Archiv der Kategorie: Fernweh

Montevideo und unsere Erwartungen

Nun heißt es wirklich Abschied nehmen vom Team der Jugendherberge. Monserat ist ganz begeistert von unseren Kindern und bekommt sogar von unserem Großen ein Abschiedsküsschen auf ihre Bitte („[…] aber nur, wenn keiner lacht!“). Mit unseren Taschen schieben wir uns wieder durch die Fußgängerzone, diesmal zur Fähre. Die Tickets haben wir gestern online gebucht und müssen nur noch einchecken und durch die Zollkontrolle. Die Überfahrt nach Colonia vergeht sehr schnell. Der Bus, der uns nach Montevideo bringt, steht schon da. Nach zwei Stunden sind wir endlich da, zumindest in Montevideo. Dank der Technik ist keinem im WIFI-fähigen Bus langweilig geworden. Das Baby hat alles verschlafen.

Doch nun noch zur Unterkunft! Das Navigationssystem sagt uns 4,7 Kilometer zu Fuß durch die Stadt. Wir haben noch keine Währung von Uruguay, sodass wir uns diesem Gang ergeben müssen. Das Baby lacht und der Große hat starken Redebedarf. Er klärt uns über Gott und die Welt auf, während wir mit Schweißperlen auf der Stirn das Gepäck die Hauptstraße entlang schleppen. Kurz vorm Ziel verlässt uns der Akku des Navigationssystems. Aus einer der Taschen kramen wir schließlich die Powerbank. Weiter geht’s!

Nachdem wir unser Ziel erreichen müssen wir nur noch zwei Hürden überwinden: die Sprachbarrieren mit einer Portugiesin und die Treppen in unser Zimmer. Auch wenn wir am Liebsten in das Bett fallen würden, müssen wir uns doch noch Geld und ein Abendessen besorgen. Alles passiert kurz und schmerzlos. Wir sind uns einig – das Bett ruft!

Tag 1 Sonne – Strand – Sport oder Süßigkeiten

Kleckerburgenbau in Montevideo
Kleckerburgenbau in Montevideo

Wir haben es verschlafen. Halb zehn brabbelt das Baby, weil es Hunger hat. Erst zum Mittag gehen wir, wie unserem Sohn lange schon versprochen, zum Strand. Babys erster Badespaß im Freien. Mein Mann baut mit dem Großen eine Kleckerburg mit Staubecken, während der Kleine und ich ein bißchen Schlafen. Er im Schatten und ich in der Sonne. Heute soll nichts passieren … außer Sonnenbrand! Ich habe mir sogar die Füße verbrannt. Mein Mann und ich sehen aus wie zwei Krebse. Die Kinder haben UV-Schutzbadesachen an und sind offensichtlich besser eingecremt als wir.

Völlig verbrannte Füße
Völlig verbrannte Füße

Seit Buenos Aires hetzen wir dem „Waddel“ hinterher. Diesen Pinguin soll es eigentlich zum Kids-Menü beim bekanntesten Fastfood-Anbieter geben, dessen Essen wir eher verschmähen. Doch bisher blieb die Suche erfolglos. Hier am Strand in Montevideo entdeckt unser Sohn wieder das große Firmenlogo und ich muss unbedingt fragen gehen, ob es den hier gibt. Die Situation bleibt unverändert. Aber wir konnten uns dadurch vom Strand losreißen.

Sport frei! Überall in der Stadt findet man die frei verfügbaren Sportgeräte.
Sport frei! Überall in der Stadt findet man die frei verfügbaren Sportgeräte.

Wir gehen weiter der Promenade entlang und stellen fest wie sportlich die Einwohner hier sind. Fitnessgeräte für Jeden im Freien. Mit großer Begeisterung stürzen der Große und ich uns auf die Geräte. Er beschließt anschließend „auch so fit zu werden“ und fragt uns auf welche Süßigkeiten er verzichten müsse. Die Sache mit der Fitness wird schnell relativiert.

Tag 2 Montevideo Hop-on-Hop-off

Wir hatten in einem Bewertungsportal gelesen, dass es in Montevideo völlig reicht, den Hop-on-Hop-off-Bus zu nehmen um alles zu sehen. Weil dieser Bus zu unserem Ritual in Großstädten gehört, nehmen wir den auch. Kinder bezahlen nichts. Unser erster Eindruck bestätigt diese Aussage. Als wir schließlich am Hafen aussteigen um dort den alten Bahnhof anzusehen von dem mein Schwager schwärmte, verpassen wir im Anschluss den letzten Bus.

