Freizeit und Familien auf San Cristóbal

Wie schon erwähnt, wurden wir von Anfang an herzlich aufgenommen in der Familie auf San Cristóbal. Consuelo und Ofelia bereiten uns jeden Tag das Essen zu und berücksichtigen auch meine Essgewohnheit. Liebevoll kümmern sie sich mit um unsere Söhne. An besonders heißen Nachmittagen können wir das Baby sogar bei ihnen lassen, bis die Arbeit getan ist.

Ofelia und das Baby bei einer Siesta.
Ofelia und das Baby bei einer Siesta.

Geduldig lernen die Beiden Spanisch mit unserem großen Sohn und auch mit uns. Selbst der 23-jährige Sohn Jorge schleppt zu gern unser Baby rum und schaut mit den beiden Jungs Fußball im Fernseher.

Durch die sozialen Aktivitäten wie Social Dinner, Fußball, Ausflug auf der Insel, SalsArobic, Kajaking, …, die ProjectsAbroad vor Ort anbietet, finden wir auch mehr Anschluss zu den anderen Volunteers, die in einer Gruppenunterkunft am Rande der Stadt untergebracht sind.

Es gibt verschiedene örtliche Möglichkeiten für Volunteers Fußball am Nachmittag
Es gibt verschiedene örtliche Möglichkeiten für Volunteers Fußball am Nachmittag

Marit und Rachael wohnen mit uns im Haus. Wir empfinden diese Wohngemeinschaft als sehr angenehm und haben gemeinsam viel Spaß. Die beiden kaspern mit dem Großen rum, wie wir es schon gar nicht mehr in der Lage sind.

Baden an einer der herrlichen Strände
Baden an einer der herrlichen Strände

Kein Wunder, dass unser Sohn sich später nur sehr schwer von den Mädels trennen kann.

Während der Woche gehen wir nach der Arbeit natürlich an die verschiedenen Strände in unserer Umgebung, wo wir direkt neben und mit den Seelöwen schwimmen. Da wir nicht weit vom Zentrum entfernt wohnen, können wir alles gut erlaufen.

Inselerkundung

An einem Samstag entdecken wir gemeinsam mit Consuelo, die Orte, die wir durch unsere Arbeit noch nicht kennengelernt haben. Wir klettern ins Baumhaus im Quinta el Ceibo, lunchen neugierig in deren Gemüsegarten und nutzen den Seilgarten zum kleinen Auspowern.

Im Baumhaus kann man sogar Übernachtungen buchen; voll ausgestattet mit Schlafzimmer und WC
Im Baumhaus kann man sogar Übernachtungen buchen; voll ausgestattet mit Schlafzimmer und WC

Als wir später mit dem Taxi Puerto Chino ansteuern, bemerke ich, dass irgendwas an mir fehlt. Ich habe die Kameratasche am Baum stehen lassen, als wir unserem Sohn bei seiner Trapeznummer halfen. Doch ich bin irgendwie nicht beunruhigt und vertraue auf mein Glück, dass alles noch da ist, wenn wir auf dem Rückweg nochmal vorbei fahren. Wir halten Kurs auf Puerto Chino mit einem Abstecher zur El Junco Lagoon in einem alten Vulkan.

Auf San Cristobal ist es so ähnlich wie bei uns zu Hause. Jeder kennt jeden aufgrund der übersichtlichen Einwohnerzahl, versicherte uns William bei unserer Ankunft. Und bisher hatten wir auch nie das Gefühl unsicher zu sein oder unsere Sachen in Gefahr zu wissen. Im Gegenteil. Unsere Zimmertür ist stets offen, auch wenn wir nicht zu Hause sind.

Und so finden wir später schließlich auch unsere Tasche unberührt wieder. Zuvor gehen wir am Puerto Chino schwimmen und Schnorcheln mit Seelöwen und Wasserschildkröten, beobachtet von den Pelikanen auf den Felsen sitzend. Ein herrlich kleiner, weißer Sandstrand lädt uns zum Ausruhen und die Kinder zum Buddeln ein. Mit dem Taxifahrer hatten wir eine Zeit zur Abholung vereinbart.

Inselerkundung zu Wasser

360°-Tour um San Cristóbal - Tagesausflug
360°-Tour um San Cristóbal – Tagesausflug

Am darauffolgenden Sonntag startet in der Frühe unsere gebuchte 360°-Tour rings um San Cristóbal. Nun kann endlich die Schnorchelbrille unseres Sohnes zum zweckechten Einsatz kommen, statt nur als sein Badewannenaccessoire zu sein.

Doch bevor es richtig los geht sollen wir erst noch einmal Relaxen lernen. Als wir in sicherer Entfernung vom Hafen sind beschließt einer der beiden Außenborder es für heute ruhen zu lassen. Für eine Stunde spielen die Wellen mit unserem Boot, die der übrige Außenborder auszugleichen versucht. Mein Mann liegt lieber bis das „Rettungsboot“ kommt. Schiffswechsel ist angesagt und weiter geht es, weniger komfortabel als das andere Boot, aber wir wollen ja ins Wasser.

Eco-Tour um San Cristóbal
Eco-Tour um San Cristóbal

Erste Station, Bahía Rosa Blanca. Nachdem wir von Bord gegangen sind, gibt es einen kurzen fußbrecherischen Marsch zu einer kleiner Lagune am Meer, wo sich Galapagoshaie tummeln. Von außen können wir sie schon sehen und nun ab zu ihnen ins Wasser.

Schnorcheln mit den Haien; Angst- und Glücksgefühlliegen so nahe beieinander
Schnorcheln mit den Haien; Angst- und Glücksgefühl liegen so nahe beieinander

Der Plan war, dass mein Mann und ich uns abwechseln mit Schnorcheln aufgrund des Babys. Das sieht unser Guide gar nicht ein. Ab mit uns ins Wasser, er hat das schließlich jeden Tag und fünf Kinder hat er außerdem auch zu Hause! Das Baby beschwert sich nicht über den Personenwechsel, also folge ich den beiden Jungs ins Haibecken.

Unser Sohn war zuvor noch nicht richtig schnorcheln, also lernen wir das hier bei einer der gefürchtetsten Meeresbewohner. Seine Angst löst sich sehr schnell, sodass er problemlos mit mir durch die Lagune vorbei an den in Wahrheit ungefährlichen Tieren (bei Einhaltung der Regeln) schwimmt. Als wir zum Boot zurückkehren entdecken wir einen Meerestierfriedhof. Trauriger Anblick einerseits, aber gut für ein bisschen Biologieunterricht. Und wieder die vielen Fragen, die wieder auf uns einschmettern, … Da müssen wir gleich an unseren Nachbarn denken, der bis vor kurzem noch Biologielehrer war; Viele Grüße nach Hause!

Meerestierfriedhof für Biologieunterricht
Meerestierfriedhof für Biologieunterricht

Der nächste Kurs bringt uns nach Punta Pitt. Hier gibt es eine geführte Schnorcheltour. Ich schwimme wieder im Doppel mit meinem Sohn, weil ich sonst keine Ruhe habe. Und richtig. Er bekommt Probleme mit seine Brille, die wir erst wieder richten müssen. Schließlich versuchen wir an die Gruppe wieder anzuschließen, nehmen dazu aber den falschen Weg, was uns zum Verhängnis wird. Eine Welle erwischt uns, instinktiv schiebe ich meinen Sohn vor mich, damit er nicht gegen die Steine donnert. Mein Bein brennt von der Kollision mit dem Riff, aber ich bin froh, dass der Große nichts von meiner kurzen Panik bemerkt hat und sich friedlich im Wasser treiben lässt.

Mit Zeichensprache verständigen wir uns unter Wasser. „Wow“, denke ich, „mein Sohn ist kein kleines Kind mehr. Schade!“, bedaure ich, und bin zugleich glücklich mit ihm das erleben zu dürfen. Wir schauen uns gemeinsam diese herrlichen bunten, wirklich bunten großen Fische an und staunen beide. Ich beschließe den anderen nicht weiter zu folgen und kämpfe mich mit dem inzwischen frierenden Kind zurück zum Boot. Es hatte ein gutes, dass wir falsch geschwommen sind; mein Mann sah diese bunten Fisch nicht auf seiner Route. Dennoch würde ich das so nie wieder machen. Viele Gedanken gehen mir nachträglich durch den Kopf und ich bin dankbar für den Schutzengel, der Schlimmes verhindert hat.

Ausruhen auf dem Boot auf der 360° Tour um San Cristóbal
Ausruhen auf dem Boot auf der 360° Tour um San Cristóbal

Wassersport macht hungrig. Natürlich gibt es Fisch für die Jungs und auch hier wird meine fleisch- und fischfreie Ernährung respektiert. Bis Bahía Sardina dauert es ein Weilchen, sodass wir erstmal verdauen und ausruhen können. Hier schwimmen wir mit Wasserschildkröten und vielen kleinen bunten Fischen.

Unser Sohn hat genug für heute, „mir reicht´s jetzt zu“, verkündet er mit blauen Lippen. Ihm wird nicht mehr warm. Den letzten Gang ins Wasser machen mein Mann und ich also alleine. Besser so, wie wir im Nachhinein empfinden. Das Wasser am León Dormido war trotz Neoprenanzügen eisig kalt und es war eine lange Tour. Die Hammerhaie treffen wir hier heute nicht, aber Galapagoshaie, Schildkröten, viele bunte Fische, Seelöwen und Seesterne.

Die traumhafte Welt vor San Cristóbal
Die traumhafte Welt vor San Cristóbal

Es ist einfach atemberaubend schön! Als wir wieder an Bord kommen strahlen uns unsere Kinder mit Kuchen in der Hand an. Das war ein schöner Tag, beschließen wir einstimmig. Unser Sohn ist total stolz, dass der Hai nur 60 Zentimeter von ihm entfernt gewesen sein muss

 

Es ist einfach atemberaubend schön! Als wir wieder an Bord kommen strahlen uns unsere Kinder mit Kuchen in der Hand an. Das war ein schöner Tag, beschließen wir einstimmig. Unser Sohn ist total stolz, dass der Hai nur 60 Zentimeter von ihm entfernt gewesen sein muss.

Ausflug nach Isabela und Santa Cruz

Unsere Fähre startet 14:00 Uhr nach der Arbeit von San Cristóbal nach Santa Cruz. Zwei Stunden dauert die Überfahrt. Dadurch, dass jetzt kleinere Motorboote statt einer großen Fähre zu Überfahrt genutzt werden, so erzählt uns später eine Mitarbeiterin des Nationalparkes auf Isabela, kann man nur selten Delfine unterwegs sehen – zu viel Verkehr auf dem Wasser. Schade!

Pelikane freuen sich auch über Fischers Beute auf Santa Cruz
Pelikane freuen sich auch über Fischers Beute auf Santa Cruz

Da wir mit etwas Verspätung Santa Cruz erreichen, bleibt uns heute nicht mehr all zu viel Zeit. Wir bringen unsere Sachen in das Hostel, welches William für uns bereits klar gemacht hat und starten gleich wieder ins Geschehen.

Fünf der Galapagosinseln sind bewohnt. Über die Hälfte, nämlich ca. 12.000 Einwohner, leben auf Santa Cruz. Puerto Ayora ist die größte Stadt, wo es nur so von Touristen wimmelt. Und wir nun mitten drinnen. Das meiste, große bunte Treiben spielt sich auf der Avenida Charles Darwin ab. Diese Straße wird uns morgen zu unserem Ziel führen. Im Rincon del Alma wollen wir heute mal was anderes als Reis essen, denn den gab es nämlich in den letzten zwei Wochen täglich.

Tag 1 Isla Isabela

Am nächsten Morgen geht das nächste Boot 7:00 Uhr zur Isla Isabela. Wieder eine Schmerzhafte Zeit für die Kinder. Ein schnelles Frühstück, beide Kinder in den Kinderwagen und Start frei! Um neun erreichen wir die größte und jüngste Insel der Inselgruppe. Hier ist nochmal eine Extra Nationalpark-Gebühr in Höhe von 10 USD fällig. Da wir aber unsere Volunteer-Ausweise vorhalten, zahlen wir nur die Hälfte. Ein Taxi bringt uns zum Haus Williams Freundes, wo wir bereits erwartet werden. Auch hier halten wir uns nicht lange auf um die Zeit maximal zum Entdecken auszunutzen.

