürlichen Mitteln das Garn im Anschluss färben. So leicht, wie die Herstellung bei ihr aussieht, geht das gar nicht. Wir versuchen uns alle drei daran. Mein Mann stellt sich wohl am geschicktesten an. Für das Weben wiederum kann sie mich am meisten begeistern. Abends fühlen wir uns dann endgültig zu Hause. Nachdem die Jungs das Feuer entfacht haben, setzen wir uns gemütlich mit Tee und den in Puerto Matryn erworbenen UNO-Karten darum.

Tag 2 Kochen mit den Mapuche

Für heute sind wir zum Kochen verabredet. Dafür werden wir erstmal eingekleidet. Das ist nicht nur für meinen Mann und mich interessant, auch unser Großer hat Spaß daran zu helfen. Das Baby gluckst fröhlich im Kinderwagen. Zu den Brötchen aus Kartoffelteig gibt es einen typischen Eintopf der Mapuche (kollof en mapudungun) aus Meeresalgen (cochayuyo), Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln.

Kochen bei den Mapuche
Kochen bei den Mapuche

Die Zubereitung geht sehr einfach und relativ schnell. Doch ich muss gestehen, dass diese Meeresalgen nicht meins sind. Bereits der Geruch beim Kochen erinnert mich an Süß-Sauer – Innereien. Das steigert meine Hemmungen beim Essen. Meinem Mann dagegen schmeckt es gut, sodass sein Teller schließlich lehr ist. Mir ist es ein bißchen peinlich, dass ich das „comida típica“ verschmähe. Also gebe ich meinem Mann schnell noch was von meinem Teller, damit wir es auf die Menge schieben können, dass etwas übrig bleibt. Heute wird unser Großer zum letzten Mal als fünfjähriger Junge einschlafen.

Tag 3 Sechster Geburtstag mit den Mapuche

Nadia weckt uns mit dem Frühstück. Aus vollem Halse grölen wir ein Geburtstagslied für unseren Sohn. Ich bin ein bisschen gerührt, weil mein Sohn nun endgültig kein kleiner Junge mehr ist. Schnell drapieren wir die in Bariloche gekauften Geburtstagsgeschenke auf dem Frühstückstisch.

Die Kriterien beim Besorgen der Geschenke haben wir ganz gut eingehalten. Teuer sollte es nicht sein, damit wir bei Verlust nicht all zu große Reue empfinden. Billig fabriziert sollte es aber auch nicht sein, damit es keine Tränen gibt, weil es gerade 14 Tage gehalten hat. Zudem sollte es nicht irgendwas sein, sondern etwas was er braucht und worüber er sich noch dazu freut. Wichtiges Kriterium war, dass es nicht groß sein durfte, damit es Gepäckkonform ist.

Die Augen unseres Großen leuchten als er die Taucherbrille von Cars(R), den VW Microbus(R) und die Dinosaurier Minikollektion mit T-Shirt aus dem Museum in Bariloche auspackt.

Heute werden wir in die Heilkunst der Mapuche eingeweiht. Im Medical Centro bekommen wir von Elizabeth erklärt, dass der „Machi“ für die Heilung von Krankheiten zuständig ist. Er stellt nicht nur die Diagnose sondern auch die Medizin her. Wir werden in die Welt der Heilkräuter mitgenommen. Übrigens auch eine hervorragende Kulisse für die kleinen Dinosaurier. Wir sind begeistert und pflanzen schon in Gedanken diese Sträucher und Pflanzen in unseren Garten. Wir tauschen den Kontakt aus, weil wir sehr gern den Katalog der Naturheilkunde der Mapuche haben möchten.

Abendunterhaltung in unserer Ruka am Feuer
Abendunterhaltung in unserer Ruka am Feuer

Den restlichen Tag verbringen wir mit essen, schlafen, spielen und malen. Zum Abendessen gibt es wieder ein Dreigang-Menü mit frischem Fruchtsmoothie. Natürlich lassen wir auch den Geburtstag am Feuer mit Tee und UNO ausklingen. Zur Feier des Tages und zur Freude unseres Sohnes gibt es Chips dazu.

Tag 4 Bootsausflug um die Isla Cueva del Zorro

Nach dem Frühstück laufen wir mit Nadia über den Acker, ein Feld entlang der Weide zum Lago Budi, wo ihre Cousine bereits mit einem Paddelboot auf uns wartet. Wir schlüpfen alle in unsere One-Sice-Rettungswesten und klettern über die Grasnarben in das Boot. Auf geht’s! Während wir mit dem Boot Kurs auf die Isla Cueva del Zorro nehmen, bietet mein Mann als echter Gentleman ihr an, das Ruder zu übernehmen, da sie angestrengt wirkt. Sehr gern nimmt sie offensichtlich das Angebot an. Doch auch er kämpft mit den starken Wellen, die mit dem Boot nur zu gern spielen, es drehen, es nah an die Felsen im Wasser treiben. Nach einer Weile fragt sie, wieviel Zeit wir haben. Als wir die Hälfte der Insel umrundet haben, wechseln die Beiden wieder ihre Sitzplätze. In gleichmäßigen Zügigen geht es weiter um die Heimat der vielen verschieden Vogelarten. So hilflos war die Cousine also gar nicht.

Umrundung der Isla Cueva del Zorro
Umrundung der Isla Cueva del Zorro

Nun kann mein Mann auch am Birdwatching teilnehmen, von dem er bisher durch seine Bemühungen, das Boot voran zu bringen, abgelenkt war. Als wir schließlich wieder das Land erreichen bin ich froh, dass wir die Kelle doch nicht zum ausschöpfen benutzen mussten, trotz dass das Wasser sich inzwischen im ganzen Boot verteilt hat. Wir schlendern zur Ruka zurück durch die Wiese und das Feld vorbei an reifen köstlichen Brombeeren. Dort nutzen wir den restlichen Nachmittag für einen kleinen Sonnenbrand, Spielen mit dem neuen Spielzeug, Weben, Urinstinkte am Feuer und Kartenspiele. Packen müssen wir diesmal nicht viel vor der Abreise, da wir nur das notwendigste aus den Taschen geholt haben. Durch das offene Feuer in unserer Ruka riecht natürlich alles stark nach dem verbrannten Eukalyptusholz.