Wieder heißt es ca. drei Kilometer laufen. Doch das Baby wird schwer in der Trage und bohrt seine Fingerchen in meinen Sonnenbrand. Der Große will wieder an den Strand und mein Mann schleppt schnaufend den Rucksack und den Fotoapparat. Kurzer Hand überzeuge ich alle vom Bus, der uns zum Strand bringen soll. Wir fragen uns durch und kommen nicht am Strand an. Dank dem Navigationssystem im Handy laufen wir durch einen schattigen Park bis zum Strand. Nachdem unser Sohn ausreichend gebadet und gebuddelt hat, gehen wir zur Unterkunft, entlang dem Lehrpfad der „Entstehung der Erde“. Unzählig viele W-Fragen prasseln auf uns ein. So vergeht ein Kilometer, zumindest für unseren Sohn sehr schnell.

Tag 3 Faulenzen

Der Große sammelt den Müll am Strand um mit gutem Beispiel voranzugehen.

Nichts, wirklich nichts wollen wir heute machen. Na gut, Wäsche waschen. Aber ansonsten nur schlafen, malen, spielen und Schatten genießen. Am Abend wollen wir dann nochmal raus. Beschluss: Picknick am Strand.

Offensichtlich findet ein Mondereignis statt, von dem wir nicht im Bilde sind. Viele Menschen versammeln sich auf der Promenade und bewundern den Vollmond, der zwischen den Gebäuden steht. Unsere Kameratasche haben wir wie immer mit. Gerne möchte ich diese Bild vom Mond festhalten. Der Akku ist völlig leer, weil die Kamera noch angeschaltet ist. Mit dem Handy brauche ich gar kein zweites Mal versuchen diesen Eindruck festzuhalten – C´est la vie!, denke ich.

Buntes Treiben am Abend als Vorbereitung auf den bevorstehenden Carneval 2018.
Buntes Treiben am Abend als Vorbereitung auf den bevorstehenden Carneval 2018.

Ich vermag gar nicht zu sagen, was ich darüber denke, als wir schließlich dazu kommen wie der Karnevalsumzug beginnt. Durch Zufall sehen wir in einer kleinen Straße die Ansammlung von Weitem und beschließen uns das Treiben näher anzusehen. Als es zur Sache geht und mein Handy dann auch noch meldet „Speicher voll“, könnte ich verzweifeln. Das Tablet rettet schließlich die Situation, nachdem wir alles mögliche vom Handy gelöscht haben und dieses ausgeht, weil inzwischen auch dessen Akku leer ist. Wir ziehen ein paar Blocks mit dem Umzug mit und treten dann den Heimweg an.

Das war noch ein Erlebnis was uns ein “bissel Laune gemacht” hat. Wir sind schon etwas enttäuscht von den nicht erfüllten Erwartungshaltungen an Montevideo. Buenos Aires hatten wir hinter uns gelassen. Wir freuten uns auf eine gemütliche Stadt mit Strand. Wollten zwei Wochen ausruhen und auch das ein und andere sehen. Eine romantische Stadt haben wir erwartet, wo ebenfalls die Kinder an der Macht sind und es eine Menge zu sehen gibt. Wir ahnen jedoch langsam, warum es keinen eigenen Reiseführer von Lonely Planet für dieses Land gibt, sondern dass es nur ein Kapitel im Argentinien-Reiseführer erhalten hat. Wir nehmen unheimlich viele Baustellen wahr und weniger aufgeschlossene Menschen als in Buenos Aires. Die Sonne droht uns tagsüber zu verbrennen, deswegen suchen wir den Strand nur Abends auf.

 

 

Zweite Runde Buenos Aires

Wir haben reichlich Zeit bis unser Bus zurück nach Buenos Aires fährt. Und diesmal wissen wir auch ganz sicher die Zeiten.