Las Tintoreras - Bootsausflug auf Isabella
Los Tintoreras – Bootsausflug auf Isabela

Wir nehmen ein Boot zu den Los Tintoreras, gehen an Land einer kleinen Vulkaninsel, wo wir allerhand Wildtiere zu Gesicht bekommen. Und schließlich erschnorcheln wir auch hier die wunderbare Welt des Meeres. Für den Schnorchelgang durch das Riff bleiben die Jungs diesmal an Bord und ich wage mich alleine zu den Raubtieren, die ganz dicht unter meinem Körper lang schwimmen. Da merkt man wie nah Angst- und Glücksgefühle beieinander liegen und wie ohnmächtig man im Wasser ist. Ich genieße diese scheinbar friedliche Welt mit ihren schimmernden Farben für eine halbe Stunde, bevor ich meinen Jungs wieder an Bord Gesellschaft leiste.

Stadtspaziergang auf Isabella
Stadtspaziergang auf Isabella

Am frühen Nachmittag sind wir bereits wieder an Land und wollen nun noch ein bisschen Isabela entdecken. Trotz das die Insel mit 4588 Quatratkilometern die größte der Gruppe ist, zählt sie nur ca. 1000 Einwohner. Um alles auf der Insel in Ruhe ansehen zu können, sind drei Tage wohl geeigneter. Der Ort lässt sich an diesem Nachmittag erlaufen. Schließlich besuchen wir noch die Villamil Lagoon.

Ein kleiner Wanderweg führt uns ca. einen Kilometer vorbei an Flamincos und anderen Wasservögeln bis zur Schildkrötenaufzuchtstation, dem Centro de Crianza de Tortugas, die natürlich vor fünf Minuten geschlossen wurde.

Flamingo in der Villamil Lagoon
Flamingo in der Villamil Lagoon

Ein Angestellter kommt uns entgegen um uns zu sagen, dass „morgen wieder … ab neun Uhr geöffnet“ sei. Doch wir sind morgen schon wieder auf dem Rückweg, beklagen wir. Er möchte auf keinen Fall, dass wir traurig gehen und lässt uns schließlich doch noch passieren. Darüber freuen wir uns natürlich riesig. Hier erfahren wir, dass die auf den Inseln lebenden Schildkröten alle einer eigenen Rasse angehören. Man unterscheidet sie zum Beispiel anhand der Panzerform, die für uns nur durch genaues hinschauen erkenntlich wird.

Die Schildkröten im Centro de Crianza de Tortugas schlafen schon. Ganz deutlich erkennen wir den Unterschied zu den uns bereits bekannten Tieren anhand der Panzerform.
Die Schildkröten im Centro de Crianza de Tortugas schlafen schon. Ganz deutlich erkennen wir den Unterschied zu den uns bereits bekannten Tieren anhand der Panzerform.

Wie meistens, haben wir eher schlechten Internetempfang. Wir warten auf die Nachricht von Rachael und Marit, dass sie ebenfalls auf der Insel gelandet sind. Nach der Aufzuchtstation lassen wir uns in einer super gemütlichen Strandbar nieder um dort auf die beiden zu warten, denn Marit wird heute 23 Jahre jung.

Und dieser Platz erscheint uns der richtige um dies zu zelebrieren. Doch das Internet ist auch für die anderen beiden nicht einfacher zu erhaschen, sodass sie unsere Nachricht nicht bekommen.

Toben in der Strandbar ist ausdrücklich erlaubt. Chillen sowieso!
Toben in der Strandbar ist ausdrücklich erlaubt. Chillen sowieso!

Als es dann stockfinster ist, beschließen wir zur Unterkunft zurückkehren, wo wir dann beide doch noch treffen. An diesem Abend heißt es für uns sechs Abschied voneinander nehmen, da wir uns nicht mehr auf San Cristóbal treffen werden. Eine kleine Hoffnung bleibt für unseren Sohn; das wir Marit auf Samoa wieder treffen.

Tag 2 Isla Santa Cruz

6:00 Uhr morgens geht unser Boot nach Santa Cruz. Schmerz lass nach! Unser Taxi steht überpünktlich vor der Tür. So viel Streß am Morgen vertragen die Kinder nicht. Kein Wunder, dass das Baby den Hafen zusammen schreit, sodass die Polizisten entscheiden, wir mögen bitte an der Menschenschlange vorbei kommen und zuerst abgefertigt werden.

Mit dem Wassertaxi an Bord "der Fähre". Mann sollte unbedingt 1 USD pro Person pro Taxifahrt haben. Und das braucht man an jedem Hafen.
Mit dem Wassertaxi an Bord “der Fähre”. Mann sollte unbedingt 1 USD pro Person pro Taxifahrt haben. Und das braucht man an jedem Hafen.

So früh am Morgen ist die Chance größer, Delfine, Wale und andere Meeresbewohner beobachten zu können. Mein Spanisch ist inzwischen so weit, dass ich mich mit dem Kapitän auf eine Diskussion einlasse. Ich möchte gern oben bei ihm sitzen. Auf Galapagos wird erst alles in Frage gestellt, ob das wirklich gut ist für die Kinder, die Herrscher über die Erwachsenen. Er willigt ein und trifft alle Vorkehrungen, dass es auf keinen Fall unangenehm wird für uns bei ihm. „Süß!“, denke ich. Es ist ein herrlicher Morgen, doch ich kämpfe, bei dem monotonen Motorgeräuschen und Gezuckel über das Meer, mit meinen Augenlidern.

Die Mägen brummeln. Unseren Hungern stillen wir mit dem Gebäck aus der Bäckerei auf Isabela, die deutschen Kuchen anbietet. Unser Sohn hat sich für Nussecke und wir uns für gefüllte Blätterteigtaschen entschieden. Echt gut das Zeug! Den Kaffee dazu gibt es in der uns bekannten Bar. Auf unserer Wish-to-see-Liste für diese Insel steht die Charles Darwin Research Station. Vom Hafen aus kommt man sehr schnell zu Fuss dahin. Auf dem Weg dahin wollten wir unserem Baby eigentlich eine lustige selbstgestrickte Schildkrötenmütze kaufen, doch die Läden sind alle geschlossen, vermutlich weil Sonntag ist.

Lonesame George, der letzte seiner Art.
Lonesame George, der letzte seiner Art.

Im Forschungszentrum werden Möglichkeiten des Umweltschutzes sowie einheimische Flora und Fauna, aber auch mitgebrachte Schädlinge dokumentiert. Außerdem lernen wir hier den Lonesome George (Einsamer Georg) kennen. Er ist eine Schildkröte, der letzte seiner Art, 2012 verstorben, in New York präpariert und schließlich hier in einem Gebäude, mit entsprechend zur Erhaltung geschaffenen Bedingungen, ausgestellt. Die deutsche Mitarbeiterin, die ihre Liebe auf dieser Insel gefunden hat, erklärt unserem Sohn alles extra nochmal in Deutsch. Dieses Wissen wird er später gern mit anderen teilen.

Ein echtes Walskelett bekommen wir im Informationscenter zu Gesicht.
Ein echtes Walskelett bekommen wir im Informationscenter zu Gesicht.

Im Besucherzentrum können wir noch ein echtes Walskelett bestaunen und mit einer Spende erhalten wir ein nützliches Souvenir; eine Laptophülle, darauf der einsame Georg. Dann piept der Alarm des Handys. Wir müssen uns auf den Rückweg machen.

Unser Boot nach San Cristóbal geht um zwei. Es ist merkwürdig, die Überfahrt dahin fühlt sich schon an wie heimkehren. So fühlen wir uns auch schon tatsächlich auf der uns so lieb gewonnenen Insel, wie zu Hause. Im Casablanca, die Stammbar der Volunteers, treffen wir Daniel, John und William auf ein Bierchen. Am Abend wird es dann amtlich; Unsere Zeit auf San Cristóbal geht zu Ende. Am nächsten Morgen fließen dann wieder Tränen als wir uns von unserer Familie auf Zeit verabschieden. William bringt uns zum Flughafen, wo wir gleich unser Gepäck aufgeben und … wie soll es anders sein, den Beleg über die bezahlte Gebühr in genau diesem Gepäck haben. Wir kommen also nicht weit. Gepäck zurück, Beleg raus, erst dann dürfen wir durch den Kontrollposten. Auf Wiedersehen Galapagos!

¡Adiós Galapagos, espero adiós por ahora! ¡Consuelo y Ofelia! Era tan agradable con usted. Tenemos disfrutado el tiempo y deseado mejor quedarse más largo. ¡Muchisima graçias por todos! Y también tenemos disfrutado la cooperación con todos del team de Galapagos Conservation. Muchas graçias por la posibilidad siendo con vosotros con nuestro niños! ¡Gracias William por tu apoyo durante todo el tiempo!

Die Arbeit mit ProjectsAbroad auf San Cristóbal

Kinder ab 4 Jahren können bei ProjectsAbroad mitten drin, statt nur dabei sein.
Kinder ab 4 Jahren können bei ProjectsAbroad mitten drin, statt nur dabei sein.

Von Montag bis Freitag, von sieben Uhr in der Frühe bis halb vier am Nachmittag, ist für uns Arbeitstag angesagt. Zum Wohle des Nationalparks, der Riesenschildkröten, Seelöwen, Petrels (Vögel) sowie Iguanagas (Wasser- und Landleguane) und Haie helfen wir auf San Cristóbal in einem Umweltschutzprojekt von ProjectsAbroad die “Juwelen” der Insel zu erhalten. Dazu gehören so einige Aufgaben, die wir mit großem Vergnügen übernehmen, weil das Resultat eine wunderbare Begleiterscheinung hat – die Nähe zu diesen “Juwelen”.

Schildkrötenpflege

Arbeit in der Galapagera
Verschiedene Aufgaben in der Galapagera auf San Cristóbal

In der Galapaguera reinigen wir die Pools der Tiere, füttern das zuvor mit Macheten geerntete Otoy und gießen die Pflanzen.

Arbeiten in der Galapagera auf San Cristóbal
Arbeiten in der Galapagera auf San Cristóbal

Unser Sohn ist voll dabei und genießt wie wir die Nähe zu diesen wundervollen Tieren – meinen Lieblingstieren. Manchmal jedoch ist es ihm doch unheimlich, wenn die älteste Bewohnerin zur Begrüßung auf ihn zukommt und durch ihre Größe fast auf seiner Augenhöhe vor ihm erscheint.

Pflanzenpflege

Gegenüber der Galapaguera befindet sich das Planthouse, welches nicht für den Tourismus vorgesehen ist. Hier bereiten die Ranger des Nationalparkes die Pflanzen zur Renaturierung bestimmter Plantagen der Insel vor.

Die Machete wird nicht nur zum Ernten verwendet, sondern auch zum Unkraut jäten.
Die Machete wird nicht nur zum Ernten verwendet, sondern auch zum Unkraut jäten.

Durch die Vereinbarungen zwischen der lokalen Verwaltung und dem Verein Galapagos Conservation kann der Nationalpark unsere Hilfe ebenfalls nutzen. So helfen wir hier bei der Pflanzenpflege. In einer Otoyplantage ernten wir die Knollen, die aussehen wie Kartoffeln, um sie für die neue Bepflanzung zu nutzen. Die kleineren Pflanzen befreien wir vom Unkraut. Die Otoyblätter hier dienen als Futtermittel für die Schildkröten.

Observation der Seelöwen, Petrels und Leguane

Am Hafen pflanzen wir Mangroven auf dem Strand um den Seelöwen und auch den Haien mehr Schutz zu bieten. Die Seelöwen werden jeden zweiten Morgen gezählt. Dafür heißt es 5:00 Uhr Aufstehen. An den Nachmittagen dieser Tage wird dann das Verhalten der Tiere beobachtet. Von Interesse sind dabei die Bestimmung des Geschlechts, welche Rolle spielt das Tier in der Kolonie, was macht jedes Einzelne zum Zeitpunkt der Observation und vor allem Auffälligkeiten (Krankheiten, Verletzungen, verendete Tiere). Alles wird übersichtlich in einem Protokoll dokumentiert.