Tag 5 Abschied von der Mapuche-Gemeinde

Unsere Zeit mit der Mapuche-Gemeinde ist um. Doch bevor wir uns verabschieden bitte ich Nadia noch mir ihren Garten zu zeigen. Sie hat zwei. Einer für die unempfindlichen Pflanzen wie Kartoffeln, Mais, Quinoa, Bohnen und Kürbis und einer in dem sich auch das Gewächshaus befindet, bepflanzt mit Kräutern, Tomaten, Gurken, Physalis, … Der große Garten ist wie ein Acker angelegt, übersichtlich mit geraden Reihen, auf dem in jeder Reihe etwas anderes gepflanzt ist. Der kleine Garten sieht auf den ersten Blick wild und unwillkürlich bepflanzt aus. Doch alles hat sein System. Von den dicken Physalissträuchern gibt Nadia mir für unseren Weg zwei Hände voll mit. Dann heißt es schließlich Abschied nehmen. „Pewkayal“ lernen wir noch von Luis.

Auf der Fahrt zum Busbahnhof bemerken wir unseren ersten Verlust. Das nach langer Suche in Bariloche ergatterte Spucklätzchen für das Baby haben wir über dem Rangerzaun vor der Ruka hängen lassen. Zum Umkehren ist es zu spät. …

Abschied von Argentinien in Bariloche

Wir haben uns diesmal für eine Nachtfahrt entschieden, damit die Kinder so wenig wie möglich davon wahrnehmen. Eigentlich wollen wir uns abwechseln, doch mein Mann zieht die Fahrt alleine durch. Ich bleibe dennoch tapfer und zwinge mich munter zu bleiben. In Argentinien ist es während der Nacht stockdunkel. Das ist vermutlich auch der Grund, warum mein Mann das Steuer nicht an mich abgeben will. Abschied von Argentinien in Bariloche weiterlesen

Auf der Halbinsel Valdès auf Walsuche

Es sind ca. 1200 Kilometer bis zur Halbinsel Valdès. Die wollen wir in keinem Fall mit einem Ritt bezwingen. Deshalb beschließen wir einen Zwischenstopp in Perito Moreno. Das Hostel haben wir schon gebucht. Und da es dort auch noch ein UNESCO-Weltkulturerbe zu sehen gibt, wollen wir dort zwei Nächte Zwischenstopp einlegen.

ca. 9000 Jahre alte Handabdrücke
Cuevas las manos

Wir hatten schon vielversprechende Bilder der Cuevas de las manos gesehen. Als wir schließlich dort ankommen, stellen wir fest, dass die Geschichte um die Hände an den Felsen schon spannend ist, aber weniger spektakulär anzusehen als erwartet.

Die Fahrt zu unserem Endziel dieser Tour, durch Wüstenlandschaft, an Ölfeldern vorbei und über unbefestigte Straßen gestaltet sich auch nicht interessanter. Am Abend erreichen wir endlich Puerto Pirámides auf der Halbinsel Valdes. Es ist „Low season“, weshalb wir heute die Auswahl an Unterkünften haben. So bekommen wir den 14-Bett-Schlafsaal für uns ganz alleine.

Route 40 durch Argentinien
Route 40 durch Argentinien

Die Duschzeiten haben wir leider verpasst. Morgen zwischen 19:30 Uhr und 22:00 Uhr haben wir die nächste Möglichkeit. Also ist Katzenwäsche angesagt. Nachdem der Große ausgiebig in der Bar gemalt hat fallen wir in die Betten und …

Tag 1 Auf der Suche nach den Walen

… schlafen lange. Die (Groß-)eltern haben schon mehrmals versucht Kontakt aufzunehmen. Aber das Internet funktioniert auch hier nicht so recht. Es wird also wieder nur ein kurzes Intermezzo mit zu Hause. Bei den Nationalparkwächtern hatten wir gestern Abend, mit Eintritt auf die Insel, die Gezeiten erfahren. Bei Flut stehen unsere Chancen wohl besser Wale sehen zu können. Ist doch klar was da auf unserem Plan steht; 15:00 Uhr Punto Calessa und 17:00 Uhr Punto del Norte.

Seelöwenkolonie am Punto Norte auf der Halbinsel Valdès
Seelöwenkolonie am Punto Norte auf der Halbinsel Valdès

Wir treffen Pinguine, Seelöwen, einen Graufuchs, Guanacos, Gürteltiere und … Schafe, aber keine Orcas. Ich erfrage bei einem Parkwächter unsere Chancen, der mich sofort lachend als Touristin enttarnt – Nicht nur wegen meinem spanischen Spanisch sondern auch aufgrund meiner Frage. In diesem Februar konnte man zwar bereits fünf Tiere sichten, aber es ist eigentlich  nicht so die richtige Zeit. Wir trösten uns mit dem Highlight, dass ein Gürteltier unserem Sohn das Gras aus der Hand gefressen hat.

Gürteltier hautnah
Gürteltier hautnah

Unser Glück wollen wir morgen nicht noch einmal versuchen, da es ja doch immerhin 70 Kilometer Schotterpiste pro Strecke sind, auch wenn mein Mann den Renault Duster inzwischen sehr zu schätzen gelernt hat.

 

Tag 2 Faulenzen und Badespaß auf der Halbinsel Valdès

Kein Strom, kein Internet, kein Wasser … Da merkt man erstmal wie abhängig man ist. Da besinne ich mich doch glatt wieder der altmodischen Art und schreibe die restlichen 13 Postkarten. Eine Karte möchte unser Sohn selber schreiben. Ihm vergeht die Lust tatsächlich nicht daran, wie wir erst glaubten. Ich diktiere ihm Buchstabe für Buchstabe. Und schließlich ist schon wieder Mittagszeit. Uns ist nach Kraft tanken. Das handhaben wir auf unterschiedlichste Weise.

Baden im Atlantik in Puerto Piramydes
Baden im Atlantik in Puerto Pirámides

Während ich mit dem glucksenden Baby am Strand sitze, badet der Große vor mir im eiskalten Atlantik und mein Mann verbessert sein Werk an der Kamera im Hostel. In El Calafate hatte er dies schon beschlossen und sich im hiesigen Baumarkt Lötkolben und andere diverse Werkzeuge besorgt. Als er sein Werk vollendet hat, gesellt er sich schließlich auch zu uns. Inzwischen ist Ebbe und das Kind sorgt für Ordnung am Strand. Ich bin schon stolz, wie er mit gutem Beispiel vorangeht, auch wenn das im Anschluss für uns Intensivkörperreinigung bedeutet.