In Ruhe genießen wir unser letztes Frühstück hier auf der Estancia, bevor es heißt „Taschen packen“. Wir sind mit dem ältesten Gaucho verabredet. Mit seinem Renauld Clio steht er pünktlich startbereit da um uns mit den zwei großen und zwei kleinen Rucksäcken, dem Kinderwagen, der Babyschale, einer Wickeltasche und der Fototasche zum Bus zu bringen. Mein Mann wird leicht nervös beim Anblick der Fahrzeuggröße. Ich beruhige ihn damit, dass ich mir sicher bin, dass alles mitkommt. Ich behalte Recht. Die Rückfahrt verläuft stressfrei und unser Ziel in Buenos Aires kennen wir (45 Minuten zu Fuß mit Gepäck sind schon Routine). Wir sind durch unsere Kinder schon bekannt und werden herzlich in der Jugendherberge zurück empfangen. Der Tag ist angerissen und unseren Großen brauchen wir nicht mehr versuchen davon zu überzeugen durch die Stadt zu laufen. Nur noch schnell in den Mercado um etwas für´s Abendessen aufzutreiben.

Tag 1 Problemlösungen und Gesundheitscheck

Heute muss ich zunächst in das Deutsche Krankenhaus, nichts Besorgniserregendes wie sich schließlich bestätigt. Ich nehme Medikamente, die lediglich an die Essgewohnheiten angepasst werden müssen.

Poliklinik – Deutsches Hospital

Vor der Reise hatte ich mir bereits Listen deutsch- und englischsprachiger Ärzte aller betreffenden Länder rausgesucht, bzw. beim Konsulat erfragt. Janine, mit der wir unsere Telefonnummern beim Abschied auf der Estancia ausgetauscht hatten, half mir hier sehr bei der Organisation.
– Danke, liebe Janine! –

Alles klappt einwandfrei. Während der Untersuchung machen mein Mann und mein Sohn das Vorschulprogramm, was wir extra vor der Reise auf das Tablet geladen haben.

Cementerio de la Recoleta
Kolibri im Botanischen Garten
Kolibri im Botanischen Garten

Danach wollen wir auf dem Weg zu unserer Verabredung noch ein paar Sehenswürdigkeiten von Buenos Aires entdecken. Wir staunen als wir den Cementerio de la Recoleta betreten, auf dem Eva Perón beigesetzt wurde. Auf dem Friedhof, in mitten des Wohn- und Geschäftsviertels Recoleta, steht ein Mausoleum am Anderen von wohlhabenden Familie und prominenten Persönlichkeiten. Das Grab von Evita suchen auch wir auf. Gleich neben dem Friedhof befindet sich die Iglesia Ntra. Sra. Del Pilar, das Centro Cultural de Recoleta und das Hard Rock Café Buenos Aires. Das T-Shirt, dem wir für unseren kleinen Sohn hinterher jagen, bekommen wir auch hier nicht (am Flughafen EZE waren wir gleich nach unsere Ankunft erfolglos geblieben). Über den Plaza Franzia laufen wir zur U-Bahn, die uns zum Jardin Botánico Carlos Thays bringen soll, wo wir wieder mit Alicia und ihrer Tochter verabredet sind.

Im Park wundern wir uns über einen Mann, der ewig vor einem Strauch mit seiner Kamera steht und diesen anstarrt. Als wir näher kommen, können wir diese hübschen kleinen Vögel erkennen – Kolibris. Ich stelle mich mit meiner Kamera, mit meinem wesentlich kleineren Objektiv daneben und warte auch auf Das Bild. Wir schließen unsere Besichtigungstour mit einem Besuch auf dem Spielplatz ab. Zum Abschied fließen Tränen, weil noch nicht genug gespielt wurde.

Tag 2 Rosengarten mit Freunden

Bis zum Nachmittag nutzen wir die Zeit für die Organisation unserer Reise nach und in Uruguay und packen unsere Taschen um, während der Große malt, spielt und Trickfilme auf Spanisch ansieht. Wir skypen lieber gleich heute mit den (Groß)eltern, ehe es morgen wieder aufregend wegen der Zeit wird. Als alles erledigt ist und die Sonne weniger intensiv ist nehmen wir die U-Bahn nach Palermo. Das U-Bahnsystem hat mein Mann schon intus. Umsteigen läuft ohne Zweifel oder Fragen. In dem Stadtviertel treffen wir uns ein letztes Mal mit Alicia und ihrer Tochter im El Rosedal de Palermo. Gemeinsam schlendern wir durch und um den Park und schnuppern an unzählig verschiedenen Rosen.