Seelöwenbaby am Playa Loberia
Seelöwenbaby am Playa Loberia
Petrel in seinem Erdnest
Petrel in seinem Erdnest

Eine gute Kondition erfordert die Observation der Petrels, denn diese bauen ihre Nester in Erdlöchern in steilen Abhängen in der Nähe von Süßgewässern. Doch auch diese Herausforderung meistern wir vier. Unser Sohn kraxelt drei Stunden mit uns durch den Regenwald. Als Belohnung gibt es im Wald selbstgeerntete Bananen, die wir zum Teil gleich verputzen und den Rest am Abend als Banana-Shake genießen werden.

Um die Leguane zu zählen und deren Verhalten zu bestimmen, müssen wir über große Steinbrocken balancieren. Dabei heißt es Augen auf! Denn die Tiere sind, wenn auch von der Größe her kaum zu übersehen, schwarz wie das Lavagestein auf dem sie sich tummeln. Sie verschaffen sich Respekt bei uns durch ihre Wasserfontänen, die sie aus der Nase sprühen. Das wirkt verärgert, weshalb wir einfach den nötigen Abstand bewahren.

Wasserleguan am Playa Loberia
Wasserleguan am Playa Loberia

Müllbeseitigung

Eine unserer Aufgaben ist für uns nicht neu, da wir dies schon während der ganzen Reise praktizieren, mit Vorbild voran unser Sohn! Auch auf Galapagos ist ein großes Thema der Müll. So ist es für uns kein Problem, eher selbstverständlich, dass wir bei der Müllbeseitigung mithelfen. Wir bekommen zudem die Gelegenheit uns das Entsorgungssystem vor Ort zu besichtigen. Dazu werden wir mit Mundschutz und Gummihandschuhen ausgestattet. Das Baby wird zudem von einem Netz geschützt.

Müll ist ebenfalls ein ganz großes Thema
Müll ist ebenfalls ein ganz großes Thema

Unsere Kinder sind einfach tolle Arbeitskollegen. Beide ermöglichen uns dieses Projekt durch ihre sozialen Kompetenzen. Das Baby hängt auf meinem Rücken und nutzt wie wir die Pausen zum Essen. Der Große ist mit vollem Einsatz dabei und klärt zudem noch deutsche Touristen mit seinem Wissen über die Tiere und über unsere Arbeit auf. Er hat alle auf seiner Seite. DANKE an unsere lieben Kinder!

… Fortsetzung

Freiwilligen Dienst auf den Galapagosinseln

Unser Flug geht erst am Abend von Santiago nach Guayaquil (Ecuador). Dort landen wir noch vor Mitternacht. Unser Flug nach San Cristóbal (Galapagosinseln, Ecuador) wird zwar erst am Folgetag zwölf Uhr am Mittag sein, dennoch hatten wir beschlossen, unter Abwägung was wohl stressiger sein würde (Schlafen auf dem Flughafen oder Tränen der Kinder und Gehetze zurück zum Flughafen), nicht erst das Flughafengebäude zu verlassen. Jedoch ist der internationale Flughafen wesentlich kleiner als erwartet und bietet uns nur direkt vor der Gepäckkontrolle einen Schlafplatz. Das Baby in seiner Babyschale und der Große im Kinderwagen haben die wohl besten Plätze erwischt. Für uns ist Schlafen in Schichten angesagt. Um vier Uhr morgens ist Wechsel.

Die einheimischen Fluggäste werden hier nicht nur von einer Person zum Flughafen gebracht. Nein, die vollständige Familie möchte die Gelegenheit haben, sich so spät als möglich vom Verreisenden zu verabschieden. Dementsprechend befinden wir uns plötzlich auf einem Rummel. Mein Mann kann unter diesen Umständen nicht mehr schlafen, was mir nach den letzten fünf Stunden Handy-Junk, um wach zu bleiben, nicht mehr schwer fällt.

Biometrischer Reisepass
Biometrischer Reisepass

Acht Uhr können wir schließlich das Einreiseprozedere antreten. Nachdem wir die Gebühr bezahlt haben, das komplette Gepäck durchleuchtet und versiegelt wurde, können wir für unseren Flug nach San Cristóbal einchecken und frühstücken. Dann ist es soweit! Wir sind aufgeregt, weil wir keine Ahnung haben was uns erwarten wird.

Als wir gerade an Bord gehen wollen, höre ich plötzlich meinen Namen durch den Lautsprecher des Flughafens grölen, ich möge mich doch sofort im Erdgeschoss melden. Was? Jetzt! Ja, jetzt, bestätigt mir das Flughafenpersonal beim Boarding. Wohin? Ich versuche mich ruhig zu halten, was mir sehr schwer fällt, da mein Mann und die Kinder ins Flugzeug gesandt worden. Zur Sicherheit nehme ich meinen Pass diesmal mit. Diesmal werde ich vorbereitet sein! (Für unsere Trennung am Flughafen gibt es bereits eine tränenreiche Anekdote während einer anderen Reise.) Als ich das Erdgeschoss erreiche, was eher wie ein Keller wirkt, stehen da sehr viele Passagiere mit der selben Frage wie ich: „Was gibt’s so Dringendes kurz vorm Start?!“

Einer nach dem Anderen muss den Koffer öffnen. Die Argentinierin hinter mir tobt ganz laut und mir wird gleich nochmal schlecht; Die Schlüssel für die Schlösser unserer Taschen befinden sich in der Obhut meines Mannes. Ich atme tief durch und lasse es auf mich zu kommen. So muss ich schließlich nur den kleinen Koffer mit dem Zahlenschloss öffnen. Ich bin Schweißgebadet nachdem ich alle rausgerissenen Sachen irgendwie versucht habe wieder in den Koffer zu quetschen und diesen schließlich so auch wieder geschlossen bekomme. Gott sei Dank ist die schnaufende Argentinierin auch noch hier als ich es endlich geschafft habe. Ich rase durch das Flughafengebäude, denn der Abflug sollte bereits passiert sein. Ich kann es förmlich fühlen wie hochrot mein Kopf ist als ich das Flugzeug erreiche. Der freundliche Stuart beruhigt mich, dass ich nicht die Letzte bin. Das scheint hier also Gang und Gebe zu sein.

Unser Sohn im Cockpit bei den Piloten
Unser Sohn im Cockpit bei den Piloten

Für den Großen gibt es im Flugzeug eine ganz besondere Überraschung; Er darf die Piloten im Cockpit besuchen. Und das i-Tüpfelchen dabei ist, dass der Pilot auch noch Deutsch spricht und ihm Rede und Antwort steht. Unser Kind ist überglücklich und unser Aufenthalt auf den Galapagosinseln hat damit doch noch einen guten Start.

Auf dem Flughafen auf San Cristóbal wartet schon William auf uns. Doch wir müssen, wie alle anderen, noch durch den Zoll und ein weiteres Mal durch die Gepäckkontrolle. Von der weiteren Gebühr des Nationalparks in Höhe von 100 USD pro Person sind wir befreit, da wir als Volunteers einreisen und die entsprechenden Papiere dafür in Chile, hier zur Vorlage, in letzter Minute ausgedruckt haben. Nur unser Sohn muss zahlen, da er kein Baby mehr ist, aber auch noch nicht über 18 Jahre alt.

Unser Gepäck wird im Pick-Up verladen, mit dem wir zunächst, gemeinsam mit William eine Runde durch unseren Wohnort der nächsten zwei Wochen drehen. Unser Sohn ist ganz aus dem Häuschen vor Freude als er den Strand sieht und würde am Liebsten gleich da bleiben. Doch nach dieser Anreise brauchen wir eine Dusche und ein wenig Schlaf in einem Bett.

Von Stunde Null an sind wir hier Zu Hause.
Von Stunde Null an sind wir hier Zu Hause.

Diese Begehrlichkeiten bekommen wir bei Consuelo und Ofelia, unseren „abuelas nuevas“ (neuen Omas) auf Zeit. Wir fühlen uns sofort Herzlich Willkommen in deren Familie und bekommen von Stunde Null ein liebevolles Zuhause geboten.

Am späten Nachmittag treffen wir José Luis, der hier auf San Cristóbal unser Vorarbeiter sein wird. Er erklärt uns was unsere Aufgaben sind und gibt uns Informationen über die Tiere und Pflanzen dieser Insel. Wir sind alle noch sehr aufgeregt und freuen uns riesig auf die bevorstehende Zeit.

Seit ich Jugendliche bin träume ich davon die Galapagosinseln zu besuchen. Meine Tante hatte mir davon erzählt und mir damals Schildkrötenohrringe mitgebracht, die ich für meine Schulprüfungen bis hin zur Diplomprüfung als Talisman verwendet habe. Dieser Traum geht nun wirklich in Erfüllung. Vielleicht denke ich hier deshalb so viel an meine inzwischen verstorbene Tante.

… Fortsetzung folgt.

Einreisebestimmungen für Galapagos

Einreisebestimmungen für Galapagos sind unbedingt ernst zu nehmen!

Schuhsohlen aller, auch im Gepäck befindlichen Schuhe reinigen! Das Einführen sämtlicher Lebensmittel auf die Galapagosinseln ist ausnahmslos untersagt. Es werden Stichproben des aufgegebenen Gepäcks vor dem Boarding durchgeführt!

Schritt 1.

Biometrischer Reisepass

In Ecuador auf den Flughäfen Quito oder Guayaquil muss man sich vor dem Check-In bei INGALA für die Ein- und Ausreisekarte für die Galapagosinseln registrieren. Durch diese Registrierung werden alle Besucher auf Galapagos erfasst um so den Besucherstrom besser zu kontrollieren und auch illegaler Einwanderung vorzubeugen. US$ 20 pro Person kostet die Registrierung, welche ausschließlich in bar zu zahlen ist.

Folgende Informationen werden abgefragt:

  • Vollständiger Name
  • Passnummer
  • Nationalität
  • Familienstand
  • Geburtsdatum
  • An- und Abreisedatum Galapagos
  • Hotelkontakt oder Schiff auf Galapagos, bzw. Aufenthaltsort
  • ggf. Zertifikat für Freiwilligen Dienst

Schritt 2.

Bei Ankunft auf den Inseln wird die Nationalparkgebühr von US$ 100 pro Person erhoben (nur in bar). Jeder muss diese Eintrittsgebühr bezahlen, sofern er/sie kein Volontariat nachweisen kann. Die Quittung sollte man gut im Pass aufbewahren, denn diese wird bei Ausreise wieder am Flughafen verlangt! Kinder unter 12 Jahren erhalten einen Nachlass von 50 % auf die Gebühr.

Unbedingt vorher vor Ort erkundigen, ob es Neuerungen gibt!

Weitere, immer aktuelle Informationen gibt es beim Auswaertigen Amt.

Chico Norte bis Santiago

Für unseren Sohn ist es aufregend im Auto zu schlafen, er findet das „super cool“. Das Baby findet es auch nicht so schlimm, wenn es durchgehend durch die Fahrzeugbewegungen geschaukelt wird. So können wir entspannt entlang der Panamericana Richtung Süden, Santiago fahren. Eine Stunde nach Mitternacht darf mein Mann schließlich auch die Nachtruhe antreten und ich führe den Chevrolet weiter bis auch ich nach ungefähr fünf Stunden mit den Augenlidern kämpfe. Wie schön wäre jetzt ein Camper, denke ich mir so und schlafe ein, nachdem ich das Auto im Schatten eines LKWs geparkt habe.

Tag 1 Bahía Inglesa mit Strandvergnügen und Ceviche

Nach zwei Stunden nehmen wir wieder die Fahrt Richtung Bahía Inglesa auf und müssen kurz vorm Schluss unserer Südamerikatour feststellen, dass es sich tatsächlich leichter für uns mit einem Camper reisen lassen hätte. An nahezu jeder COPEC-Tankstelle entlang der Panamericana gibt es gepflegte Duschen und Toiletten, Frühstück und freies W-Lan.

Entlang der Panamericana
Entlang der Panamericana

Als wir Caldera erreichen, stellen wir fest, dass wir das bunte Wochenendtreiben heute gar nicht brauchen und lieber direkt in Bahía Inglesa bleiben wollen, auch wenn die Unterkunftspreise uns dort mit dem erhobenen Zeigefinger des Budgets konfrontieren.

