Langer Abschied in Deutschland

Immer kommt es anders und sowieso als man denkt

Am 18. August sollte unser EMU (unser Fiat Ducato) vom Hof rollen, und zwar in Richtung Thailand. Das Abschiedsgrillen mit Familie und auch mit unserem Dorf hatte stattgefunden, die Köpfe waren auch schon gedanklich auf dem Weg und der EMU wartete nur noch darauf beladen zu werden. Es gab die eine und andere Sache noch am Camper zu erledigen, das ginge auch auf der Fahrt, hatten wir beschlossen.

Schließlich sollte unsere Abfahrt um weitere Tage verschoben werden, da wir noch einen jüngst entstandenen Schaden am Haus regeln mussten um Winterschäden vorzubeugen. Die Brille ging diesmal vor der Reise kaputt, sodass wir dafür sowieso eine Woche Wartezeit einrechnen mussten. Ich will nicht verschweigen, dass da schon die ersten Tränen flossen. Aber es war gegeben und nicht anwendbar. Als am 23. August schließlich unser Telefon am Morgen klingelt, sollten sich unsere Pläne gänzlich ändern. Die Richtung unserer Route hieß plötzlich Norden. Die freundliche Stimme sagte mir freudig und bestimmt, dass wir am 31. August unsere Eltern-Kind-Kur antreten können, sie würde mir gleich alles per E-Mail zusenden. Das musste ich erstmal verdauen; was würde das für unsere Reise bedeuten! Unsere Kur hatten wir im November 2020 beantragt und längst nicht mehr daran geglaubt, aufgrund der Umstände von Covid-19.

Nach kurzem Abwägen im Familienrat beschlossen wir das Angebot wahrzunehmen und uns auf diese Weise vom Alltag, den letzten angespannten Wochen auszuklinken sowie Kraft zu tanken. Glücklicherweise gehören wir nicht zu denen, die sich vor einer Reise feste Ablaufpläne schmieden. Ansonsten wäre vermutlich an dieser Stelle große Panik ausgebrochen. Wir blieben bei unserem 7-Tage-Konzept; Kleidung für maximal eine Woche, möglichst 3-in-1-Prinzip.

So fanden wir uns tatsächlich eine Woche später in Zingst im „Haus am Meer“ wieder. Und wir sollten für diese Entscheidung reichlich belohnt werden. Drei wirklich erholsame und effektive Wochen verbrachten wir bei reichlich sehr guter Physiotherapie und Sportprogramm mit Kinderbetreuung für Alle vier. Mein Körper war zunächst erschrocken, dass täglich von 9:00 bis 13:00 Uhr jeder einzelne seiner Muskeln beansprucht wurde, aber er fühlte sich recht schnell wohl mit dieser Situation. Würde ich gerne für zu Hause übernehmen, aber Kur bleibt eben Kur!

Zur Kur gehört ja nun auch die Abstinenz der neuen Medien zu üben. In diesen Genuss bin ich zwangsläufig geraten als ich mein Telefon dazu zwingen wollte mehrere PDF per Mail zu übermitteln und gleichzeitig Fotos auf meinen Rechner zu laden. Das Handy verabschiedete sich und wollte auch nicht mehr. Nach mehreren Versuchen beschloss mein Mann es „platt zu machen“. Gesagt, getan, alles gelöscht ab dem 6. Juni 2021. Fotos Kontakte und Chats. (Alle mit denen ich diesem Zeitraum Kontaktdaten ausgetauscht habe oder mit denen wir Erlebnisse per Foto festgehalten haben oder ich geschickt habe, können mir bitte helfen diese Lücke wieder zu schließen. Danke!) Die Ansprache meines Mannes über Backups musste ich dennoch über mich ergehen lassen.

“Wir planen doch nie”

Eigentlich gehörte zum neuen Plan direkt im Anschluss von Zingst uns ins Abenteuer zu stürzen. Aber Pläne sind bei uns zum ändern da. Nicht nur, dass wir einige Dinge in diesen drei Wochen vermissten und es nicht weiter tun wollten, auch sind wir zum dritten Mal Tante/ Onkel/ Cousin(e) geworden. Genug Grund für einen kurzen Boxenstopp zu Hause – mit Zwischenstopp in Schwedt.

