Ladina Bissinger

Gastbeitrag: Volunteering auf Galapagos

Von Ladina Bissinger (Autorin auf www.spitzbueblein.de)

Das Abitur in der Tasche, die scheinbar endlose Schulzeit hinter sich, steht so manch einer vor der Frage, was denn nun kommen soll.
Für mich war klar, gleich ein Studium zu beginnen, das wäre nichts für mich. Mich zog es hinaus in die Welt. Ich wollte Erfahrungen sammeln, Menschen kennenlernen, meine neu erworbene Freiheit genießen – und vor allem: etwas erleben, meine Lust auf Abwechslung und Abenteuer stillen.

So kam es, dass ich mich eines frühen Februarmorgens voll bepackt auf dem Frankfurter Flughafen wiederfand. Es folgten ein schmerzhafter Abschied von meinem Freund, lange Flüge mit zweifachem Umsteigen, Anfälle von Reiseübelkeit sowie große Aufregung angesichts des bevorstehenden Unbekannten. Meine Gefühle schwankten von großer Vorfreude bis hin zu totaler Verzweiflung, bis ich endlich an meinem Ziel angekommen war: den Galapagos-Inseln. Genauer gesagt, der östlichsten Insel des Archipels mit dem Namen San Cristóbal. Ich wurde schon von William, der für die Organisation Projects Abroad arbeitet, am Flughafen erwartet, meine Aufregung legte sich langsam und ich war sehr erleichtert.

Ankommen im neuen Zuhause

Nach einer kurzen Fahrt durch die Stadt betrat ich, begleitet von William, den Ort, den ich während der nächsten drei Monate mein Zuhause nennen sollte:

Zwei einstöckige, schlichte Häuschen auf einem großen umzäunten Grundstück. Drum herum ein weitläufiger Garten der von kargem eintönigem, bräunlich-erdigem Boden in ein wucherndes, grün strahlendes Meer aus einheimischen Pflanzen übergeht. Beim Anblick der Bananen, Papayas und unzähligen anderen Früchten und Gewächsen fühlt man sich auf Anhieb wie mitten im Dschungel.

Mein Zimmer, das ich mir die meiste Zeit über mit zwei andern Freiwilligen teile, lag im Haus der Gastfamilie. In diesem befanden sich darüber hinaus deren Zimmer, die Küche, das Ess- und Wohnzimmer, zwei Bäder sowie ein anderes Zimmer, das Platz für weitere Freiwillige bot. Im gegenüberliegenden Haus gab es vier weitere Zimmer für ebenfalls je zwei bis drei Projektteilnehmer. Davor befand sich eine, durch ein Dach vor Regen und Sonne weitgehend geschützte, Terrasse, die sehr schlicht, aber trotzdem gemütlich eingerichtet war. Das allgemeine Highlight waren die vier Hängematten, die zu bestimmten Tageszeiten wie der Mittagspause quasi durchgängig voll belegt waren. Auch für mich sollten sie im Laufe der nächsten Wochen immer wieder ein Ort zum Lesen, Schlafen, Musik hören oder über Gott und die Welt Nachdenken sein.

Zeit zu Entspannen auf der Terrasse
Zeit zu Entspannen auf der Terrasse

Zeit zum Entspannen auf der Terrasse

Alles in allem war die Unterkunft schlicht, aber trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – perfekt. Denn mehr wäre überhaupt nicht nötig gewesen. An guter Laune und Leben in der Bude mangelte es nie. Wie auch? Die offene, liebenswürdige und immer hilfsbereite Gastfamilie, deren einjährige Tochter, die die Herzen aller im Sturm eroberte, sowie viele abenteuerlustige Volunteers aus aller Welt sorgten für genügend Spaß und Unterhaltung.