Spielen in Bahía Inglesa
Spielen in Bahía Inglesa

Es ist ein ganz kleiner gemütlicher Ort mit einem sehr netten Ambiente, in dem wir eine Cabaña mit Pool, und nur ein paar Schritte bis zum herrlichen Muschelsandstrand entfernt, finden. Das nutzen wir natürlich für ausgiebiges Spielen und Sammeln. Im Restaurant Alto Bahia  probieren mein Mann und der Große das von Mario empfohlene Ceviche. Danke für den Tipp! Es ist ein Gericht aus eingelegten Meeresfrüchten serviert in einem großen Salatblatt und schmeckt vorzüglich.

Ceviche - Typisch chilenisches Gericht aus verschiedenem Fisch
Ceviche – Typisch chilenisches Gericht aus verschiedenem Fisch

Während wir noch ein bisschen im Lokal klönen, den Blick über den Strand genießen und dabei unseren Sohn beim Buddeln beobachten, stellt sich der Abend ein. Wieder haben wir unzählige Muscheln und Strandgut gefunden, welche wir am Liebsten nach Hause tragen würden. Nachdem wir überlegen wie viele Taschen wir noch kaufen müssen um dies Sammelleidenschaft bis zum Ende fortzuführen, entscheiden wir uns, nicht einstimmig, die Juwelen, so nennt unser Sohn die Fundstücke, in ihrer Heimat zu belassen. Zufrieden fallen wir am Abend jeder in sein eigenes Bett.

Tag 2 Bahía Inglesa nach Vallenar

Den Vormittag wollen wir noch ein bisschen in der Sonne in Bahía Inglesa vertrödeln, gemütlich einen Kaffee trinken, spielen, lesen, skypen … bis zum Mittag.

Bahía Inglesa, ein kleiner hipper Badeort mit weißer Bucht und glasklaren Wasser
Bahía Inglesa, ein kleiner hipper Badeort mit weißer Bucht und glasklaren Wasser

Der Strand ist einfach herrlich, die Sonne streichelt uns mit ihren warmen Strahlen und die entspannte Stimmung des Ortes lässt uns nicht recht fahren. Ein Saft noch und noch Empanadas und noch … , aber dann … Wir müssen weiter!

Unser nächstes Ziel ist Vallenar. Der Ausgangspunkt des Huasco-Tals. Wir haben einen super Preisknüller erwischt. Ein Dreibettzimmer mit eigenem Bad und Pool vor der Tür sowie Frühstück inklusive. Die entspannte Stimmung wollen wir uns jetzt nicht nehmen lassen.

Ein riesiges Legomännlein begrüßt die Kinder auf dem Plaza in Vallenar
Ein riesiges Legomännlein begrüßt die Kinder auf dem Plaza in Vallenar

Also als erstes ein Sprung in den Pool. Dann haben wir schließlich doch noch was auf der To-Do-Liste stehen; Windeln einkaufen.

Das wollen wir gleich mit einem Stadtspaziergang verbinden. Heut scheint der Tag der tollen Angebote zu sein. In der Farmacia gegenüber bekommen wir zwei Packungen Pampers(R) mit 72 Stück pro Pack für 28.000 CLP. Wir sind stolz darauf, dass wir heute was einsparen können.

Die Kirche am Plaza in Vallenar
Die Kirche am Plaza in Vallenar

Da wir für den restlichen Tag nicht so viele Windeln benötigen, beschließen wir unsere Schnäppchen noch in die Unterkunft zu bringen bevor wir unseren Stadtspaziergang fortsetzen. Sehr groß ist die Stadt nicht, aber für eine dreiviertel Stunde sind wir bummelnd beschäftigt. Die Hauptattraktion des Ortes ist der Plaza, wo sich auch die Kirche befindet, deren Glockenturm stündlich eine andere Melodie vorspielt. Es findet gerade eine Ostermesse statt, die wir noch besuchen, da wir irgendwie dieses Fest auch nicht missen wollen.

Tag 3 Grünes Huasco-Tal am Río Huasco

Nach dem Frühstück entscheiden wir uns das Huasco-Tal landeinwärts zu entdecken. Die Wirtin hat uns einen ganz tollen Wasserfall versprochen, einfach entlang der Hauptstraße. Wir werden ihn nicht übersehen können. Bei diesen Worten bekomme ich ein nervöses Zucken am Auge. Der Reiseführer schreibt von „dicken Oliven, den Pisco sowie einen köstlichen Süßwein“.

Der Wasserfall, welcher sich als Überlauf des riesigen Stausees entpuppt.
Der Wasserfall, welcher sich als Überlauf des riesigen Stausees entpuppt.

Entlang der Strecke sehen wir die Terrassenanbaukünste des Weins, einen glasklaren großen Stausee und etliche Hinweise auf die Auseinandersetzungen des umstrittenen Bergbauprojektes im Jahr 2009 (Empfehlung von Lonely Planet: Dokumentarfilm Cry of the Andes).

Zeichen der Auseinandersetzung mit dem Thema Bergbau
Zeichen der Auseinandersetzung mit dem Thema Bergbau

Der Wasserfall und die dicken Oliven bleiben uns verborgen. Später zeigen wir der Wirtin die Fotos aus dem Tal. Dabei entpuppt sich der Überlauf des Stausees als Der Wasserfall. Die dicken Oliven finden wir wahrscheinlich auf der anderen Seite der Panamericana, Richtung Pazifischen Ozean.

Wie gut, dass wir Werkzeug gekauft haben. Unser Sohn testet den Toleranzbereich seiner Brille beim aussteigen aus dem Auto. Pappa wird´s schon wieder reparieren.
Wie gut, dass wir Werkzeug gekauft haben. Unser Sohn testet den Toleranzbereich seiner Brille beim aussteigen aus dem Auto. Papa wird´s schon richten!

Im Supermercado holen wir uns noch schnell die Zutaten für unser Abendbrot, bevor wir es uns heute Abend richtig gemütlich machen. Die Augen meines Mannes tun ihm ohnehin weh, sodass wir uns alle für „Couchen“ mit „Kevin allein zu Haus“ entscheiden. Zuvor hat er aber noch ein Projekt: “Rette die Brille”. Unser Sohn hat es beim Aussteigen aus dem Auto geschafft auf seine Brille zu treten. Vermutlich hatte er nicht gemerkt, dass sie still und heimlich von seiner Nase gehüpft ist. Auch wenn die Chancen für das Nasenfahrrad zunächst schlecht aussehen, unser Feinmotoriger der Familie rettet sie.

Tag 4 La Sereña Stadtspaziergang

Unsere Wirtin hat Geburtstag, daher wird es heute ein ausgedehntes Frühstück. Auf die reichhaltige Torte verzichten wir lieber. In aller Ruhe packen wir danach das Auto und steuern schließlich unser nächstes Zwischenziel an. Dorthin wollen wir aber nicht einfach nur über die Panamericana donnern, sondern machen einen Abstecher in das Reserva Nacional Pingüino de Humboldt.

Das Wetter ist nicht besonders förderlich heute für Aktivitäten, aber sehen wollen wir es dennoch. Herrliche riesige Muscheln finden wir dort, die wir unbedingt brauchen.

Die Kirche von La Sereña sehen wir schon von Weitem
Die Kirche von La Sereña sehen wir schon von Weitem
Stadtspaziergang in La Sereña
In den Straßen bei einem Stadtspaziergang in La Sereña

 

 

 

In La Serena haben wir am Nachmittag genug Zeit für einen langen Stadterkundungs-spaziergang. Da wir unseren Tag ziemlich spät abschließen, freunden wir uns gar nicht erst mit dem Gedanken an, eine Unterkunft zu finden. Abenteuer-Camping im Auto ist wieder angesagt. Die Kinder stört das wieder überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Nur wir können diese Nacht nicht so richtig bequem werden. Also lassen wir sie einfach nicht zu lange dauern …

Tag 5 Völlig unkompliziert im Deutschen Krankenhaus in Santiago

… bei Zeiten brechen wir auf zu unserem letzten Ziel in Chile. Wir fahren wieder in Unsere Stadt, mit einer Abkürzung über die Berge (statt durch den Tunnel), die uns gefühlt eine Stunde später ankommen lässt. Wieder in Das Hostel, wo wir auch wieder Max, Barbara und das restliches Team treffen.

In diesem Sinne; ¡Muchos salutos a los todos! Tenemos disfrutado mucho nuestro quedarse en La Insolente Principessa!

Bis wir in unser Zimmer können, malen, schreiben und bilanzieren wir im gemütlichen Innenhof. Und schließlich genießen wir das fließend Warmwasser.

Clinica Alemana in Santiago de Chile
Clinica Alemana in Santiago de Chile

Der Tag ist angerißen und viel können wir nicht mehr anstellen. Also entscheiden wir, dass wir gleich heute den unliebsamen Gang ins Krankenhaus erledigen. Zu unserer Überraschung geht alles ganz schnell. Ohne Verordnung vom Arzt, direkt im Labor des Krankenhauses wird mir das Blut abgenommen und das Ergebnis schließlich per E-Mail zugesandt.

Tag 6 Ostern in Santiago

Übermorgen werden wir Chile verlassen und haben etwas Not mit unserem Gepäck aufgrund von so einigen Schnäppchen unterwegs. Nach unseren Recherchen und mit starkem Zeitdruck setzen wir auf Rot. Rot ist das Logo der nationalen Post Correos Chile.

Päckchen nach Hause aus Chile
Päckchen nach Hause aus Chile

Wir haben die Wahl zwischen 120.000 CLP mit DHL oder 65.000 CLP mit Correos Chile. Den DHL-Preis halten wir für völlig überzogen. Hoffentlich werden wir diese Entscheidung später nicht bereuen.

Unser Flugzeug wird uns morgen nach Ecuador bringen. Die Einreise auf Galapagos ist nicht ohne Weiteres möglich. Die Inselgruppe gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO und wird durch den Nationalpark der Galapagosinseln geschützt. Es gibt einige Einreisebestimmungen, die dringend beachtet werden müssen. Da wir dort als Freiwillige arbeiten wollen, müssen wir heute noch  einige Zertifikate ausdrucken, wofür wir uns allerdings auch noch einen USB-Stick zuvor besorgen müssen. Kurz vor Schluss des Kopierservices bekommen wir unsere Kopien, also quasi Last-Minute.

Wir haben Ostern und der Große hofft so sehr darauf, dass der Osterhase nach Chile findet. Also müssen wir auch noch kurz vor Feierabend etwas finden, was die selben Kriterien erfüllt, wie das Geburtstagsgeschenk. Wir verzweifeln schon als uns endlich die Idee kommt. In einer der Vorschul-Apps lernt er gerade die Uhr. Seine Armbanduhr hatten wir bewusst zu Hause gelassen, damit wir niemandem die Gelegenheit bieten. Also holen wir an einem Ramschladen eine billige Armbanduhr, die zumindest funktioniert. Es ist schwierig den Kauf so abzuwickeln, dass das Kind nichts davon bemerkt. Da aber das Baby gerade ungeduldig wird und was zu Essen möchte, wird er abgelenkt.

Der Osterhase war auch in Santiago de Chile da
Der Osterhase war auch in Santiago de Chile da

Während wir im Hostal wieder eine Veggi-Paella kochen, hoppelt der Osterhase endlich durch den Hof. Pünktlich zum Abendbrot findet unser Sohn dann auch das Osternest, was offensichtlich viel zu offensichtlich versteckt war um gleich gefunden zu werden. Den Abend lassen wir gemütlich ausklingen.

Tag 7 Sachen packen und Reisevorbereitungen

Heute heißt es endgültig Sachen (um)packen. Also ist auch nochmals Waschtag und Resteessen angesagt. Wir überprüfen ein letztes Mal die Einreisebestimmungen für Galapagos und bereiten uns einen Spickzettel.

Den restlichen Tag genießen wir im Hostal mit Gesprächen mit neuen und alten Bekanntschaften und UNO spielen.

Im Hostal wohnt ein begabter Künstler mit uns und macht unseren Sohn zu seinem Superhelden!
Im Hostal wohnt ein begabter Künstler mit uns und macht unseren Sohn zu seinem Superhelden!

Tag 8 Schwerer Abschied in Santiago

Um zwölf am Mittag lassen wir Santiago hinter uns zurück, um das Auto zurück zu bringen und unseren Flug einzuchecken. Heute rollen bei mir dicke Tränen, denn unsere Zeit hier geht nun definitiv zu Ende und es ist damit Halbzeit! Eine intensive Zeit mit meinen drei Jungs in einer sehr herzlichen Welt, wie wir sie in Deutschland kaum noch kennen.