Tag 3 Puerto Madryn, die Stadt der Meeresbiologie

In Puerto Madryn wollen wir uns heute gern das Museo Provincial de Ciencias Naturales y Oceanográfico, das EcoCentro und das Observatorio Punta Flecha ansehen. Dort können wir etwas über das maritime Ökosystem und speziell alles über Wale erfahren. Doch die Öffnungszeiten stimmen mit unserem Reiseführer nicht (mehr) überein. Das eine hat nur bei Flut geöffnet, das andere hat seine Öffnungszeiten spontan für diesen Tag geändert und das EcoCentro öffnet erst, wenn wir dann in Richtung Westen fahren müssen. Also genehmigen wir uns im Chonas ein super leckeres Mittagessen. Ich muss so hungrig aussehen, dass meine Portion „Risotto Vegetaria“ gleich für drei reicht. Der Preis passt super ins Backpacker-Budget.

Im Anschluss gehen wir auf den Spielplatz auf der Strandpromenade um unser Kind im Voraus für die bevorstehende lange Fahrt zu entschädigen. Bevor es dann endgültig losgeht, stelle ich mich „noch schnell“ in der Schlange in der Post an um meine Karten noch auf den Weg zu bringen. Als ich schließlich dran bin, bilde ich mir ein die Zahlen auf Spanisch verlernt zu haben, denn die freundliche Angestellte scheint mir irgendwas von 1550 Pesos (rund 65 Euro) zu erzählen. Ich zeige ihr die beiden Karten, welche ich in Ushuaia frankiert bekam. Sie schüttelt eifrig den Kopf und wiederholt mir den Preis, rechnet mir vor wie sie darauf kommt und versichert mir, dass die anderen acht Postkarten mit den Briefmarken aus Ushuaia nicht ankommen werden.

Riesiger Dinosaurier vor Trelew
Riesiger Dinosaurier vor Trelew

Ich bin verärgert und beschließe, dass das die letzten Postkarten waren, die ich in Argentinien geschrieben habe. Mit Widerwillen schiebe ich ihr das frisch erworbene Bargeld über die Theke, weil sie natürlich nur Efectivo nimmt.

Im Nachbarort halten wir noch schnell für den riesigen Dinosaurier an, bevor es in die lange Nacht geht.

Auf in die Anden zu Gletschern und Berggeistern

Die Remise haben wir für 4:15 Uhr bestellt. Es sind nur fünf Minuten mit dem Auto bis zur Bushaltestelle. Um diese Uhrzeit aber zu nervenaufreibend mit dem müden Kind die Strecke steil bergab zu Fuß zu bezwingen.
Seit um vier stehen wir nun hier und warten mit unseren Taschen in der Kälte vor der Eingangstür der Herberge. Normalerweise stören uns zehn Minuten Verspätung lange noch nicht. Aber 4:27 Uhr werden wir sehr nervös, da wir die Zuverlässigkeit in Argentinien noch nicht so recht einschätzen können.

Erst gestern hatte ich die Diskussion mit einer Einheimischen über Uhrzeiten. Ich erklärte ihr, dass ein Deutscher eher 14:30 Uhr am Treffpunkt wäre, wenn man sich für 15:00 Uhr zum Segeln verabredet hat. Sie hingegen sagte mir lachend darauf, dass hier 15:00 Uhr die Angabe der Pufferzeit ist und es somit erst 16:00 Uhr los geht. Ehrlich gesagt, würde ich mich dennoch jedesmal vorher vergewissern.

Wir entscheiden uns loszulaufen. Das große Kind muss sich heulend seinem Schicksal ergeben. Mein Mann beginnt schnaufend beide Rucksäcke zu schleppen als uns schließlich doch unser Taxi entgegen kommt. Total verschlafen und völlig orientierungslos steht er neben seinem Auto und hält Maul-Affen-Pfeil, während wir unser Gepäck in sein Taxi schleudern. In einer Seelenruhe fährt er zum Busbahnhof. Der Bus steht schon da. Der Fahrer lässt schon die ersten Passagiere an Bord.

Trotz des kurzzeitig erhöhten Adrenalinspiegels schlafen wir schnell ein. Das Baby hat in seiner Babyschale ohnehin nichts von der Aufregung bemerkt und der Große hat seinen heiligen „Eli“ (Kuscheltier), der ihm schnell über den morgendlichen Kummer tröstet.
Nach ungefähr zehn Stunden Busfahrt über die Insel Feuerland, durch Chile und Südpatagonien, mit einem Zwischenstopp in Rio Grande erreichen wir mitten in der Nacht El Calafate.

Süßes Frühstück bei "Don Luis" in El Calafate
Süßes Frühstück bei “Don Luis”

Wieder rollen dicke Tränen wegen der Schlafstörung. Schnell gelangen wir auch zur nächsten Herberge. Und genauso schnell fallen wir in unsere Betten im Sechs-Bett-Zimmer. Wir stören niemanden, denn die anderen kommen auch gerade erst vom Festival zurück.

In El Calafate findet jedes Jahr um diese Zeit das National Lake Festival statt. Es treten eine Woche lang verschiedene Bands auf und in der Stadt sind die Touristen los.

Tag 1 El Calafate zu Fuß

Nachdem wir schön ausgeschlafen haben genehmigen wir uns ein Frühstück beim Bäcker an der Ecke Don Luis. Alles duftet und besticht die Augen, sodass wir uns schwer entscheiden können, was wir essen. Wir beschließen nach dem Essen: „Backen können Die auf jeden Fall!“ Als nächstes ist Spielen auf dem Spielplatz angesagt. Schnell findet unser Sohn wieder den Anschluss und spielt mit den anderen Kindern Piraten. Wir wollen aber auch noch etwas vom Ort sehen. Deshalb besuchen wir noch das Reserva Ecológica Municipal Laguna Nimez, ein Vogelschutzgebiet.