An meinem ersten Tag wurde ich von allen mit offenen Armen empfangen und fühlte mich viel schneller als erwartet wie zu Hause. Heimweh? Absolut fehl am Platz!
Während der Vater der Gastfamilie bei der Arbeit war, kümmerte sich die Mutter rührend um ihre Schützlinge. Und das, obwohl sie mit ihren 22 Jahren selbst oft deutlich jünger als diese war. Sie kochte und erledigte nicht nur den Haushalt für teils knapp 20 Personen, sondern bot auch immer Ratschläge für Probleme aller Art sowie Hilfe beim Spanisch lernen an und war meist für jeden Spaß zu haben. So sollte sie schnell nicht nur meine Gastmutter bleiben, sondern auch zu einer sehr guten Freundin werden.

Auch mit den anderen Freiwilligen wuchs ich in null Komma nichts zu einer großen Familie zusammen. Durch die unterschiedliche Projektdauer der einzelnen Teilnehmer, herrschte zwar ein ständiges Kommen und Gehen, dies hinderte uns jedoch nicht daran, viel zusammen zu unternehmen und enge Freundschaften zu entwickeln. Ganz im Gegenteil dazu, brachte jeder neue Freiwillige immer etwas frischen Wind, neue Anregungen und dadurch noch mehr Abenteuer mit.

Es geht an die Arbeit

Doch selbstverständlich war ich nicht gekommen, um einfach nur Urlaub zu machen und zu entspannen.
Daher ging es auch schon am nächsten Morgen um kurz nach 5 Uhr in der Frühe los an die Arbeit. Auf dem Plan stand, wie von da an immer drei Mal die Woche: das Sealion-Monitoring. Bei dieser Aktivität arbeitet Projects Abroad eng mit dem Nationalpark zusammen. In Gruppen von meist zwei bis vier Freiwilligen ging es dabei an verschiedene traumhafte und idyllische Strände der Insel. Hier war es unsere Aufgabe sämtliche Seelöwen zu zählen, deren Geschlecht sowie das grobe Alter zu bestimmen und dies gemeinsam mit anderen Beobachtungen zu notieren. Die Ergebnisse wurden im Anschluss von Mitarbeitern des Nationalparks ausgewertet.

Geschlechterbestimmung der Seelöwen
Männel oder Weibchen?

Anschließend ging es in unsere Unterkunft zurück, wo unser Frühstück auf uns wartete. Gegen 7.30 Uhr fuhren wir dann weiter ins Galapaguera Tortoise Breeding Center. Dort war es unsere Aufgabe das Futter der Schildkröten zu transportieren, dieses für die Babys kleinzuschneiden, die Wasserbecken zu reinigen sowie verschiedene Pflanzen mit Macheten zu entfernen. Danach waren wir allesamt verschwitzt und erschöpft und sehnten erstmal unsere Dusche und das Mittagessen herbei.

La Galapaguera San Cristóbal
Schildkröten beim Fressen

Nach einer ausgiebigen Mittagspause, die jedoch wie im Flug verging, ging es wieder an den Strand. Dort beobachteten wir – ähnlich wie zuvor am Morgen – die Seelöwen und machten entsprechende Notizen. Nur das dieses Mal deren Verhalten im Fokus stand. Gegen 16 Uhr ging mein erster Arbeitstag zu Ende. Ich war aufgrund der Arbeit am Vormittag und des tropischen Klimas, an welches ich mich noch nicht ausreichend gewöhnt hatte, sehr erschöpft, aber glücklich und bestärkt darin, dass ich mit diesem Projekt die richtige Wahl für meinen Auslandsaufenthalt getroffen hatte.

Auch in den folgenden Wochen blieb unsere Arbeit immer sehr spannend und abwechslungsreich. Neben den üblichen Aufgaben die die Schildkröten und Seelöwen betrafen, standen auch immer wieder die Leguane oder Vögel im Mittelpunkt unserer Arbeit. Außerdem waren wir sehr häufig mitten im Dschungel unterwegs zum Beispiel um invasive Pflanzen zu bekämpfen oder arbeiteten auf dem Feld um für ausreichend Nachschub an Futter für die Schildkröten zu sorgen. Dabei durften wir auch an Orte, an die der normale Galapagos-Urlauber aufgrund strikter Vorschriften nicht so einfach gelangt und konnten so diese einzigartige Umgebung hautnah erleben sowie gleichzeitig zu ihrem Schutz beitragen. Zudem standen immer wieder regelmäßige Beach-Clean-Ups, das Pflanzen einheimischer Gewächse und ähnliche Aktivitäten auf dem Programm.