Norte Grande mit schlechter Laune

Bevor wir das Tal endgültig in die Atacamawüste/Norte Grande verlassen, haben wir noch was offen auf unserer „Wish to see“-Liste. Die Ruta de las Estrellas ist nicht nur den Sternen verschrieben. Sie nennt sich auch Circuit Gabriela Mistral, benannt nach der chilenischen Dichterin und Diplomatin.

Gabriela Mistral
Gabriela Mistral

Da gestern alle Museen geschlossen hatten, wollen wir die Besuche jetzt noch nachholen, während Ramiro und Virginie voneinander Abschied nehmen. Auch heute sind wir nur im Museum von Gabriela Mistral erfolgreich. Die Trödlerin mit der ich mich gestern verabredet hatte, konnte mir das gewünschte Kochbuch leider auch nicht besorgen. Dafür leiste ich mir eine Halskette mit den verschiedenen Steinen der Region. Sie gehört jetzt schon zu meinen Lieblingsstücken. Und der Große hat sich auch in einen grünen Stein verguckt, der aussieht wie ein Aventurin (tatsächliche Identität müssen wir später feststellen).

Am Nachmittag starten wir schließlich in den Norden. Unser Ziel ist San Pedro de Atacama – Ramiros Ziel ist Arica. Ich teile mir die Rücksitzbank mit der Babyschale zu meiner rechten und einem Kindersitz zu meiner Linken, jeweils bestückt mit unseren Kindern, gesäumt von einem Hartschalen-Minitrolley, einer Wickeltasche, Kameratasche und natürlich meiner Gitarre. Auf dem zusammengequetschten Schoss halte ich meinen Laptop. Das ist mir eigentlich zu kuschelig, aber Ramiro geht es auch nicht viel besser auf dem Beifahrersitz mit der Kiste Nahrungsmitteln zu seinen Füßen. Und schließlich werde ich ja unterwegs auf den Fahrersitz upgraden.

So fahren wir in die Nacht. In Antofagasta legen wir eine Schlafpause ein. Ramiro nutzt hier seine Chance um auf einen LKW aufzuspringen um sein Ziel zu erreichen. Was nice to meet you, Ramiro! See you in California 😉 or somewhere else!?

Mit dem Sonnenaufgang fahren wir unserem Ziel entgegen. Als wir San Pedro de Atacama erreichen eröffnet sich vor uns eine kleine Wüstenstadt mit unbefestigten Straßen und scheinbar unzählig vielen Backpackern zwischen 18 und 25 Jahren. Johan hatte uns schon angekündigt, dass hier viel Party und Konsum angesagt sind. Nicht verwunderlich, wie wir später feststellen, wenn es die Coca-Blätter und das Cannabis im Souvenirshop zu kaufen gibt. Übrigens auch als Aufgussgetränk erhältlich.

Iglesia de San Pedro De Atacama
Iglesia de San Pedro De Atacama am Marktplatz: zur Ortskarte

Wir genehmigen uns erst einmal ein Frühstückchen an der „Hauptstraße“ in einer Imbissbude. Am Marktplatz des Ortes gibt es freies W-Lan, welches wir prompt zur Sicherung unserer nächsten Unterkunft nutzen, die wir dann auch gleich beziehen.

Wir sind gerade alle etwas angenervt. Die unbequeme Nacht und das Touristenaufgebot in San Pedro de Atacama tragen gleichermaßen dazu bei. Wir drehen eine Runde im Ort, essen spätes Mittag- oder zeitiges Abendessen und ziehen uns zu viert zurück in unser Doppelbett. Kein Wunder, dass der nächste Tag auch nicht viel besser gelaunt beginnt …

Tag 1 Atacamawüste und ein leerer Tank

… trotz bequemen Bett. Bequemen Schlaf definieren wir anders. Der Große schaffte sich seinen Platz indem er einfach alle viere von sich streckte. Während Papa an die Wand gepresst wurde, drückte sich das Baby immer fest an die Mami, die auf der Bettkante balancierte. Durch diese fast erneute Vernablung von Mutter und Kind und mit dem ständig süßen Geruch von Muttermilch in seiner Nase, verspürte das Baby den vermehrten Bedarf an Nahrungsaufnahme.

Wir frühstücken ausgiebig und lange, bereiten uns Proviant für unseren heutigen Ausflug vor und machen uns scheinbar vorbereitet auf den Weg um eine Kirche mit Kaktusholzdach in Socaire und eine aus Vulkangestein erbaute in Toconao zu sehen sowie Lagunen und den riesigen Salzsee Salar de Atacama zu entdecken. Ein wichtiges Gebot in der Wüste ist das Auto in San Pedro de Atacama voll zu tanken, da es hier ansonsten keine Petroloasen gibt.

Salar de Atacama
Salar de Atacama

Während wir so fahren von Kirche zu Lagune zu Oase zu Salzsee, vorbei an Vier-, Fünf- und Sechstausendern stehen uns die Schweißperlen auf der Stirn. Nicht nur, weil wir uns in hochsommerlichen Temperaturen bewegen – nein, in erster Linie, weil uns zu spät aufgefallen ist, dass unsere Benzinfüllung verdammt knapp ist und wir extra die Distanz zum Touristenstrom gesucht haben. Verhungern und verdursten werden wir jedenfalls nicht gleich und Hörspiele haben wir ja auch mit. Doch wir atmen auf als wir schließlich neben der Tanksäule in San Pedro de Atacama halten.

Am Abend wollen wir den Sonnenuntergang im Valle de la Luna erleben. Das finden beide Kinder ganz toll. Der Große, weil es abenteuerlich ist durch die Mondlandschaft zu klettern und der Kleine, weil es herrlich ist, wenn der Muli durch die Mondlandschaft klettert. Oben haben wir einen atemberaubenden Ausblick.

Valle de Luna
Valle de la Luna

Dort schauen wir der Sonne zu bis sie fast am Horizont verschwunden ist. So können wir den Tag doch noch im Einklang mit uns selbst abschließen und uns nach dem Abendessen in unser Doppelbett zurückziehen. Heute präparieren wir den Kinderwagen so, dass er ein gemütliches Nachtlager für das Baby bietet. Der Papa tauscht mit dem Großen und die Mami balanciert weiter auf der Bettkante.

Tag 2 Vulkan – Lagunen – Flamingos

Der Ort ist schon ganz hübsch, steht aber bei uns gerade nicht im günstigen Stern. Deswegen beschließen wir „keine Nacht länger!“. Aber es gibt noch etwas auf unserer Wish-to see-Liste. Deswegen sind wir uns einig; ich fahre tags zu den „Wish-to-see-Points“ und mein Mann nachts nach Bahía Inglesa (Tipp unseres Freundes Mario W.).

Diesmal in allem vorbereitet – Proviant und Tankfüllung – starten wir um als erstes den Volcán Aguas Calientes (5924 m) näher zu sehen. Wieder bieten sich uns herrliche Landschaftsbilder; hohe Berge im Wechsel mit ewigen Weiten sowie karge Landschaften unterbrochen von grünen satten Oasen, beweidet von Ziegen oder Alpakas. Durch die ewige Weite führt eine Asphaltstraße viele Kilometer lang. Doch für uns ist plötzlich Schluss. Scheinbar kurz vorm Ziel stehen wir auf einem Feldweg mit unserem Chevrolet Sail, vor uns ein kleines Rinnsal und ein schlafendes Maultier und die Aussicht auf eine sehr hindernisreiche Weiterfahrt, die der Mietwagen ohne Unterbodenschäden nicht schaffen würde. Also kein Vulkan.

Der Vulkan hat schon deutliche Spuren hinterlassen.
Der Vulkan hat schon deutliche Spuren hinterlassen.

Der weitere Höhenanstieg hätte dies auch nicht zugelassen, da wir die Gesundheit unserer Kinder nicht auf´s Spiel setzen wollen (Höhenkrankheit). Also kehren wir nach nur sehr kurzen Überlegungen um und fahren weiter zu Hochgebirgsseen auf dem Altiplano, den Lagunas Miscanti & Miñiques, weil man dort wohl hervorragend Vogelbeobachtungen machen kann; speziell Rüsselblesshühner, da sie dort ihre größte Brutstätte westlich der Anden haben.

Lagunas Miscanti & Miñiques
Lagunas Miscanti & Miñiques

Unbestritten ist das ein wunderschöner Platz, doch ob sich die 80 Kilometer pro Strecke gelohnt haben!? Es ist kalt und die Vögel die wir mit dem Fernglas von Weitem beobachten dürfen, erkennt man auch da durch nicht viel besser. Die Spannung im Auto steigt wieder etwas, da das Erklimmen von Höhen mit dem Auto auch viel Benzin verbraucht. Bergab lasse ich den Wagen ohne Gang rollen, gut eine dreiviertel Stunde, um sparsam mit dem Treibstoff hauszuhalten. Wir kommen also nicht um San Pedro de Atacama herum.

Flamingos in der Laguna Chaxa
Flamingos in der Laguna Chaxa

Die Flamingos wollen wir aber noch sehen. Auf die warten wir schließlich schon seit El Calafate! Der Tag ist gerettet! An der Laguna Chaxa haben wir Glück. Hier leben die Tiere nämlich, weil es hier ihr wichtigstes Nahrungsmittel, die Shrimps gibt. Im Infohäuschen gibt es ein computeranimiertes Wissensquiz für Kinder, welches auch unser Sohn mit Begeisterung in Anspruch nimmt. Und schließlich ergeben wir uns unserem Schicksal und kehren zurück nach San Pedro de Atacama um das Auto vollzutanken und unserem Hunger vorzubeugen. Und wieder fahren wir in eine lange Nacht. …

 

TIPP für eine Reise besonders nach Norte Grande: Polfilter für die Kamera mitnehmen!!!

Region Chico del Norte und ganz dicke Tränen

Auch im Océano Dive Center Pichidangui sind wir gleich integriert.
Auch im Océano Dive Center Pichidangui sind wir gleich integriert.

Von Johan kommen wir erst nach dem Mittag los, weil es noch eine Menge zu Plaudern gab mit ihm und Henry, aus Peru. Unser Weg führt uns heute nach Pichidangui, in die Region Chico del Norte. Das ist nicht so weit und soll einen tollen Strand haben. Im Taucherzentrum finden wir heute unser Nachtlager. Wie soll es anders sein, auch hier gehören wir gleich dazu. Der Große schaut mit den anderen den Film „Der letzte König“, während das Baby durch die Gegend geschleppt wird bis es Abendessen gibt.

Tag 1 Pichidangui mit Strandvergnügen für Alle

Buddeln, was das Zeug hält ist angesagt. Nachdem unser Sohn das viel zu kalte Wasser getestet hat, beschließt er, dass das Strandvergnügen völlig ausreicht.

Marina Bay Pichidangui
Marina Bay Pichidangui

Mein Mann sucht am Strand nach Krebsen und ich genehmige dem Baby das Scharen im Sand mit seinen Füßchen. Quietschvergnügt strampelt es hin und her.

Wir haben einen Schatz gefunden!
Wir haben einen Schatz gefunden!

Statt verlassenen Krebsschalen kehrt mein Mann mit 500 CLP zurück. Sogleich bin ich motiviert und drehe ebenfalls eine Runde über den Abschnitt. Meine Beute lässt sich auch sehen; 680 CLP habe ich auf meiner Schatzsuche gefunden.

Am Nachmittag machen wir uns auf zum nächsten Ziel – Vicuña. Als wir am Abend ankommen, können wir schon ahnen, dass der Ortsteil, La Campana, in dem wir bleiben wollen, nicht wesentlich größer ist als unser Heimatort mit 17 Einwohnern. Hier gibt es allerdings einen Superminimarkt auf circa sechs Quadratmetern, in dem es die allerwichtigsten Sachen gibt: Nudeln und Mineralwasser. Das Tor zu unserer Bleibe öffnet uns eine junge Französin, Cécil, die bis vor kurzem auch auf Reisen war und nun durch die Liebe im Elqui-Tal hängengeblieben ist. Mit ihr, Virginie und Felipe teilen wir uns das Haus und den wunderschönen Garten. Hier gefällt es uns sehr. Vorm Grundstück befindet sich der Spielplatz mit den von uns beliebten Sportgeräten, die wir auch noch am Abend in Anspruch nehmen. In diesem Haus findet unser Sohn eine ganz besondere Freundin, welche er „Catimot“ tauft; Eine ganz junge Katze, die sich durch die Gegend rumschleppen lässt und trotzdem noch gern in sein Bett kuscheln kommt.