El Rosedal de Palermo

Als Andenken an unsere gemeinsame Zeit schenken uns die Beiden zum Abschied Glücksbringer. Im Santa Crepa schließen wir unseren Aufenthalt in Buenos Aires ab. Sehr lecker, der Name ist Programm: Crepes mit allen möglichen Füllungen von süß bis herzhaft.

Empanada con Carne

Zutaten für die Fleischfüllung:

  • Hackfleisch
  • roter Paprika
  • grüner Paprika
  • Gemüsezwiebel
  • Möhre
  • Schalotte

Zubereitung:

Paprika und Gemüsezwiebel gut zerkleinern. Gibt dies in einen Topf mit Öl neben der geriebene Mohrrübe, vermische alles gut, Gemüsebrühe hinzuzufügen. Füge das Hackfleisch hinzu. Im Feuer (auf dem Herd) lassen, bis das Fleisch gekocht ist, die Gehackte Schalotte hinzuzufügen, feines Salz und mit Gewürzen nach Belieben abschmecken (Oregano, Chimichurri, Peperoni), hart gekochtes Ei und alles gut vermischen.

San Antonio de Areco und die Suche nach den Gauchos

Es ist Sonntag Morgen und es kommt leicht Hektik auf, denn die Taschen gehen nicht mehr zu. Wir müssen zum Bus, der uns nach San Antonio de Areco zu den Gauchos bringen soll. Der Laptop schalt; Die (Groß)eltern wollen mit uns skypen. Dazu ist aber erst einmal eine Fernwartung nötig, denn wir hören sie nicht. Die Zeit läuft. Das Gespräch wird kurz und bündig, wir verabreden uns für nächstes Wochenende im Skype.

Mit zwei großen und zwei kleinen Rucksäcken, Kinderwagen mit Babyschale, Wickeltasche und einer Fototasche ziehen wir zu Fuß durch Buenos Aires zum Busbahnhof.

Vollbeladen durch Stadt zum Busbahnhof
Vollbeladen durch Stadt zum Busbahnhof

Wir brauchen ungefähr eine Stunde. Schließlich stellen wir fest, dass der Fahrplan im Internet offensichtlich nicht auf dem Laufenden ist. Statt 13:10 Uhr fährt der Bus erst 17:30 Uhr. Also heißt es 4,5 Stunden warten.

Gerne hätten wir unser Gepäck eingeschlossen um noch ein bisschen am Fluss lang zu spazieren bis zum Antikmarkt, der wohl jedes Wochenende bei dem Parque Natural y Reserva Ecológica Costanera Sur ist. Doch es gibt keinen Locker (Spind) mehr, der unsere Gepäckgröße und -menge fassen kann. Wir kapitulieren friedlich und beschließen uns im Wartebereich niederzulassen. Mit Malen, Essen und Trinken, Tickets kaufen und Rucksäcke in Schutztaschen zu verstauen geht die Zeit doch relativ schnell um.

Als wir San Antonio de Areco gegen 20:30 Uhr erreichen regnet es. Unser Regenschutz für Kinderwagen und Co., wie soll es anders sein, befindet sich tief im Gepäck. Unsere Jacken müssen nun das Kind und das Baby vor der Nässe schützen (Test bestanden). Voll beladen kämpfen wir uns über die nasse Straße entlang des für Kinderwagen nicht geeigneten Fußweges. Die Herberge, die wir für uns im Vorab ausgewählt hatten bietet keine Unterkunft mehr: „No hay habitaciones!“.

Wir bekommen den freundlichen Rat zur Polizei zu gehen, da diese Stadt um diese Jahreszeit eher nicht auf Tourismus eingestellt ist. Doch wir haben ja noch eine Alternative im Internet gesehen, die wir vor der Notvariante ansteuern wollen. Und tatsächlich! Kaum betreten wir die Einfahrt des Grundstücks, reist schon der Hausherr die Doppeltür auf, damit wir eintreten können. Zwei Blocks weiter genießen wir eine Abwechslung zum Abendessen; Gemüse aus dem Wok und geräucherter Lachs. Unser Sohn möchte einfach nur Spaghetti mit Tomatensoße und Käse. Spät und müde fallen wir in unsere Betten.

Tag 1 Keine Gauchos in San Antonio de Areco?