Reserva Ecológica Municipal Laguna Nimez
Reserva Ecológica Municipal Laguna Nimez

Doch die Flamingos treffen wir nicht mehr an, da sie bereits in den Norden Argentiniens geflogen sind. Dafür finden wir essbare Beeren, die wie Blaubeeren schmecken. Die grauen Wildgänse beeindrucken unser Kind nicht mehr, da er im Sommer täglich welche vor der Haustür sieht. Jedoch die Vorstellung, dass hier Sumpf ist, wirft sehr viele Fragen an uns auf. Auf dem Rückweg wollen wir uns das Festival mal genauer anschauen. Also lassen wir uns auf der Tribüne vor der Bühne nieder. Zufällig spielt eine Band gerade, die unseren Ohren schmeichelt. Das Baby, der Große und ich tanzen ein bisschen, während mein Mann das Geschehen beäugt. Der Hunger treibt uns aber schließlich weiter. In einer kleinen Kneipe probieren wir heute das günstige „Menu del dìa“. Diese Angebote findet man hier sehr häufig. Sie beinhalten meist einen Hauptgang mit Getränk und einem Dessert. Die Müdigkeit steckt noch und wieder in uns. Einig treten wir den Weg zur Herberge an.

Tag 2 Glaciar Perito Moreno

Während mein Mann das Auto vom Flughafen holt, nutzen der Große und ich die Zeit zum Spielen und bloggen. Schließlich geht’s los zum Glaciar Perito Moreno. Atemberaubend! Das Baby genießt diesen Ausflug in der Trage, während wir entlang dem Gletscher wandern und darauf hoffen, das Abbrechen des Eises erleben zu können. Und tatsächlich! Die Geräuschkulisse bietet zwar nicht ganz das Ausmaß was sie versprach als wir den Gletscher noch nicht sahen, aber wir bekommen unsere Show der Natur geboten.

Glaciar Perito Moreno
Glaciar Perito Moreno

Wieder prasseln 1000 Fragen unseres Sohnes auf uns ein. Wir sind so beeindruckt, dass wir die Zeit vergessen. Der Nationalparkwächter dreht seine Abschlusskontrollrunde und macht uns darauf aufmerksam, dass wir die letzten Besucher sind und nun auch gehen müssen.
Eigentlich hatten wir auf das Hostel im Nationalpark spekuliert, welches in der Karte eingezeichnet ist. Doch die Karte, die wir gestern für 200 Pesos kauften, scheint das Update verpasst zu haben. Das Hostel sieht nicht aus als wäre es erst kürzlich geschlossen worden. Der nächste Ort: El Calafate. Wie die Aussichten da um eine Unterkunft stehen ist uns bekannt. Wir wollen positiv bleiben und lassen unsere Laune von den ersten beiden „Lo siento“s auch nicht umstimmen. Wir versuchen es einfach dort nochmal, wo wir gestern schon waren. Der Typ an der Rezeption lächelt mich an als hätte er gewusst, dass wir wieder kommen und zieht unsere Anmeldung von vorgestern vor und fragt wie das neue Abreisedatum lauten soll. „¡Mañana!“ bin ich mir sicher, auch obwohl zur großen Freude unseres Sohnes morgen Luis Fonsi ft. Daddy Yankee hier in Calafate auftreten soll.

Tag 3 Puerto Natales in Chile

Bis nach Puerto Natales fahren wir 6 Stunden. Das Wetter ist regnerisch mit Nebel. Das Passieren der Chilenischen Grenze dauert etwas länger. Das Baby hat für die „3-Step-Variante“ kein Verständnis. Es schreit und bringt den Zöllner dazu, dass ich mit den Kindern ins Auto zurückkehren kann und mein Mann sich fast ganz vorn in der Reihe anstellen darf. Dadurch sparen wir vermutlich eine Stunde. Nachdem der Zöllner unseren Kofferraum kontrolliert hat, verabschiedet er sich stolz in Deutsch von uns. Stolz auf seine Sprachkenntnisse, die sich vermutlich auf „Auf Wiedersehen“ beschränken. In Puerto Natales klingeln, klopfen und fragen wir an ich weiß nicht wie vielen Herbergen. „High season, Señora!“ Es ist 21:00 Uhr und wir haben alle Möglichkeiten abgeklappert. Das Baby heult und der Große hat die Nase voll, zappelt im Auto hin und her. Am liebsten würde ich mich jetzt neben das Baby setzen und mitmachen. Es gibt keinen Nachbarort, in den man mal eben wechseln könnte. Letzte Chance bietet ein Hotel im Ort. Ich könnte umfallen als die Rezeptionsdame mir den Preis sagt. Offensichtlich sieht sie es mir an und dreht uns ihren Laptop zu, darauf eine Homepage eines Hotelbuchungsportals. Über dieses Portal buchen wir ein Zimmer für dieses Hotel für weniger als die Hälfte des Hauspreises. Sie hat ein Herz für uns und gibt uns als Krönung des Ganzen die Suite.

Tag 4 Nationalpark Torre del Paine

Über Schotterpisten fahren wir in den Nationalpark Torre del Paine. Es ist ein ausgesprochenes Wandergebiet und ohne Vorbereitung und Anmeldung ist es nicht erlaubt das „W“ zu laufen. Für uns steht diese Option sowieso außer Frage, da das große Kind schon nach der ersten halben Stunde rum moosert. Mir gelingt es ihn abzuholen. Ich erzähle ihm von der Märchenwelt, die wir gerade über die Hängebrücke betreten haben, von Hobbits und Waldfeen.

Nationalpark Torre del Paine - Hängebrücke zum Lago Grey
Nationalpark Torre del Paine – Hängebrücke zum Lago Grey

So wird die kleine Wetterstation am Berg zum Haus vom Berggeist, ein hervorstehender Fels zur Burg von Prinz John und der Baum davor zum Baumhaus von Robin Hood. Seine Fantasie hat nun freien Lauf und er ist begeistert von dem Stück des Nationalparks welches wir erlaufen. Die teure Bootsfahrt bis vor den Gletscher auf dem Lago Grey sparen wir uns. Den Glacier Grey sehen wir auch vom Berg aus ganz gut. Vor uns schwimmt zudem auch ein großes abgebrochenes Stück, was uns die Größe des Gesamtwerkes erahnen lässt. Der Park ist wunderschön. Gern würden wir mehr Zeit hier verbringen. Wir hatten heute auch ausgesprochenes Glück mit dem Wetter – Sonnenschein mit klarem Himmel. Morgen und an den folgenden Tagen soll es jedoch kalt und regnerisch werden. Wir beschließen den Aufbruch nach El Chaltèn.