Tag 2 Rund um Vicuña

Wir haben uns gegen Sightseeing-Stress entschieden und besuchen also in aller Ruhe, nach dem Frühstück, ein paar Orte rund um Vicuña, zum Beispiel den nahegelegenen Stausee, den Puclaro Dam.

Puclaro Dam bei Vicuña
Staumauer des Puclaro Dam bei Vicuña

Dort laufen wir auf der riesigen Staumauer entlang. Den Wunsch unseres Sohnes baden zu gehen, können wir allerdings nicht erfüllen, jedoch den ein leckeres selbstgemachtes Eis zu essen.
Ganz groß angepriesen wurde uns der Töpfer des Nachbarortes Diaguitas. Doch dieses Erlebnis ist eher enttäuschend für uns, da wir hinter dem romantischen Anblick einer alten Steinmauer, verziert mit Rosenpflanzen, einen hippen Töpferschauplatz erwarten. Stattdessen führt uns der Weg durch den verwilderten Garten zu einer kleinen Bretterbude, wie die auf deutschen Weihnachtsmärkten, wo ein paar Stücke an der Rückwand aufgestellt sind, die wir uns nur von Weitem betrachten können. Auf Anfrage, das eine oder andere sich näher anschauen zu dürfen, stellt er lustlos die Sachen auf die Theke. Stattdessen versucht er unserem Sohn eine riesige Trommel schmackhaft zu machen. Wir beschließen, unter diesen Umständen kommen wir leider nicht ins Geschäft. Auch die Cervecera Guayacán hat mit ihren riesigen Plakaten auf der Ruta de las Estrellas größere Erwartungen in uns geschürt. Das Bier schmeckt sehr gut und ist stark, urteilt mein Mann. Die zehnminutige Führung ist natürlich in Spanisch und so schnell, dass wir unserem Sohn die Herstellung aus eigenem besten Wissen und Gewissen des Hopfengetränkes erklären müssen.

Die Cervecera Guayacán bietet nicht nur Bier sondern auch leckere alkoholfreihe Getränke.
Die Cervecera Guayacán bietet nicht nur Bier sondern auch leckere alkoholfreie Getränke.

 

Tag 2 Einfach nur rum hängen und nichts tun

Heute beschließen wir einfach nichts zu tun und das Kind in seiner Seeligkeit mit der Katze zu belassen. Mein Mann besorgt in Vicuña im Mercado noch ein paar Lebensmittel, aber ansonsten hängen wir heute nur rum. Am Abend zeigt uns Felipe wie Traumfänger entstehen. Und schon ist meinem Sohn und mir eine sehr schöne Idee für seinen besten Freund geboren.

Einfach nur Spielen, Malen und nichts tun.
Einfach nur Spielen, Malen und nichts tun.
Ständiges Controlling während der Reise ist sehr wichtig.
Ständiges Controlling während der Reise ist sehr wichtig.
Traumfängerproduktion
Traumfängerproduktion
Und der Papa kocht.
Und der Papa kocht.

Tag 3 Ruta de las Estrellas

Von Cécile haben wir den Tipp bekommen, dass es ganz in der Umgebung eine Destillerie gibt, die unter anderem kostenlose Führungen anbietet. Die wollen wir besuchen und nebenbei die tolle Landschaft entlang der Ruta de las Estrellas genießen. In Paiguano kommen wir genau richtig als eine Führung bei Doña Josefa beginnt.

Führung in der Destillerie Doña Josefa
Führung in der Destillerie Doña Josefa

Da es sich um einen kleinen Familienbetrieb handelt, sind wir schnell rum. Unser Sohn hat derweil schon wieder sein Element entdeckt – Das Wasser.

Der Besitzer der Destillerie lädt uns zu einer Runde im Pool ein.

Wasser - Das Element unseres Sohnes.
Wasser – Das Element unseres Sohnes.

Uns ist das zu kalt, doch der Große lässt sich das nicht zweimal sagen. Im Anschluss schlendern wir noch kurz über den Marktplatz, probieren einen regionalen Weißwein, kaufen uns Trauben, Nüsse und Empanadas. Zu straff darf der Tag heut sowie so nicht sein, da wir heute nachtaktiv werden wollen.
Nachdem Abendessen holt uns Sergio (Astronomía Desde el Jardin Diaguidas) ab. Die Ruta de las Estrellas trägt nicht umsonst ihren Namen. Hier wurden mit die ersten Observatorien in Chile errichtet und das Tal hat sich voll und ganz den Sternen verschrieben. Von den kleinen privaten bis zu den großen professionellen Observatorien sind hier alle vertreten. Sergio und seine Frau Paty erklären uns nicht nur die Sternbilder am Himmel, sondern bringen unseren Sohn mit vielen Fakten und einem für unsere Verhältnisse großen Teleskop, mit 200 mm Spiegeldurchmesser zum Staunen. Schließlich werden wieder viele Fragen in ihm wach und er beschließt seinen neuen Beruf mit Sternen und Galaxien. Bis ein Uhr morgens sitzen wir gemeinsam mit den Beiden sowie Ramiro und lassen diesen unbeschreiblichen Anblick auf uns einwirken. Zum Abschied und zur Erinnerung schenkt uns Paty eine Baumwollfrucht aus ihrem Garten. Wir sind sehr zufrieden mit unserem heutigen Erlebnis.

Astronomía Desde el Jardin Diaguidas
Astronomía Desde el Jardin Diaguidas

Zu gern hätten wir auch das Gemini Observatorium besucht, doch leider ist der Zutritt erst ab zehn Jahren möglich. Herzlichen Dank Felix für die kurzfristige Organisation von zu Hause aus! Wir versuchen es später noch einmal.

Tag 4 Ein ganz besonderer Felsen

Nach der kurzen Nacht wollen wir uns den neuen Tag nicht zu voll mit Aktivitäten packen. und in unserem Dorf, La Campana soll es einen ganz tollen Felsen geben. Der Beschreibung nach werden wir wohl einen meteoritenähnlichen Stein finden. Unser Sohn ist schon ganz aufgeregt, da er mit seiner neuen Berufung unbedingt den Meteoriten sehen muss und natürlich fotografieren.

Steinzeit
Steinzeit

Eineinhalb Stunden zu Fuß wurden uns angekündigt und wir können das Phänomen kaum übersehen. Mit großer Vorfreude machen wir uns auf den Weg und bleiben hier und da stehen um verschiedene Steine zu bergen.

 

Nach einer ganzen Weile stellen wir fest, dass wir den ganz besonderen Felsen tatsächlich übersehen haben müssen.

Der besondere Felsen in La Campana
Der besondere Felsen in La Campana

Wir waren wahrscheinlich so vertieft in unsere Schatzsuche, dass wir die Sendung aus dem All verpasst haben. Wir schauen uns dennoch diese herrliche Steinlandschaft an und suchen später weiter nach dem „Magic Stone“. Auf dem Rückweg finden wir mit erhöhter Achtsamkeit einen Stein, ungefähr 2 Meter hoch und nicht viel breiter mit Zeichen versehen, die an Höhlenmalerei erinnern. Dieser Fund ist nicht nur für uns etwas ernüchternd. Unser Sohn wundert sich schon über die wenig spektakuläre Sendung aus der Ferne.

Tag 5 Vicuña und das Steinfieber

Auch an unserem letzten Tag hier im Elqui-Tal wollen wir es nicht mit Aktivitäten übertreiben, denn die nächste Etappe wird wieder etwas länger und verlangt Durchhaltevermögen. Vicuña verspricht übersichtlich zu sein. Wir beginnen mit der Erkundung der Stadt, wobei wir feststellen müssen, dass die Museen sowie die meisten Sehenswürdigkeiten montags geschlossen haben. Einzig der Kunsthandwerksmarkt bietet uns einen Bummel mit Produkten aus der regionalen Steinvielfalt und anschließend Empanadas zum Mittag. Da uns das Steinfieber gepackt hat, wollen wir nun in unserem Dorf nochmals den besonderen Felsen besuchen.

Kaktusbiere des Elqui-Tals
Kaktusbiere des Elqui-Tals

Auf dem Weg dahin kommen wir an einer Brauerei vorbei, die Kaktusbier herstellt. Das interessiert uns natürlich auch. Von Dächern aus Kaktusholz haben wir schon gehört und nun auch noch von Getränken aus der stacheligen Pflanze. Zwei Flaschen Kaktusbier zur Verkostung können wir uns daher nicht verkneifen. Stolz tragen wir dann am späten Nachmittag auch noch unsere Findlinge zurück nach Hause. Am Abend finden wir letztendlich heraus, wer welches Bier mehr mag.

Tag 6 Ganz dicke Tränen

In unserer Wohngemeinschaft haben wir uns prima eingelebt, deswegen ist es nicht ganz einfach heute hier unsere Zelte abzubrechen. Doch wir reisen nicht alleine weiter. Ramiro aus Mexico, der inzwischen mit in die WG Einzug gehalten hat, wird uns in den Norden begleiten. Wie weit wir kommen, werden wir sehen. Nachdem wir alle Sachen und Taschen mit mehr oder weniger Gewalt ins Auto gepackt haben, heißt es Abschied nehmen! Nun begreift auch unser Sohn, dass die Zeit hier vorbei ist und es fließen ganz dicke Tränen.

Highlight für uns und unseren Sohn: Die erste Zahnlücke!
Highlight für uns und unseren Sohn: Die erste Zahnlücke!

Santiago de Chile – Unsere Stadt

… Am Busbahnhof von Temuco angekommen, überlegen wir nicht lange. Der Ort ist ewig lang und wir haben keine Karte, außerdem keine Lust mit dem schweren Gepäck auf Unterkunftsuche zu gehen. Ich beginne bei den unzähligen Busanbietern nach dem nächsten Bus nach Santiago abzufragen.

Beim fünften Anbieter geht der Bus in 30 Minuten und kostet nur 26.000 CLP für uns alle. Den nehmen wir! Doch wir haben keinen Proviant und die Fahrt wird lang. Also kurz auf Hektik umschalten; während mein Mann mit den Kindern am Bus wartet, rase ich durch die Halle des Busbahnhofes und klapper die Kioske ab. Das Ergebnis ist nichts für Gourmets, aber stellt die Mägen ruhig und stillt den Durst. Zehn Stunden Busfahrt stören uns gar nicht mehr. Ganz im Gegenteil. Der Große freut sich auf das Fernsehprogramm, mein Mann kann in Ruhe Musik hören, ich schreibe für den Blog und das Baby schläft oder spielt.

Mitten in der Nacht weckt uns der Stuart des Busses. „¿A donde van?“ Er will wissen, wohin wir wollen, denn wir sind eigentlich an der Endstation und der Bus ist leer. Nur wir sitzen noch drinnen. Total verschlafen quälen wir uns aus den „Semi-Cama“-Sitzen. Kurzfristige Aufgabenaufteilung ist wieder angesagt. Die Kinder verlassen mit meinem Mann den Bus um das restliche Gepäck zu sichern. Meine Aufgabe ist es das Gepäck von den Sitzen einzusammeln. Leider gelingt mir das in meiner Trance nur mäßig, wie wir wenig später feststellen müssen.

Da stehen wir nun mit der Situation überfordert. Wir sammeln uns erstmal im Gebäude des Busbahnhofes. Rettung! Durch Zufall entdecke ich, dass das Busunternehmen eine „Expressübernachtung“ anbietet im gleichen Gebäude. Noch einmal nehmen wir all unsere Kräfte zusammen und bringen alles in den 2. Stock.

Tag 1 Richtig ankommen in Santiago

Richtig ankommen in Santiago de Chile
Richtig ankommen in Santiago de Chile

Um zwölf Uhr müssen wir erst das Zimmer verlassen, was wir natürlich ausnutzen um auszuschlafen und W-Lan zu nutzen. Zweites gab es bei den Mapuche in der Ruka natürlich nicht.