Nach dem Frühstück fragen wir unsere Gastgeberin nach den Gauchos. „No hay Gauchos!“ Oh nein, es gibt keine Gauchos! Warum sind wir dann hierher gefahren?! Sollen die plötzlich weg sein! Ich hatte doch darüber gelesen und vor allem meinem Sohn erzählt. Wie soll ich ihm das bloß erklären? „Nein“, denke ich „so schnell werfe ich das Handtuch nicht!“ Auf zur Information der Stadt! Dort erfahren wir, dass es in dieser Stadt einen Park, ein Stadt- und ein Gauchomuseum gibt. Gauchos kommen nur im November zum Festival hierher. Es gibt allerdings Estancias, die zwischen 15 und 16 Kilometer entfernt sind, wo man eventuell Gauchos treffen kann. Man sollte allerdings vorher anrufen, ob es möglich ist.

Am Markt von San Antonio de Areco
Am Markt von San Antonio de Areco

Ein Bus fährt da allerdings nicht hin. Ein Auto mieten kann man in dieser Stadt auch nicht. Jetzt sind wir extra wegen der Gauchos nach San Antonio de Areco gekommen und sollen keine sehen können. „Kommt gar nicht in Frage!“ beschwert sich unser Sohn. In einer Bar, in der wir uns ratlos niederlassen, erzählen wir unseren Kummer dem Kellner. Der macht uns Mut und erzählt uns wie wir dahin kommen können. Die einzige Möglichkeit bleibt schließlich die Remise (Konkurrenz zum Taxi).

Vor der Information, am Vormittag, trafen wir Martin, einen Landsmann, der seit 8 Jahren nach Südamerika kommt um hier mit einem umgebauten LKW Land und Leute zu entdecken. Wir verbringen den Nachmittag mit ihm und lauschen gespannt seinen Tipps für unsere weitere Reise während unser Großer vergnügt mit dessen Ball spielt.

Am Abend schlendern wir noch ein bisschen durch den Ort, am Park und dem Gauchomuseum vorbei, kaufen im Mercado noch ein paar Dinge für das Abendessen ein und kehren schließlich zurück zur Unterkunft.

Unser Großer beginnt damit sich furchtbar zu kratzen (das hatte er schon einmal auf dem Flughafen Frankfurt getan). Wir haben keine Not, denn unsere Reiseapotheke ist bestens bestückt. Doch in der Nacht erwachen wir, weil er unbedingt duschen möchte, da es juckt. Wir erschrecken uns sehr, weil er überall geschwollene Flecken hat. Das nächste Krankenhaus, so meinen wir, ist zwei Stunden entfernt. Etwas Panik kehrt ein. Verzweifelt und mit großer Hoffnung fotografiere ich meinen Sohn und sende diese Bilder an unsere Kinderärztin.

Tag 2 Einzug bei den Gauchos

Wir sind glücklich als wir am frühen Morgen ihre E-Mail lesen.              – Vielen Dank an unsere Kinderärztin, dass sie für uns auch in der Ferne da ist! – Durch ihren Rat ist am Nachmittag schon fast alles wieder vergessen.

Gaucho bei der Arbeit
Gaucho bei der Arbeit

Es ist beschlossen: Jetzt suchen wir erst recht die Gauchos. Wir laufen zur Remisestation und erfragen den Preis. Der Fahrer ist aber so lieb und ruft zuvor bei einer der Estancias, der Estancia la Portena de Areco an, ob wir überhaupt kommen können. Alles kein Problem, sie erwarten uns zum Mittagessen. Juhu! Während der Fahrt wird uns klar, warum hier kein Bus hin fährt. Die ca. zwei Kilometer lange Zufahrt ist ein Feldweg.

Wir werden bereits erwartet. Es gibt eingelegtes Gemüse, Empanadas (Fleisch- und Veggivariante), Kartoffel- und Gemüsesalat, gegrilltes Gemüse und gegrilltes Fleisch (Huhn und „Lomo“). Nach dem Essen erzählt uns die Hausherrin über die Geschichte der Estancia und deren Bewohner. Als Highlight dürfen wir auch noch mit einem Gaucho gemeinsam ausreiten.

Ausritt mit dem Gaucho
Ausritt mit dem Gaucho

Nach unserer Rückkehr gibt’s selbst gebackene Kuchen und Kekse mit Tee. Die Hausherrin fragt uns, ob wir bleiben möchten. Wir erklären ihr, dass wir unsere Sachen in einer anderen Unterkunft haben und die Gastgeberin sehr wahrscheinlich beleidigt sein wird. Doch per Telefon ist alles schnell geklärt.