Tag 5 El Chaltèn

Wir hatten eine E-Mail an das Hostel unserer Wahl voraus gesandt als das Internet mal ging. Aufgrund von Wartungsarbeiten an den Oberleitungen in Puerto Natales war dies nämlich Mangelware.

Torre del Paine

Als wir El Chaltèn erreichen, bietet sich uns ein gemütlicher Ort mitten in der Wüste zwischen den Bergen. Ein „Private room“ hat er nicht für uns, aber ein „Dormbed-Room“ was er für uns privat macht, damit die Kinder ihre Ruhe haben. Und außerdem heiße ich schließlich wie er – Emilio. Heute ist nur noch Essen, Spielen und Schlafen angesagt.

Tag 6 Mount Fitz Roy und das Zauberwasser

Aus der Lagune Capri kann man das Wasser trinken und genießt einen tollen Ausblick auf den Mount Fitz Roy.
Aus der Lagune Capri kann man das Wasser trinken und genießt einen tollen Ausblick auf den Mount Fitz Roy.

Den Mount Fitz Roy bezwingen können wir mit den Kindern wohl nicht, aber sehr nah kommen. Also wandern wir los. Das Baby genießt wieder jeden Schritt in der Trage auf meinem Rücken. Unterwegs treffen wir einen Baumgeist: Der Große klettert in das Innere eines hohlen Baumes und ruft den Geist. Mein Mann schaltet blitzschnell und redet durch ein Loch der geschlossenen Seite des Baumstammes als Berggeist zu ihm. Von dieser Begegnung zehrt das Kind den ganzen Tag. In der Lagune Capri können wir unsere Flasche mit „Zauberwasser“ abfüllen, welches man ausdrücklich trinken kann. Das hilft uns den Abstieg gut zu überwinden. Zuvor machen wir hier noch ein Picknick. Auf dem Heimweg durch den Ort finden wir in einem kleinen Kiosco auch noch eine Broschüre über die ansässigen Tiere Patagoniens. Die gute Laune unseres Sohnes am Abend ist also auch gesichert. Ewig schaut er sich das Heft an und erläutert uns was er sieht bis er einschläft.

Feuerland mit Erinnerungen

Pünktlich bringt uns das Taxi zum Flughafen. Keine Adrenalinschübe, nichts vergessen, keine Hürden am Check-In. Nach vier Stunden Flug landen wir in Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt.

Die Landung war schon beeindruckend; Wir flogen aus dem klarblauen Himmel mit Sonnenschein durch dicke fette Wolken, direkt auf die Berge zu, deren Kuppen zum Teil mit Schnee bedeckt waren. Die großen Kreuzfahrtschiffe im Hafen waren in der Bucht zu sehen. Und von oben sah der Ort klein und gemütlich aus.

Unser Großer hat gleich wieder einen Freund gefunden, mit dem er über den kleinen Flughafen Fangen spielt, während wir auf die Remise warten, die uns zur Jugendherberge bringen soll. Keine halbe Stunde dauert die Fahrt dorthin. Und die nächste Überraschung wartet schon. Unsere Betten wurden doppelt vergeben, doch die anderen waren eher da. Da hier Familien mit Kindern heilig sind, müssen wir uns nicht selbst um die Lösung dieses Problems kümmern. Der Besitzer bringt uns zu einem Hotel, in dem wir die nächste Nacht verbringen werden. Wir beschließen den restlichen Tag für die Erkundung von Ushuaia zu nutzen. Wir laufen durch den langgezogenen Ort und suchen nach den bunten kleinen Häuschen von denen mein Schwiegervater erzählte. Er war vor einigen Jahren hier.

Mit dem englischen Oldtimer durch Ushuaia. Es gibt nicht all zu viel zu sehen, aber das was es gibt, ist mit Kindern ungünstig zu erlaufen. Es ist auch irgendwie charmant mit dem Oldtimer die Gegend zu entdecken.
Mit dem englischen Oldtimer durch Ushuaia

Es hat sich inzwischen viel getan. Die Stadt ist gewachsen und zählt schon 7000 Einwohner, wie wir während der kleinen Stadtrundfahrt im englischen Oldtimer-Doppelstockbus erfahren. Im Anschluss gönnen wir uns heute einen Besuch im Restaurant. Der Weg zum Hotel ist weit zu Fuß und kalt, sodass ich das Kind mit Geschichten bei Laune halten muss und es freudig am Ziel feststellt, dass der Fußmarsch gar nicht so schlimm war. Halb erfroren kuscheln wir uns in unsere Betten und …

Tag 1 Organisation und Stadtbummel

Einkaufen in Ushuaia für den Alltag kann man im hiesigen Supermarkt. Es gibt alles, was es in Deutschland auch gibt.
So kaufen Wolfs ein; Warum einen Korb, wenn man einen Wagen hat?!

… verschlafen es. Kurzer Ansturm von Hektik. Heute ziehen wir uns warm an! Nach dem Frühstück werden wir zur Jugendherberge zurück gebracht. Skypen mit den (Groß-)eltern. Obwohl eher nur mit den Eltern, da der Große im Innenhof mit der Katze und zwei anderen Kindern spielt. Hier kann er auf Bäume klettern und mit einem Stein einen Sperr schnitzen. So sieht er schließlich später auch aus. Das Baby haben wir warm eingepackt und im Kinderwagen in den Innenhof vor unsere Glastür geparkt.

Was wir hier machen wollen ist schon lange klar. Müssen wir das Ganze nur noch organisieren. Theoretisch geht alles ganz schnell. Doch plötzlich ist die VISA-Karte gesperrt. Eins haben wir uns zum Vorsatz gemacht: Erstmal Ruhe bewahren und schauen woran es liegt und welche Lösungsmöglichkeiten es gibt. Auf unsere Ansprechpartnerin in unserer heimischen Bank war bisher immer Verlass. Und wir werden auch diesmal nicht enttäuscht. Das Kreditinstitut hatte wegen Verdacht auf Kartenmissbrauch die Karte gesperrt. Wir vermuten aufgrund des mehrfachen Länderwechsels in kurzer Zeit. Also brauchen wir uns tatsächlich nicht erst eine Eigenschaft angewöhnen, die eh nicht zu uns passt.