Mit dem Taxi kommt man hier auch günstig von A nach B. Mit dem Gepäck entscheiden wir uns nach dem Frühstück auch für diese Variante. Als wir ankommen, freuen wir uns über unsere Wahl dieses „Green Hostals“. Es hat einen hübschen kleinen Innenhof mit Gartenmöbeln und einem Kickertisch sowie großzügige Betten in den Zimmern. Hier wollen wir erstmal ankommen und einen Plan für die Erkundung der Stadt schmieden. Und wie soll es anders sein; unsere Söhne haben wieder die Herzen der anderen Gäste und des Personals erobert. Während das Baby durch die Gegend geschleppt wird, kickert der Große mit seiner neuen 19-jährigen Freundin Svenja. Diese Idylle wollen wir gerade nicht zerstören, weshalb mein Mann im Supermarkt um die Ecke schnell Zutaten für Pasta al la Casa holt. So lassen wir den Tag ruhig ausklingen.

Tag 2 Santiago zu Fuß zum Frauentag

Es gibt ein paar Dinge, die wir heute besorgen wollen und müssen. Seit die Brille meines Mannes abhanden gekommen und er seitdem auf Kontaktlinsen angewiesen ist, hat er ein bisschen Probleme mit den Augen. Beim Optiker holen wir nicht nur neue Reinigungsflüssigkeit für die Linsen sondern auch eine Sonnenbrille. Für das Baby haben wir keine Wechseljacke eingepackt. Die Stellen, wo es drauf gespien hat, werden schon leicht steif, ganz zu schweigen vom Geruch. Also brauchen wir auch ein Babygeschäft, in dem wir Gott sei Dank auch gleich die Stilleinlagen bekommen. Unser Sohn findet eine Kette, wie Mogli aus dem Dschungelbuch sie auch hat.
Heute ist Frauentag, weshalb die Frauen alle eine Blume bekommen haben und in der Stadt eine Demonstration der Feministinnen stattfindet.

Frauentagsbewegung in Santiago de Chile
Frauentagsbewegung in Santiago de Chile

Durch die Fußgängerzone strömen die Menschen. Achtung auf die Wertsachen ist angesagt! Wir werden auch so gleich Zeugen, wie ein Mann vom Postboten verfolgt wird, weil er dem offensichtlich gerade eine Fracht entwendet hat.

Auf unserem Weg besuchen wir das Museo Nacional de Bellas Artes, das Künstlerviertel Barrio Bellavista und natürlich auch den Spielplatz. Auf dem Rückweg stoßen wir auf eine Menschenversammlung vorm Palacio de La Moneda, überwacht von Polizisten. Das interessiert mich. Ich kann es mir nicht verkneifen und frage einen Polizisten, was hier los ist. Er gratuliert mir darauf zum Frauentag und fragt, ob ich denn von meinem Mann heute nichts geschenkt bekommen habe. Doch ich habe, wenn auch nicht mit dem Hintergedanken des Frauentage – eine handgemachte gelbe Strickjacke. Das Baby brauchte eine, da musste ich glatt Solidarität zeigen. Der Polizist freut sich für mich und lädt uns herzlich zur Aufführung anlässlich dieses Feiertages ein, die hier 21:30 Uhr stattfindet. Zu gerne hätte ich die Einladung angenommen, aber mit Kindern zu reisen, bedeutet eben auch gewiße Einschränkungen zu akzeptieren. Stattdessen koche ich zur Feier des Frauentages eine vegetarische Paella.

Tag 3 Santiago Hop-on-Hop-off

Im Großraum Santiago leben etwa die 50 Prozent der Chilenen, in der Stadt Santiago de Chile, die grüne Hauptstadt Chiles, leben ungefähr 30 Prozent der Chilenen. (Zur Größe: 18 Mio Einwohner in Chile davon 5,5 Mio Einwohner in Santiago de Chile.) Das können wir auf keinen Fall erlaufen. Wir entscheiden uns wieder für den Hop-on-Hop-off-Bus, auch wenn es diesmal nicht gerade Budgetkonform ist. Man kann es zwei Tage nutzen. Also wollen wir es am Abend im Hostel zum halben Preis anbieten. Mit dem Bus gewinnen wir auch wieder einen Überblick über die Stadt. Im Preis inbegriffen ist die Standseilbahn auf den 880 Meter hohen Cerro San Cristóbal, wo sich neben einer Kirche, einem Amphitheater und der Statue der Jungfrau Maria für die kulturelle Unterhaltung auch zwei Schwimmbäder zur Abkühlung befinden.

Da wir an der falschen Haltestelle ausgestiegen sind, müssen wir etwas weiter laufen um zum Schwimmbad zu kommen. Doch die Schließzeit sitzt uns im Nacken. Kurzentschlossen mache ich das, was hier ganz viele Backpacker machen: Ich halte meinen Daumen raus. Schon das zweite Auto hält.

Ausübung von Religion auf dem Cerro San Cristóbal
Ausübung von Religion auf dem Cerro San Cristóbal
Baden im Piscina Antilén auf dem Cerro San Cristóbal
Baden im Piscina Antilén auf dem Cerro San Cristóbal

Arbeiter, die gerade auf dem Heimweg sind, rücken für uns zusammen und nehmen uns bis zum Piscina Antilén mit. Für eine halbe Stunde bemühe ich mich jetzt nicht erst in die Badesachen, so dass die anderen mich nicht nackt sehen müssen. Bei den Jungs geht das schneller und über das nackte Baby erfreuen sich die anderen nur. Diese halbe Stunde entschädigt unseren Sohn für die vielen Sehenswürdigkeiten.

Mit der Standseilbahn geht es schließlich den Berg wieder runter. Unser Sohn bemerkt, dass er „mit solch einer Bahn schonmal zu Hause mit den Mäusen gefahren ist“. Im Barrio Bellavista genehmigen wir uns heute Sushi bevor wir den Heimweg antreten.

Im Hostel legt heute im Innenhof ein DJ auf. Unserem Sohn haben wir versprochen, dass wir dieses Vergnügen eine Weile wahrnehmen können. Natürlich tanzen wir zu den Hits der ´80er Jahre bis wir wirklich total müde sind. Wir haben uns sehr amüsiert an diesem Abend, weil unser Kind den großen Jungs die Show gestohlen hatte indem er mit den ihn umringenden Chicas tanzte. Leider war es nicht möglich dies als Foto festzuhalten.

Tag 4 Gran Torre Santiago

Gran Torre Santiago
Gran Torre Santiago

Schon gestern hatte wir uns für heute den Besuch des Gran Torre Santiago beschlossen. Wir nehmen die U-Bahn um an das andere Ende der Stadt, ins Viertel Providencia zu gelangen. Dieses Verkehrsmittel bereitet unserem Sohn genau so viel Freude wie ein Spielplatz. Im angrenzenden Gebäude des Turms (300 Meter) finden wir auch das Hard Rock Café, welches schon vor der Reise auf unserem Plan stand.

Der Große hatte auf seiner ersten Reise in Sydney sein „First Hard Rock Café“-Shirt bekommen. Und das Baby sollte eigentlich in Buenos Aires sein erstes T-Shirt haben, doch dort gab es keines für die Kleinsten. Hier werden wir alle fündig, zum Leid des Reisebudgets. Wir stellen fest, dass wir Santiago lieber bald verlassen sollten, weil wir uns hier offensichtlich so wohl fühlen, dass unsere Ausgeberlaune hier weniger Hemmungen kennt. Denn es gibt noch etwas Neues im Gepäck. Ich habe mich anstecken lassen, werde unvernünftig und folge einer Mode, die hier viele Backpacker folgen. Ich kaufe mir eine kleine Gitarre Made in China.
Endlich finden wir den Zugang zum höchsten Gebäude Südamerikas. 62 Stockwerke rasen wir mit dem Aufzug hoch. Hier oben begreifen wir erstmal richtig, dass diese große, schöne und zugleich ruhige und gemütliche Hauptstadt umgeben von Bergen und karger Landschaft ist.

Buntes Treiben auf dem Plaza de Armes
Buntes Treiben auf dem Plaza de Armes

Auf dem Rückweg machen wir einen Zwischenstopp auf dem Plaza de Armes und beobachten das bunte Treiben der verschieden Darsteller. Als mich dann ein junger Mann anrempelt und so tut als hätte er sich dabei furchtbar weh getan, halte ich instinktiv alles fest an mir. Er beobachtet mich noch eine Weile und verschwindet im U-Bahn-Eingang, wo wir ihn ein paar Minuten später in einer kleinen Gruppe antreffen. Wir beschließen jetzt zügig den Heimweg anzutreten.

Tag 5 und 6 Valparaiso – Die chaotische Stadt

Halb eins bringt uns das Taxi zum Flughafen. Wir haben uns wieder für etwas mehr Freiheit und Individualität in Form eines Mietwagens entschieden. Alles geht ganz zügig und wir sitzen zeitnah im Auto in Richtung Valparaiso. Gleich zu Beginn müssen wir tanken, damit wir es auch aus der Stadt schaffen, denn der Tank ist leer. Doch nach ungefähr 30 Kilometern müssen wir den Beschluss fassen umzukehren und uns im Stau anzustellen um das Fahrzeug zu tauschen. Die Geräusche sind atypisch und wecken den Verdacht in uns, dass es von den Rädern kommt. Wir haben bereits genug Fahrbahnmarkierungen von Unfalltoten an den Straßenrändern gesehen und zwei Unfälle Live; Wir haben nicht das Bedürfnis uns einzureihen. Auch der Austausch geht nach kurzer Diskussion wieder sehr schnell. Trotzdem kostet uns das ganze zwei Stunden Zeit, sodass wir erst am späten Nachmittag in Valparaiso ankommen.

Es ist kalt und sehr windig. Wir brauchen einfach nur ein gemütliches Plätzchen. Das bekommen wir bei Johan – durch Zufall. Irgendwas sehe ich mit „Bag Pack“ an seiner Tür stehen und klingel einfach. Er lässt mich auch gleich in sein Haus. Willkommen zu Hause vor acht Jahren, denke ich so. (2006 haben wir mit der Komplettsanierung eines alten Bauernhauses begonnen)

Überall stehen die Trockenbauwände angelehnt, zum Teil fehlen noch Fenster und Oliven an den Türen, die Küche ein selbstgebautes Provisorium und die Dachterrasse eigentlich nur mit Sicherheitsleine zu erklimmen. Er ist uns sympathisch und bietet uns zudem eine Bleibe in privater Atmosphäre. Und das Beste stellt sich heraus, ist der neue Freund Fransico. Unser Sohn und er sind sofort auf einer Wellenlänge, spielen zusammen das Vorschulspiel auf dem Tablet, mit den Autos und rasen den Gang auf und ab, wobei sie laut gackern. Wir sind uns einig; wir müssen mindestens zwei Nächte hier bleiben.

Augenbehandlung bei Johan
Augenbehandlung bei Johan

Am nächsten Tag hat mein Mann wieder Probleme mit den Augen. Johan studiert unter anderem Heilkunde und bereitet eine Tinktur aus Kerbelwurzeln zu. „Schlimmer kann es nicht werden“, meint mein Mann und lässt sich das Zauberelixier in die Augen tropfen. Sofort muss er sich hinlegen und etwas schlafen, weil seine Augen jeden Augenblick drohen zu explodieren. Im Schlaf kommt ihm die Erleuchtung, dass er auf frische Möhren auch so reagiert hat und das es sich hierbei möglicherweise auch um eine allergische Reaktion handelt.

Nachdem er sich die Augen ausgespült hat und sie sich schließlich etwas beruhigt haben, erkunden wir den Ort zu Fuß. Wir bestaunen im Hafen die großen Kräne und die riesigen Militärschiffe, auf dem Marktplatz das Denkmal von Arturo Prad sowie die geniale Idee historische Außenmauern mit einem modernen Glasbau zu kombinieren. Gemütlich schlendern wir über einen kleinen Flohmarkt, wo unser Sohn seiner besten Freundin ein kleines Mitbringsel kauft.
Valparaiso wird im Lonely Planet(R) als „extravagant, verfallen, bunt und poetisch – kurz: eine herrlich chaotische Stadt“ beschrieben. Das trifft es genau. Graffiti schmücken hier nahezu jedes Haus, Kunst an jeder Straßenecke und irgendwie kein klares Stadtbild.