Unser großer Sohn beklagte sich, dass er seinen Freund Lenni ein Jahr und acht Monate nicht sehen würde, wenn wir uns nicht die Zeit nehmen würden für einen kleinen Aufenthalt bei Karlsruhe. “Wir planen doch nie, da ist es auch nicht schlimm, wenn wir dort halten!” Nun, da wir vor der Reise beschlossen hatten, dass wir uns die Zeit nehmen, die wir brauchen und das machen, worauf wir Lust haben, wurde schnell einstimmig geklärt, dass wir der Bitte unseres Sohnes nachkommen. Nicht ganz uneigennützig. Die Mutter von Lenni ist zufällig auch meine beste Freundin.

Mittlerweile waren uns doch schon der eine und andere Mängel im Camper aufgefallen, welche wir vorm Haus unserer Freunde beheben konnten. Amazon glaubt jetzt vermutlich wir sind umgezogen. Probleme des Verstauens von Utensilien konnte ich mit meiner Freundin auch noch schnell mit IKEA lösen – manche nennen es IKEA-Hacks. So wurden aus geplanten drei Tagen fix eine Woche. Und da wir gerade bei Laune waren, war die Idee Freunde in Freiburg zu besuchen keineswegs absurd und stieß absolut auf so große Freude, dass aus zwei Tagen schließlich fünf wurden. Wir haben eine tolle Zeit mit all den Freunden und Familie verbracht, einen wirklich schönen 4. Geburtstag unseres kleinen Sohnes am Kaiserstuhl mit selbst gebackenem Kuchen und einem natürlichen Spielplatz gefeiert, doch am Sonntag, so hatten wir beschlossen muss es weitergehen!

Weitere Verzögerungen bringen McGyver nicht aus der Ruhe

Am Sonntag Morgen verabschiedeten wir uns also von unseren Freiburger Freunden in der Annahme, dass wir gleich auf der Autobahn in und durch die Schweiz nach Italien fahren würden. Aber was ist schon so eine Reise ohne den Nervenkitzel. Wir brauchen in unserem temporären Nomadenleben nicht sehr viel, aber Wasser! Und dieses Thema sollte meinen Mann in seinem Ehrgeiz, das Werkzeug mitzunehmen wesentlich bestärken. Es bildete sich hinter uns bereits eine Warteschlange, die alle ihren Wasservorrat auffüllen wollten. Doch Wolfs haben extra eine Pumpe mit Filter eingebaut um ihre Kinder vor unreinem Wasser zu schützen. Problem: Ist der Wasserdruck der Leitung zu hoch, funktioniert das mit der Ansaugpumpe nicht richtig.

Da musste ich gleich an meine Freundin Claudia denken, die ihren Mann immer McGyver nannte, wenn er auf der Baustelle plötzlich auftauchende Probleme mit den witzigsten Ideen löste. Nun, da lag mein McGyver unter dem Camper mit dem Akkuschrauber und machte, dass es lief. Zwei Stunden Später als gedacht, fanden wir uns auf der Autobahn Richtung Italien wieder. Da der Tag schon so begonnen hatte, sollte es auch nicht mehr viel besser werden. Ich hatte vergessen meine Google-Navigation auszumachen und so sind wir schön durch die Schweiz gefahren, um kurz vor der Italienischen Grenze eine Warnmeldung per SMS zu erhalten, dass ich „bereits 80% des Maximalbetrages gem. EU-Regulierung für Datenroaming von 59,50€ pro Abrechnungsmonat erreicht“ habe und „zum Schutz vor weiteren Kosten ist Datenroaming … gesperrt“. Ich ärgere mich noch lange darüber und muss es als Lehrgeld hinter mir lassen.

Published by Emily Hillig-Wolf

4 comments on “Langer Abschied in Deutschland”

  1. So schön von euch zu lesen 😊 die Kinder freuen sich über jeden Bericht und fragen immer wo ihr gerade seid. Wünschen euch weiterhin viele tolle Abenteuer zu 6.

  2. Liebes Wolfsrudel,
    Hab sehr oft an euch gedacht, seit eurem geplanten Start. Schön zu lesen, dass ihr fit und entspannt in euer Abenteuer fahren konntet. Wie schläft es sich zu sechst im Emu? Könnt ihr mal ein Foto des Innenraumes machen? Vielleicht gibt es ja auch noch eine kleine “Serie” zu eurem Mobile Home. Freu mich auf Neuigkeiten. Bis bald und bleibt gesund!

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