Nervös werden wir aber als man uns in der Jugendherberge sagt, dass wir schnellstens den Bus buchen müssen, da aktuell viele nach El Calafate wollen und es kaum noch Plätze gäbe in der nächsten Zeit. Also schnell zum Schalter. Den restlichen Tag schlendern wir durch den Ort, besuchen die Kunstpassage und organisieren uns für Dienstag ein Boot zu den Pinguinen. Im Supermarkt holen wir uns die Zutaten für Spagettis „á la Casa“ (wie zu Hause) und Fingermalfarben. Verzweifelt versuchen wir die nächste Jugendherberge und ein Auto in Calafate zu reservieren. Doch das Internet funktioniert nicht so recht.

Tag 2 Parque Nacional Tierra del Fuego

Zur Erinnerung: "Wir waren hier" . Die ganze Wand ist vollgeschrieben von Gästen, die bereits hier waren. Auch unser Sohn verewigt sich.
Zur Erinnerung: “Wir waren hier”
Spielen, Malen, Basteln ... Auch das muss mal sein!
Spielen, Malen, Basteln … Auch das muss mal sein!

 

 

 

 

 

 

 

Der Große möchte erstmal spielen, malen und basteln. Wir gewähren ihm diese Zeit und bemalen gemeinsam einen großen Stein mit der neu erworbenen Farbe. Am Nachmittag lassen wir uns zum Parque Nacional Tierra del Fuego fahren um dort etwas zu wandern. Zwei Stunden laufen wir entlang der Lagunen und durch kleine Wälder, aber auch Schotterpisten,auf denen Verkehr ist, den man in dem Ausmaß in einem Nationalpark nicht erwartet. Wir freuen uns auf die Pinguine. Als Vorboten finden wir nach, ich weiß nicht wie vielen Fastfoodketten-Besuchen, den “Waddel” mitten in einem Spielzeugladen.  Als wir zur Unterkunft laufen, werden wir aufmerksam auf heimkehrende “Bomberos”.

Feuerwehr von Ushuaia
Feuerwehr von Ushuaia

Hier machen wir noch einen kurzen Stopp um die Fahrzeuge mit dem Fuhrpark der heimischen Feuerwache zu vergleichen. Das Kind fordert mich auf dem “Kollegen” zu erzählen, dass er Bambini-Feuerwehrmann ist. Schließlich darf er sogar auf den Oldtimer. Später in der Unterkunft sagt er mir: “Mama, ich bin so glücklich” und schläft zufrieden ein.

Tag 3 Pinguine

Mit einem kleineren Boot zur Tierbeobachtung vor Ushuaia
Mit einem kleineren Boot zur Tierbeobachtung vor Ushuaia

Am Vormittag entspannt sich das Thema Unterkunft in El Calafate. Es gab kaum noch Unterkünfte, die zu unserem Budget passen. Doch telefonisch können wir uns noch drei Betten in einem Sechs-Bett-Zimmer reservieren. Das Baby wird bei mir schlafen. Und schließlich treten wir den lang ersehnten Ausflug an. Mit dem Boot fahren wir im Beagle Kanal zunächst zu dem bekannten Leuchtturm des südlichsten Ortes der Welt. Dort tummeln sich Seelöwen und Kormorane.

Den Seelöwen ganz nah vor Ushuaia, Feuerland
Den Seelöwen ganz nah vor Ushuaia, Feuerland

Weiter geht’s vorbei an Puerto Williams (Insel Navarino, Chile) zur Estancia Harberton. Der Große möchte am Liebsten die ganze Fahrt vorn stehen. Doch das ist viel zu windig. Und schließlich das Highlight für uns alle; Wir gehen an Land auf der Isla Martillo und spazieren zwischen hunderten von Pinguinen entlang. Hier leben Magellan- und Gentoo-Pinguine (der einzig wahre Linux-Pinguin, gibt mein Mann mir zu verstehen). Und zu unserer Überraschung sind sogar zwei Königspinguine (zweitgrößte Art der Welt) da, die eigentlich in der Antarktis leben und hier nur zum Fischen herkommen. Unser Sohn ist ganz aus dem Häuschen, so nah den Tieren sein zu können. Man darf die Tiere natürlich nicht berühren. Das würden sie auch durch beißen verhindern, wie uns ein furchtloser Pinguin andeutet. Er stellt sich uns mitten in den Weg und will mit seinem Schnabel an unseren Hosenbeinen ziehen.

Als wir zur Estancia zurückkehren, genießen wir noch selbst gebackenen Kuchen und Tee und machen uns schließlich auf den Rückweg. Viel haben wir hier an den verstorbenen Schwiegervater gedacht und werfen als Gruß noch jeder eine Blume in den Kanal, da er das Wasser liebte. Wir sind erst halb elf in der Nacht von unserem Ausflug zurück. Bleibt nicht viel Zeit zum Schlafen. Der Bus startet 5:00 Uhr in der Frühe nach Rio Gallegos.

Auf der Rückfahrt darf der Große das Boot mit lenken.

Lösungen in Buenos Aires und Abschied

Nachdem wir am Abend alles fertig im Auto verstaut hatten, wollten wir gleich auch noch online die Tickets für den Bus und die Fähre buchen. Verhext! Eine Fehlermeldung, wir sollten uns doch bitte telefonisch irgendwohin wenden. Am Morgen fahren wir einfach los um alles in Montevideo am Busbahnhof zu klären. Dabei werden wir so richtig munter durch die Mautstelle, an die wir keine Sekunde mehr gedacht haben. In unserer Bargeldkalkulation haben wir Wasser, eine Postkarte und den Banknotensammler zu Hause einbezogen, aber keine Maut. Wir am Schalter, hinter uns die anderen Autos und „No efectivo“. Nach einem kurzen, aber heftigen Adrenalinschub findet sich die Lösung in der Argentinischen Währung.