Mein Mann fährt mit der bestellten Remise zurück in die Stadt um das Gepäck zu holen und wird anschließend vom ältesten Gaucho von San Antonio de Areco dort abgeholt, während ich ausgelassen mit unseren beiden Söhnen im Pool bade. Dann zeigt uns eine Angestellte der Farm unser Zimmer. Wir sind überwältigt! Als abschließende Krönung des Tages gibt es ein Dreigang-Menü zum Abendessen; Süßkartoffelsuppe, Pasta und Budin dazu einen Wein aus Mendoza. Zufrieden fallen wir ins Bett.

Tag 3 Entspannen bei den Gauchos

Den Gauchotest hat unser Sohn erfolgreich bestanden.
Den Gauchotest hat unser Sohn erfolgreich bestanden.

Heute wollen wir einfach entspannen und genießen. Dementsprechend lassen wir es ruhig angehen. Da sogar unsere Wäsche gewaschen wird, brauchen wir wirklich nichts machen. Zum Mittag kommen weitere Gäste. Witzig! Denn hier, ab vom Schuss, treffen wir wieder Deutsche. Janine und ihr Mann sind allerdings schon seit 6 Jahren in Buenos Aires sesshaft und besuchen mit ihren Freunden aus der alten Heimat hier die neuen Freunde. Auch sie haben viele Tipps für uns was geht und was wir uns mit Kindern verkneifen können.

Der Große und ich drehen noch eine Runde mit dem Gaucho zu Pferd. Und dann kommt der Test, ob auch er zum Gaucho taugt; Lasso schwingen. Das aus Kuhhaut geflochtene Lasso ist gar nicht so flexibel, wie ich dachte. Doch der erfahrene Gaucho hilft unserem Sohn. Test bestanden! Ganz stolz kehren wir zurück zum Papa und dem Baby. Wir lassen den Tag ruhig ausklingen und wollen eigentlich gar nicht an morgen denken, weil wir uns hier so wohlfühlen.

Der älteste Gaucho (Stand 01/2018) unterhält uns mit seiner Musik.
Der älteste Gaucho (Stand 01/2018) unterhält uns mit seiner Musik. KLICK HIER UM ANZUSEHEN

Tarta con calabaza y queso

Zutaten

2 Portionen

2 Kuchenteigkappen
1 mittlerer Kürbis
1/2 mittelgroße Zwiebel
3 EL geriebener Käse
2 Eier
125 ml Milchcreme
Frischkäse in Stücken
Salz und Pfeffer
Schritte - 50 Minuten
Den Kürbis schälen, in Salzwasser kochen. Gut abtropfen lassen und pürieren. Fügen Sie die gekochte Zwiebel, die Eier, die Sahne und den geriebenen Käse hinzu.

Nach Belieben abschmecken und die Frischkäsestücke darauf legen.

Eine Teigscheibe in eine Pfanne legen, die Kürbiszubereitung gießen und mit der anderen Scheibe abdecken. Backen bis es gebräunt ist.

Buenos Aires

Ankunft und Gepäckausgabe in Buenos Aires reibungslos. Nur unser Freund hat uns vergessen. Es ist 8:25 Uhr Ortszeit (12:25 Uhr zu Hause). Nachdem wir drei Stunden auf Toni gewartet haben, beschließen wir den Bus ins Zentrum zu nehmen um dort in die Jugendherberge zu gehen (wir hatten uns bereits zu Hause Mitgliedsausweise besorgt). Die Müdigkeit erlaubt uns noch etwas zu essen und schließlich fallen wir ins Bett bis zum nächsten Morgen.

Tag 1 Suche nach dem Spielplatz

Parque Mujeres Argentinas

Wir wollen erstmal ankommen und es ruhig angehen lassen. Also suchen wir einen Spielplatz. Das scheint zunächst nicht möglich. Ich habe schon eine Blase am Fuß und der Große nutzt den Hügel im Park mit dem weichen Gras um sich runter rollern zu lassen. Doch dann … kurz bevor wir aufgeben wollen, sehen wir den großen Spielplatz, der sich zum Abend hin mehr und mehr füllt. Also Spielen bis der Magen knurrt. Wir haben Glück. Durch unser spontanes Einchecken in die Jugendherberge ist Frühstück und Abendessen inklusive und wir brauchen uns nur an den Tisch setzen. Mein Vegetarierherz wird auch nicht enttäuscht.