All das war oft zwar sehr anstrengend, aber durchaus eine sehr angenehme Abwechslung zum klassischen Schul- oder Büroalltag, bei der Spaß und Abenteuerfeeling nicht zu kurz kamen. Und dazu, auch noch eine sehr sinnvolle, durch die ein jeder von uns seinen Beitrag zum Erhalt dieses Paradieses an außergewöhnlichen Tieren, Pflanzen und anderen natürlichen Gegebenheiten leisten konnte.

Nach der Arbeit geht das Vergnügen weiter

Immer wieder standen in unserer Freizeit zudem auch sogenannte „Social Events“ auf dem Programm, die von Projects Abroad in die Wege geleitet wurden. Dabei handelte es sich um verschiedenste Aktivitäten wie Fußball, Schnorcheln, Wandern, Kajaken, Paddelboarding, Salsa-Kursen und ähnlichem – immer so abwechslungsreich wie möglich.

Auch außerhalb des Projekts stellte sich San Cristóbal als absolut traumhaft heraus. Egal ob nachmittags im Anschluss an unsere Arbeit oder an unseren freien Wochenenden – fast immer war ich zusammen mit anderen Volunteers unterwegs. Gemeinsam haben wir die verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Insel entdeckt und zusammen Ausflüge z.B. zur nahe gelegenen Isla Lobos unternommen.

Freitags und samstags hieß es für mich und die anderen jüngeren Volunteers dann fast immer: Auf in die Stadt, um durch die Bars und Clubs zu ziehen, von denen wir alle sehr begeistert waren. So wurde in der Regel ausgiebig gefeiert, neue Bekanntschaften geschlossen und erst spät in der Nacht mit dem Taxi zurück zu unserer Unterkunft gefahren.

Auch das gemeinsame Anschauen des Sonnenuntergangs stand oft auf der Tagesordnung
Auch das gemeinsame Anschauen des Sonnenuntergangs stand oft auf der Tagesordnung

Auch das gemeinsame Anschauen des Sonnenuntergangs stand oft auf der Tagesordnung

Und wenn dann mal nichts Besonderes anstand, dann wurde die freie Zeit meist gemeinsam am Strand oder auf den Hängematten im Café verbracht. Dort kamen wir häufig mit sympathischen Touristen und Einheimischen in unserem Alter in Kontakt und es entwickelten sich schnell enge Freundschaften. Langweile gab es so gut wie nie.

Was am Ende zählt

Ich kann nur betonen, wie einzigartig und fantastisch die Zeit auf den Galapagos-Inseln für mich war, da es unmöglich ist, dies alles mit Worten und in nur einem einzigen Text zu beschreiben.
Ich habe Kontakte und enge Freundschaften mit verschiedensten Leuten aus aller Welt geknüpft, die hoffentlich noch lange weiter bestehen werden. Wir hatten gemeinsam so viel Spaß, interessante Gespräche und einzigartige Erfahrungen, dass es unglaublich schwer viel sich am Ende von allen verabschieden zu müssen und auch so manche Tränen flossen.

Reisen wie diese regen zum Nachdenken an
Reisen wie diese regen zum Nachdenken an

Außerdem habe ich das Gefühl durch meinen Auslandsaufenthalt persönlich enorm gereift zu sein. Solch eine Reise erweitert den eigenen Horizont unvorstellbar und hat mir darüber hinaus zu verbesserten Sprachkenntnissen, mehr Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit, einem erhöhten Bewusstsein für die Umwelt und vermutlich noch vielem mehr verholfen. Daher kann ich solch eine Erfahrung jedem, der nicht sein ganzes Leben in seiner Komfortzone auf dem heimischen Sofa verbringen möchte, eindeutig weiterempfehlen.

Es heißt schließlich nicht umsonst: „Jobs füllen deine Brieftasche, Abenteuer füllen deine Seele!“

Ladina Bissinger
Mehr Artikel dazu bald auch auf meinem eigenen Blog, unter www.spitzbueblein.de

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