Am Busbahnhof angekommen, müssen wir noch das Auto abgeben. Gott sei Dank alles ein Standort. Alles verläuft gut und ich schaffe es sogar noch fünf Minuten bevor der Bus eintrifft eine Postkarte für einen Couchserfer zu kaufen. Tipp: Die gibt auf Anfrage unter der Ladentheke; Ich habe keine Ahnung warum.

Alles ging so schnell heute Morgen. Der Große hat Hunger und wir könnten einen Kaffee vertragen. Also stapfe ich mit dem Kind an der Hand zum Lebensmittelgeschäft an Bord und lasse mir Cappuccino kochen und wähle mit ihm was zu Essen aus. Als wir schließlich an der Kasse stehen, hinter uns viele andere Passagiere, die den gleichen Gedanken hatten, möchte der Kassierer „Efectivo“. Déjà-vu? Nein, so ein Mist! Unser letztes Geld haben wir vor einer Stunde am Busbahnhof für Getränke gelassen. Und die Argentinische Währung haben wir dummerweise mit im Koffer eingeschlossen, der jetzt im Frachtraum liegt. Wir lassen alles an der Kasse zurück und klagen unser Leid. Mein Mann erbarmt sich und holt Kekse für 5 US-Dollar aus dem Duty Free Shop mit der Kreditkarte, die das Kind schließlich gar nicht mag. Der Tag ist schon jetzt im Eimer.

In Buenos Aires schieben wir uns mit Sack und Pack durch die Menge bis zu unserer Jugendherberge, wo wir wieder herzlich empfangen werden. Heute steht nur noch Duschen, Wäsche waschen, Essen und Schlafen auf dem Programm.

Zurück in Buenos Aires

Es gilt alles vorm Flug zu klären.

Reparatur der Kamera

Innerhalb einer Stunde ist meine Kontrolluntersuchung im Deutschen Krankenhaus erledigt und der Arzt ist zufrieden. Ich bin es auch. Mein Mann war weniger erfolgreich beim Optiker gegenüber, da der Deutsche Optiker nur Spanisch spricht und seinen Geschäftsnamen aufgrund seines Portfolios hat. Gemeinsam kehren wir zu ihm zurück und auch dieses Problem haben wir schnell gelöst – Kontaktlinsen. Die schnelle Abwicklung bisher gibt uns die Hoffnung, dass wir ein hier noch nicht erwähntes Problem an diesem Tag auch noch lösen können. Im Internet hatte mein Mann ein Nikon-Fachgeschäft in Buenos Aires ausfindig gemacht. Hier wollen wir das in Uruguay kaputtgegangene Spezialkabel für das GPS ersetzen. Doch das Geschäft bietet so etwas nicht an. Auch am nächsten Tag im Technikschlaraffenland werden wir nicht fündig. Wir bekommen den dezenten Hinweis auf eine kleine Einkaufsstraße, wo man viele Sachen finden kann, die Touristen brauchen, denn sie gehörten mal Touristen. Da wir nicht wollen, dass später auch etwas aus unserer Tasche dort angeboten wird, lehnen wir ab. Mein Mann beschließt sich Werkzeug und Lötkolben zu besorgen und die Reparatur selbst in die Hand zu nehmen. Durch unsere Argentinisch-Deutsch-Chilenische Bekanntschaft muss er nichts kaufen, sondern wird in ein kleines Geschäft gebracht, in dem er direkt loslegen kann. Nach ca. drei Stunden Kamera komplett zerlegen, Kabel direkt anlöten und Kamera wieder zusammenbauen ist mit großer Freude also auch dieses Problem gelöst.

Straßen-Cabaret in Buenos Aires

Bevor wir uns nun endgültig von Buenos Aires verabschieden müssen, amüsieren wir uns noch bei einem Straßen-Cabaret.

Schließlich fallen wir ins Bett, weil morgen früh das Taxi 6:30 Uhr vor der Tür stehen wird. Wir müssen uns endgültig von Buenos Aires verabschieden.

 

Mehr und Meer in Uruguay

Wir beschlossen bereits in Buenos Aires mobil in Uruguay zu werden, damit wir ein bisschen Land und Leute sehen können. Diese Entscheidung bereuen wir später keines Falls.

Tag 1 Punta del Este

La Mano de Punta del Este

Während mein Mann nach dem Frühstück das Auto am Busbahnhof abholt, packe ich die Taschen und räume das Zimmer. Als er schließlich vor der Eingangstür steht, sind wir bereit mehr und Meer von Uruguay zu entdecken. Entschlossen starten wir in Richtung Punta del Este, wo zu dieser Zeit Jugendtourismus und Party auf dem Programm stehen sollen, was wir aber wenigstens einmal gesehen haben wollen. Nach der ersten Stunde hat das Baby Hunger und die Windel voll. Nach der zweiten Stunde, direkt in Punta del Este, hat der Große keine Lust mehr weiter zu fahren. Zähneknirschend geben wir dem Willen des Kindes nach und suchen uns eine Unterkunft, eigentlich viel zu teuer für unser Budget.

Tag 2 La Paloma und die Lagune

Entlang der Route 10, vorbei an der Laguna José Ignacio

Nach dem Frühstück brechen wir auf und suchen eine Bank für „Efectivo“. Doch nicht jede Bank akzeptiert unsere Karte. Weiter geht es in Richtung La Paloma, immer entlang der Küste. Da kommt es schon mal vor, dass man plötzlich dem Verlauf einer Schotterstraße folgen muss. Teilweise fahren wir in einem Déjà-vu, erinnert an Australien. Schade nur, dass das Umweltbewusstsein offensichtlich sehr niedrig ist.

Ich lese etwas von der Paisaje Protegido Laguna Rocha. Das klingt gut. Also machen wir einen Abstecher in die geschützte Landschaft zur Roten Lagune und werden belohnt. Herrliche Ruhe. Rechts die Lagune, links das Meer. Wir mitten drin.

Eine kleine Blechhütte, die Cochina de la Barra bietet nicht nur Schatten sondern auch frischen Fisch aus den beiden Gewässern nebenan. Und ausnahmsweise mal Preise, die zu unserem Budget passen. Die Jungs bestellen sich Miniatures, eine Mischung aus verschiedenen panierten Fischhappen mit selbst gemachtem Aioli. Auch hier muss ich nicht hungern. Für mich wird extra Kartoffelsalat mit Ei und grünem Salat gezaubert.