Tag 2 Radikale Veränderung

Radikale Veränderung der Haarfrisur
Radikale Veränderung der Haarfrisur

Nachdem wir unsere Taschen neu organisiert haben, wollen wir als erstes die Tourist-Information aufsuchen. Durch unsere Spielplatzsuche hatten wir diese bereits entdeckt. Mein Spanisch ist noch nicht richtig in Gang gekommen, doch wir haben Glück, es gibt auch ein Mädel, was Englisch spricht. Mit vielen Tipps, vor allem für unsere Geldbörse, gehen wir da raus. Eines unserer Rituale wollen wir aber beibehalten; Stadtrundfahrt mit dem Hop-on-Hop-off-Bus. So können wir uns eine Übersicht verschaffen wo es sich lohnt hinzugehen. Doch heute hatte der Busfahrer keine Lust mehr und lies uns und andere mit dieser Mitteilung stehen. Halb so wild. Es ist warm und wir haben nun noch Zeit. Zeit für eine neue Frisur. Das letzte mal war ich vor zwölf Jahren beim Friseur – in einem Land dessen Sprachen ich nicht beherrschte. Heute will ich´s nochmal wagen. Kürzer, kürzer und noch kürzer schneitet er, weil er die Locken nicht bändigen kann. Zugegeben, ich erschrecke ganz schön, da ich es mir so kurz nicht vorgestellt habe. Aber ich beruhige mich mit dem Gedanken, dass ich ja eine Weile Zeit habe bis zur Heimkehr. In der Jugendherberge wird meine neue Frisur auch sofort bewundert.

Tag 3 Hop-on-Hop-off durch die Stadt

Tag der Stadtrundfahrt.

Jardin Japonés 

Auf dem Oberdeck entdecken wir nicht nur die kulturellen und historischen Highlights von Buenos Aires sondern auch die unzählig vielen Spielplätze. Die vierstündige Hop-on-Hop-off-Tour haben wir natürlich auch dort unterbrochen.  Picknick im Park mit Sandwich und “Tarta con calabaza y queso“.

Tag 4 Organisatorisches

“Warum hast du hier AIS hingeschrieben?” Antwort: “Weil es Papas Pferd ist.”

Tag der Reiseorganisation und des Ausruhens. Wir organisieren die nächsten Tage und hängen rum, malen ins Reisetagebuch des Großen, bringen unsere Sachen zum Waschen und beschließen diesen Tag für meinen Mann mit einem Argentinischen Steak abzuschließen.

Tag 5 Ausflug nach Tigre

TIGRE. Wir verschmähen die unzähligen Angebote der geführten Touren nach Tigre und nehmen den Zug und das Boot vor Ort (Preis für alle vier ist etwas weniger als Preis pro Person geführte Tour). Bei der geführten Tour wäre uns auch das Spektakel im Zug entgangen. Allerdings lassen wir uns in Tigre gleich am Bahnhof verleiten eine Bootstour zu kaufen. 500 Meter weiter findet man günstigere Angebote von privaten Anbietern, die eher auf das Geld angewiesen sind. Nun, wenn einer eine Reise tut wird er auch daraus lernen. Leider schließt der Puerto de Frutos gerade als wir dort ankommen. Kinder sind in Buenos Aires und in der Provinz Buenos Aires offensichtlich die Helden. Auf dem Puerto de Frutos gibt es viele Karusselle und Bespaßung für Kinder. Deswegen setzen wir die Option wieder zu kommen.