Denkmal Arturo Prad
Denkmal Arturo Prad
Hafen von Valparaiso
Hafen von Valparaiso

Am Nachmittag kommt wieder ein starker Wind auf. Der Große kennt schon den Stundenplan seines neuen Freundes und möchte nun schleunigst zurück. Da es unangenehm ist, wenn der Sand durch den Wind gegen die Beine peitscht, willigen wir ein.

Unsere Wäsche ist auch schon knochentrocken als wir zurückkehren. Wir plaudern noch ein bisschen mit Johan, der uns auch Tipps für unsere Weiterreise gibt. Dabei fällt mir zunehmend auf, dass mein Mann schon ganz gut Spanisch versteht, weil ich nicht mehr alles übersetzen muss. Ich bin begeistert, denn für unseren Sohn ist es auch schon völlig normal auf Spanisch zu antworten; Manche Sätze hat er schon intus und andere erfragt er bei mir; Auch auf die Gefahr hin, dass es sich nicht um einwandfreies Spanisch handelt, was ich ihm beibringe – er wird verstanden und erntet dafür Umarmungen, Küsse und Freunde. Unser blonder (B)Engel wird hier ganz besonders von den Frauen geliebt.

Homestay bei den Mapuche

Fernbus Bariloche nach Temuco
Fernbus Bariloche nach Temuco

Die Reise mit dem Fernbus von Bariloche nach Temuco gestaltet sich als sehr angenehm und vergeht dementsprechend schnell. Mitternacht erreichen wir Temuco in Chile.

Ein Mapuche scheint uns gleich zu erkennen und kommt zielgerichtet auf uns zu. Zaghaft fragt er mich, „ob wir zu Nadia kommen“. Ich freue mich wie verrückt. Nicht nur, weil wir nicht erst noch lange warten müssen. Nein! Ich habe ihn auf Anhieb verstanden. Keine unklaren Wörter, nichts genuscheltes, einfach verständlich – Wunderbar! Zum Beispiel ist „Me llamo …“ hier nicht „Me [sch]amo …“ sondern wie es in meinem Lehrbuch steht „Me [j]amo …“

Zwei Stunden Fahrt sind es jetzt noch bis zur verabredeten Mapuche-Gemeinde am Lago Budi. Als wir ankommen, hat Nadia schon das Feuer in unserer Ruka für uns angemacht. Wir fallen völlig erschöpft in die Betten, welche neben der Feuerstelle aufgestellt sind.

Tag 1 Mapuche-Kultur kennenlernen

Nach dem späten Frühstück entdeckt unser Sohn die Nachbarskinder. Es steht für ihn außer Frage ob er dahin geht oder nicht. Geschwind läuft er über das Feld zu ihnen hin.

Wohnen in einer Ruka bei den Mapuche
Wohnen in einer Ruka bei den Mapuche

Derweilen genießen wir den Ausblick von unserer Ruka auf den Budisee und fühlen uns leicht heimisch. Von einem Karren, vor den zwei Ochsen gespannt sind, werden wir am frühen Nachmittag ins Ortzentrum von Llagepudi gebracht. Der Ortskern besteht aus einem Restaurant und einem Kulturzentrum, einer Ruka, die von der Gemeinde für Feste und Veranstaltungen genutzt wird. Dort erfahren wir was die Mapuche-Kultur ausmacht.

Auf einen Dolmetscher hatten wir vor Antritt der Reise bewusst verzichtet, da wir uns das Homestay-Feeling bewahren wollen. Hier im Kulturzentrum merke ich jedoch deutlich meine Grenzen. Das Wesentliche, so glaube ich zumindest, habe ich verstanden. Die Mapuche haben den Ehrgeiz, so erfahren wir später, ihre Gastfreundschaft wie in einem Hotel zu bieten. Dementsprechend wird uns ein Dreigang-Menü aufgefahren. Unsere Vorlieben hatten sie im Vorab schon abgefragt. Zu der leckeren Gemüsesuppe gibt es „das beste Brot der Welt“ so unser Sohn. Zum Hauptgang gibt es ein leckeres Gericht mit Quinoa und Gemüse. Und zum Dessert gibt es Birnen aus eigener Ernte. Das meiste, was wir hier verzehren ist aus eigenem Anbau der Gemeindemitglieder.

Typisch bei den Mapuche; Gerichte mit Quinoa
Typisch bei den Mapuche; Gerichte mit Quinoa

Später kommt Nadia mit Schafwolle zur Ruka und zeigt uns, wie die Mapuche ihr Garn herstellen. Dabei erfahren wir auch wie sie mit ganz natürlichen Mitteln das Garn im Anschluss färben. So leicht, wie die Herstellung bei ihr aussieht, geht das gar nicht. Wir versuchen uns alle drei daran. Mein Mann stellt sich wohl am geschicktesten an. Für das Weben wiederum kann sie mich am meisten begeistern. Abends fühlen wir uns dann endgültig zu Hause. Nachdem die Jungs das Feuer entfacht haben, setzen wir uns gemütlich mit Tee und den in Puerto Matryn erworbenen UNO-Karten darum.

Tag 2 Kochen mit den Mapuche

Für heute sind wir zum Kochen verabredet. Dafür werden wir erstmal eingekleidet. Das ist nicht nur für meinen Mann und mich interessant, auch unser Großer hat Spaß daran zu helfen. Das Baby gluckst fröhlich im Kinderwagen. Zu den Brötchen aus Kartoffelteig gibt es einen typischen Eintopf der Mapuche (kollof en mapudungun) aus Meeresalgen (cochayuyo), Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln.

Kochen bei den Mapuche
Kochen bei den Mapuche

Die Zubereitung geht sehr einfach und relativ schnell. Doch ich muss gestehen, dass diese Meeresalgen nicht meins sind. Bereits der Geruch beim Kochen erinnert mich an Süß-Sauer – Innereien. Das steigert meine Hemmungen beim Essen. Meinem Mann dagegen schmeckt es gut, sodass sein Teller schließlich lehr ist. Mir ist es ein bißchen peinlich, dass ich das „comida típica“ verschmähe. Also gebe ich meinem Mann schnell noch was von meinem Teller, damit wir es auf die Menge schieben können, dass etwas übrig bleibt. Heute wird unser Großer zum letzten Mal als fünfjähriger Junge einschlafen.

Tag 3 Sechster Geburtstag mit den Mapuche

Nadia weckt uns mit dem Frühstück. Aus vollem Halse grölen wir ein Geburtstagslied für unseren Sohn. Ich bin ein bisschen gerührt, weil mein Sohn nun endgültig kein kleiner Junge mehr ist. Schnell drapieren wir die in Bariloche gekauften Geburtstagsgeschenke auf dem Frühstückstisch.

Die Kriterien beim Besorgen der Geschenke haben wir ganz gut eingehalten. Teuer sollte es nicht sein, damit wir bei Verlust nicht all zu große Reue empfinden. Billig fabriziert sollte es aber auch nicht sein, damit es keine Tränen gibt, weil es gerade 14 Tage gehalten hat. Zudem sollte es nicht irgendwas sein, sondern etwas was er braucht und worüber er sich noch dazu freut. Wichtiges Kriterium war, dass es nicht groß sein durfte, damit es Gepäckkonform ist.

Die Augen unseres Großen leuchten als er die Taucherbrille von Cars(R), den VW Microbus(R) und die Dinosaurier Minikollektion mit T-Shirt aus dem Museum in Bariloche auspackt.

Heute werden wir in die Heilkunst der Mapuche eingeweiht. Im Medical Centro bekommen wir von Elizabeth erklärt, dass der „Machi“ für die Heilung von Krankheiten zuständig ist. Er stellt nicht nur die Diagnose sondern auch die Medizin her. Wir werden in die Welt der Heilkräuter mitgenommen. Übrigens auch eine hervorragende Kulisse für die kleinen Dinosaurier. Wir sind begeistert und pflanzen schon in Gedanken diese Sträucher und Pflanzen in unseren Garten. Wir tauschen den Kontakt aus, weil wir sehr gern den Katalog der Naturheilkunde der Mapuche haben möchten.

Abendunterhaltung in unserer Ruka am Feuer
Abendunterhaltung in unserer Ruka am Feuer

Den restlichen Tag verbringen wir mit essen, schlafen, spielen und malen. Zum Abendessen gibt es wieder ein Dreigang-Menü mit frischem Fruchtsmoothie. Natürlich lassen wir auch den Geburtstag am Feuer mit Tee und UNO ausklingen. Zur Feier des Tages und zur Freude unseres Sohnes gibt es Chips dazu.

Tag 4 Bootsausflug um die Isla Cueva del Zorro

Nach dem Frühstück laufen wir mit Nadia über den Acker, ein Feld entlang der Weide zum Lago Budi, wo ihre Cousine bereits mit einem Paddelboot auf uns wartet. Wir schlüpfen alle in unsere One-Sice-Rettungswesten und klettern über die Grasnarben in das Boot. Auf geht’s! Während wir mit dem Boot Kurs auf die Isla Cueva del Zorro nehmen, bietet mein Mann als echter Gentleman ihr an, das Ruder zu übernehmen, da sie angestrengt wirkt. Sehr gern nimmt sie offensichtlich das Angebot an. Doch auch er kämpft mit den starken Wellen, die mit dem Boot nur zu gern spielen, es drehen, es nah an die Felsen im Wasser treiben. Nach einer Weile fragt sie, wieviel Zeit wir haben. Als wir die Hälfte der Insel umrundet haben, wechseln die Beiden wieder ihre Sitzplätze. In gleichmäßigen Zügigen geht es weiter um die Heimat der vielen verschieden Vogelarten. So hilflos war die Cousine also gar nicht.

Umrundung der Isla Cueva del Zorro
Umrundung der Isla Cueva del Zorro

Nun kann mein Mann auch am Birdwatching teilnehmen, von dem er bisher durch seine Bemühungen, das Boot voran zu bringen, abgelenkt war. Als wir schließlich wieder das Land erreichen bin ich froh, dass wir die Kelle doch nicht zum ausschöpfen benutzen mussten, trotz dass das Wasser sich inzwischen im ganzen Boot verteilt hat. Wir schlendern zur Ruka zurück durch die Wiese und das Feld vorbei an reifen köstlichen Brombeeren. Dort nutzen wir den restlichen Nachmittag für einen kleinen Sonnenbrand, Spielen mit dem neuen Spielzeug, Weben, Urinstinkte am Feuer und Kartenspiele. Packen müssen wir diesmal nicht viel vor der Abreise, da wir nur das notwendigste aus den Taschen geholt haben. Durch das offene Feuer in unserer Ruka riecht natürlich alles stark nach dem verbrannten Eukalyptusholz.

Tag 5 Abschied von der Mapuche-Gemeinde

Unsere Zeit mit der Mapuche-Gemeinde ist um. Doch bevor wir uns verabschieden bitte ich Nadia noch mir ihren Garten zu zeigen. Sie hat zwei. Einer für die unempfindlichen Pflanzen wie Kartoffeln, Mais, Quinoa, Bohnen und Kürbis und einer in dem sich auch das Gewächshaus befindet, bepflanzt mit Kräutern, Tomaten, Gurken, Physalis, … Der große Garten ist wie ein Acker angelegt, übersichtlich mit geraden Reihen, auf dem in jeder Reihe etwas anderes gepflanzt ist. Der kleine Garten sieht auf den ersten Blick wild und unwillkürlich bepflanzt aus. Doch alles hat sein System. Von den dicken Physalissträuchern gibt Nadia mir für unseren Weg zwei Hände voll mit. Dann heißt es schließlich Abschied nehmen. „Pewkayal“ lernen wir noch von Luis.

Auf der Fahrt zum Busbahnhof bemerken wir unseren ersten Verlust. Das nach langer Suche in Bariloche ergatterte Spucklätzchen für das Baby haben wir über dem Rangerzaun vor der Ruka hängen lassen. Zum Umkehren ist es zu spät. …

Abschied von Argentinien in Bariloche

Wir haben uns diesmal für eine Nachtfahrt entschieden, damit die Kinder so wenig wie möglich davon wahrnehmen. Eigentlich wollen wir uns abwechseln, doch mein Mann zieht die Fahrt alleine durch. Ich bleibe dennoch tapfer und zwinge mich munter zu bleiben. In Argentinien ist es während der Nacht stockdunkel. Das ist vermutlich auch der Grund, warum mein Mann das Steuer nicht an mich abgeben will. „Abschied von Argentinien in Bariloche“ weiterlesen