Wir sind alle drei begeistert. Nach dem Essen laufen wir ein bisschen der Lagune und dem Meer entlang und genießen.

Leckerer Imbiss direkt an der Lagune.
Leckerer Imbiss direkt an der Lagune.

Dabei erfahren wir, welche Fische und Schalentiere es hier gibt. Unser Großer ist hin und weg, dass wir nun den Haien so nah sind. Am Strand finden wir eine ausgetrocknete Krabbe, die unbedingt mit in die Fossiliensammlung muss.

Leider können wir hier nicht länger bleiben, denn wir wollen nicht wieder unser Übernachtungsbudget sprengen. In dem kleinen Ort La Paloma finden wir ein kleines Hostel direkt am Meer, was allerdings nicht zum längeren Verweilen einlädt. Diese Tatsache ist aber gar nicht so schlimm, denn die überschaubaren Attraktionen des Ortes sehen wir uns bei einem Spaziergang an. Am Abend gibt es eine Fiesta im Ortskern, natürlich mit vielen Interaktionsmöglichkeiten für unser Kind.

Tag 3 Inland Uruguays

Heute wollen wir an die Brasilianische Grenze nach Chuy fahren. Doch unser Ziel ändert sich nach den ersten 15 Minuten Autofahrt schlagartig in das Landesinnere. Ich habe einen Flyer gefunden, der uns dort Sehenswertes verspricht. Wir fahren 50 Kilometer über eine rote Schotterstraße, die sich Route 109 nennt. Den Kofferraum lassen wir während des ersten Stopps lieber erstmal geschlossen, weil wir noch gar nicht sehen wollen, was uns erwartet. Lieber genießen wir den Ausblick über die bergische Landschaft.

Route 109

Unser neues Ziel heißt jetzt Minas. Auf dem Weg dahin besuchen wir noch eine alte Mine und den Parque Salto del Penitente. Wenn man die Antigua Mina de Oro besichtigen möchte, muss man zuvor anrufen. Doch wir haben Glück. Wir treffen auf einen ehemaligen Mitarbeiter, der sich dazu überreden lässt, uns die Mine dennoch zu zeigen. Er freut sich über die Bewunderungslaute unseres Sohnes.

Im Penitente schlagen unsere Herzen hoch vor Freude. Hier gibt es Abenteuer, Fossilien und Wasser. Als wir erfahren, dass wir hier sogar schlafen können, wollen wir natürlich bleiben. Also schlendern wir durch den Park zu Fuß und auch zu Pferde. Der Große ist so von den Fossilien begeistert, dass er ewig davor steht und der Parkwächter uns schließlich erklären muss um welche Tiere es sich dabei handelt und „wie die Schlangen gefangen“ wurden. Natürlich handelt es sich bei allem um Fundstücke. Als wir von unserem Ausritt zurückkehren versammeln sich plötzlich die Angestellten an einem Parkfahrzeug. Wir müssen zum größten Leidwesen unseres Sohnes feststellen, dass entgegen der üblichen Gepflogenheiten hier alles 19:00 Uhr schließt und man auf sich selbst gestellt ist.

Auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln wird eingestellt.

Fossilien im Parque Salto de Penitente

Und wir sind nicht vorbereitet. Also heute doch noch bis nach Minas, wo wir im Dunkeln ankommen. Ich überzeuge einen Hotelier von einem günstigeren Preis, weil wir einfach nur schlafen wollen und morgen früh gleich wieder weg sind. Im Mercado finden wir dann auch noch unser Abendessen.

Tag 4 Geburtstag in Atlántida

Heute hat mein Mann Geburtstag. Der Große will „Sand und Meer, Spielen und Baden, ohne rumfahren“. Wir haben Verständnis für dieses Verlangen, da auch wir müde sind. Und das Baby findet es ohnehin in der Trage oder im Kinderwagen besser als im Kindersitz. Also Kurs auf Est. Atlántida. Auf dem Weg dahin liegt noch die Fuente del Puma, die wir uns auch ansehen wollen. Hierbei handelt es sich um die Quelle des Getränkeherstellers Salus, nichts Spektakuläres. In Est. Atlántida finden wir auch ein kleines Zimmer, wo wir uns die nächsten drei Tage aufhalten wollen. Zwei Blocks weiter ist schon der Strand mit der Strandbar Indigo, ganz nach unserem Geschmack. Es gibt hier nicht nur Empanadas, Papas Fritas oder Pizzetas, sondern auch Paella und Milanesa vegetariana und das für unser Budget. Hier feiern wir auch gemütlich Geburtstag. Müde fallen wir ins Bett und freuen uns, dass wir morgen richtig lange ausschlafen können.

Tag 5 und 6 Baden, Ausruhen, Controlling, Organisation

Zwei Tage an denen wir nur ausruhen, malen, spielen, bloggen, Homepage bearbeiten, baden und spazieren gehen.

Springen und Toben in den Wellen des Atlantischen Ozeans.
Springen und Toben in den Wellen des Atlantischen Ozeans.

Während es draußen heiß ist, können wir im Schatten auf der Terrasse sitzen oder im Innenhof in den kleinen Pool springen.

Wenn die Sonne uns nicht mehr zu verbrennen droht, gehen wir zum Strand oder im Ort spazieren. Am zweiten Tag tollen mein Mann und der Große wieder im Meer herum und springen in die Wellen.

Immer mitten in die Welle rein!
Immer mitten in die Welle rein!

Ich fotografiere vom Land aus dieses Vergnügen und dokumentiere dabei, wie mein Mann seine Brille an das Meer verliert. Auch das noch! Der Aufenthalt in Uruguay ist damit beendet. Am 10. Februar soll unser Flug nach Ushuaia gehen und ohne Brille ist mein Mann aufgeschmissen. Doch wir wissen, wo es einen deutschen Optiker in Buenos Aires gibt.

Und da war die Brille weg, auch das noch!
Und da war die Brille weg, auch das noch!

Per Messenger bekommt mein Mann vom heimischen Optiker die aktuellen Werte zugesandt.

Vamos a ver!