Tag 6 Kindertempo

Parque Centenario

Der Vormittag dient wieder dem Malen, Organisieren und der Unterhaltung durch argentinische  Trickfilme. Draußen sind es 35°C. Am Nachmittag fahren wir mit der U-Bahn ins Kinderparadies; das Museo de los Niños hat die Erwachsenenwelt schrumpfen lassen. Hier können die Kinder z.B. in einem Supermercado einkaufen, sich in echte Autos setzen oder in einer Molkerei arbeiten. Unser Sohn ist so aufgeregt, dass er zunächst von einer Spielwelt zur nächsten rennt, ich kann ihm kaum folgen. Am Kran bleibt er schließlich hängen. Am Abend sind wir mit Alicia und ihrer Tochter im Parque Centenario verabredet. Als wir ankommen wird gerade wird den Karnevalszug geübt – lautes Pauken und tanzende Massen. Wir schlängeln uns zu einem der vielen Spielplätze die es hier gibt durch. Schüchtern begrüßen wir uns alle. Schnell steht fest, wir werden uns wieder sehen. Unser Großer hat sich  wieder schnell in die Kinderscharr integriert und tobt mit den anderen herum. Eine neue Vokabel hat er gelernt: “Parar!” – “Aufhören!” 20:45 Uhr müssen wir uns schließlich von einander losreißen, damit wir die letzte Bahn nicht verpassen.

Abschied

Am 13. Januar ist es soweit. Die Kinder hatten bei ihren Großeltern übernachtet, damit wir in Ruhe unsere Taschen packen können (Packliste). Zum Frühstück treffen wir uns dort alle noch einmal. Unser Zwergkaninchen bleibt derweilen bei meinen Eltern – Danke, liebe Eltern! – Obwohl ich es in besten Händen weiß, fällt der Abschied mir schwer, da es ja auch irgendwie ein Familienmitglied ist.

Schließlich ist Aufbruchstimmung und alles geht sehr schnell. Meine Eltern und meine Schwester begleiten uns zum Bahnhof. Unser Großer freut sich riesig darauf mit dem ICE zu fahren. In ca. 4,5 Stunden bringt uns der Zug zum Flughafen Frankfurt. Am Flughafen verläuft alles fast reibungslos, schließlich hatten wir den Online-Check-In am Vorabend genutzt. Nur sollten wir während des Langstreckenfluges nicht nebeneinander sitzen und auch kein Businette haben. Doch auch der Flug verlief prima und während der Landung lobten die Passagiere um uns herum unsere Jungs, wie ruhig und geduldig sie auf dem langen Flug waren. 

Kindeswohl?!

Schnell entschieden, lange Zeit zum Planen und doch kurzfristiges Buchen der Flüge.

Als die Entscheidung fällt, zu viert in die Ferne zu reisen, bin ich noch schwanger. Also ist alles noch offen, denn das Kindeswohl geht vor. Im Kopf spielen wir alles durch. Skeptiker und Befürworter unseres Vorhabens halten sich die Waage. Natürlich lassen uns die Argumente der Skeptiker nicht unberührt. Wir konsultieren unsere Hausärztin und auch die Kinderärztin, das Tropeninstitut und auch das Gesundheitsamt. Nichts spricht wirklich dagegen, wenn die Kinder gesund und geimpft sind und die Reiseroute unter Beachtung von Reisehinweisen sowie -warnungen des Auswärtigen Amtes gewählt ist. Die Flüge können wir ohnehin erst buchen, wenn das Baby geboren wurde.

Im Oktober ist unser zweites Kind dann endlich da. Die Aufregung steigt mit einem Mal. Jetzt wird es ernst! Der Impfplan tritt in Kraft. Im Dezember ist es soweit; Das O.K. der Kinderärztin. Das Round-the-World-Ticket machen wir uns zu unserem Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr. 

Fernweh – Mit Kindern durch die Welt

Seit 15 Jahren sind wir ein Paar, seit fast 12 Jahren ein Ehepaar. Wir sind ohne Kinder bereits viel gereist; privat und auch dienstlich. Als vor 5 Jahren unser erster Sohn zur Welt kam, wollten wir dem keinen Abbruch tun. Mit unserem 10 Monate alten Baby hatten wir uns auf nach Australien gemacht um dort fast 2 Monate den Südosten und das Outback zu entdecken. Das war eine so intensive und tolle Zeit, die uns sehr geprägt hat. In Sibirien haben wir schließlich wenig später mit unserem Sohn die Hochzeit unseres Freundes gefeiert. Auch unsere Reise nach und in Montenegro bestätigte uns die Lust am Reisen mit Kind. Nun, da unser zweiter Sohn geboren wurde und unser erster Sohn 2018 Schuleinführung hat, hatten wir schnell beschlossen die Elternzeit mit einer Sabbat-Zeit zu kombinieren und ein halbes Jahr die Welt zu entdecken.

Fernweh - Mit Kindern durch die Welt
Fernweh – Mit Kindern durch die Welt