Montevideo und unsere Erwartungen

Nun heißt es wirklich Abschied nehmen vom Team der Jugendherberge. Monserat ist ganz begeistert von unseren Kindern und bekommt sogar von unserem Großen ein Abschiedsküsschen auf ihre Bitte („[…] aber nur, wenn keiner lacht!“). Mit unseren Taschen schieben wir uns wieder durch die Fußgängerzone, diesmal zur Fähre. Die Tickets haben wir gestern online gebucht und müssen nur noch einchecken und durch die Zollkontrolle. Die Überfahrt nach Colonia vergeht sehr schnell. Der Bus, der uns nach Montevideo bringt, steht schon da. Nach zwei Stunden sind wir endlich da, zumindest in Montevideo. Dank der Technik ist keinem im WIFI-fähigen Bus langweilig geworden. Das Baby hat alles verschlafen.

Doch nun noch zur Unterkunft! Das Navigationssystem sagt uns 4,7 Kilometer zu Fuß durch die Stadt. Wir haben noch keine Währung von Uruguay, sodass wir uns diesem Gang ergeben müssen. Das Baby lacht und der Große hat starken Redebedarf. Er klärt uns über Gott und die Welt auf, während wir mit Schweißperlen auf der Stirn das Gepäck die Hauptstraße entlang schleppen. Kurz vorm Ziel verlässt uns der Akku des Navigationssystems. Aus einer der Taschen kramen wir schließlich die Powerbank. Weiter geht’s!

Nachdem wir unser Ziel erreichen müssen wir nur noch zwei Hürden überwinden: die Sprachbarrieren mit einer Portugiesin und die Treppen in unser Zimmer. Auch wenn wir am Liebsten in das Bett fallen würden, müssen wir uns doch noch Geld und ein Abendessen besorgen. Alles passiert kurz und schmerzlos. Wir sind uns einig – das Bett ruft!

Tag 1 Sonne – Strand – Sport oder Süßigkeiten

Kleckerburgenbau in Montevideo
Kleckerburgenbau in Montevideo

Wir haben es verschlafen. Halb zehn brabbelt das Baby, weil es Hunger hat. Erst zum Mittag gehen wir, wie unserem Sohn lange schon versprochen, zum Strand. Babys erster Badespaß im Freien. Mein Mann baut mit dem Großen eine Kleckerburg mit Staubecken, während der Kleine und ich ein bißchen Schlafen. Er im Schatten und ich in der Sonne. Heute soll nichts passieren … außer Sonnenbrand! Ich habe mir sogar die Füße verbrannt. Mein Mann und ich sehen aus wie zwei Krebse. Die Kinder haben UV-Schutzbadesachen an und sind offensichtlich besser eingecremt als wir.

Völlig verbrannte Füße
Völlig verbrannte Füße

Seit Buenos Aires hetzen wir dem „Waddel“ hinterher. Diesen Pinguin soll es eigentlich zum Kids-Menü beim bekanntesten Fastfood-Anbieter geben, dessen Essen wir eher verschmähen. Doch bisher blieb die Suche erfolglos. Hier am Strand in Montevideo entdeckt unser Sohn wieder das große Firmenlogo und ich muss unbedingt fragen gehen, ob es den hier gibt. Die Situation bleibt unverändert. Aber wir konnten uns dadurch vom Strand losreißen.

Sport frei! Überall in der Stadt findet man die frei verfügbaren Sportgeräte.
Sport frei! Überall in der Stadt findet man die frei verfügbaren Sportgeräte.

Wir gehen weiter der Promenade entlang und stellen fest wie sportlich die Einwohner hier sind. Fitnessgeräte für Jeden im Freien. Mit großer Begeisterung stürzen der Große und ich uns auf die Geräte. Er beschließt anschließend „auch so fit zu werden“ und fragt uns auf welche Süßigkeiten er verzichten müsse. Die Sache mit der Fitness wird schnell relativiert.

Tag 2 Montevideo Hop-on-Hop-off

Wir hatten in einem Bewertungsportal gelesen, dass es in Montevideo völlig reicht, den Hop-on-Hop-off-Bus zu nehmen um alles zu sehen. Weil dieser Bus zu unserem Ritual in Großstädten gehört, nehmen wir den auch. Kinder bezahlen nichts. Unser erster Eindruck bestätigt diese Aussage. Als wir schließlich am Hafen aussteigen um dort den alten Bahnhof anzusehen von dem mein Schwager schwärmte, verpassen wir im Anschluss den letzten Bus.

Wieder heißt es ca. drei Kilometer laufen. Doch das Baby wird schwer in der Trage und bohrt seine Fingerchen in meinen Sonnenbrand. Der Große will wieder an den Strand und mein Mann schleppt schnaufend den Rucksack und den Fotoapparat. Kurzer Hand überzeuge ich alle vom Bus, der uns zum Strand bringen soll. Wir fragen uns durch und kommen nicht am Strand an. Dank dem Navigationssystem im Handy laufen wir durch einen schattigen Park bis zum Strand. Nachdem unser Sohn ausreichend gebadet und gebuddelt hat, gehen wir zur Unterkunft, entlang dem Lehrpfad der „Entstehung der Erde“. Unzählig viele W-Fragen prasseln auf uns ein. So vergeht ein Kilometer, zumindest für unseren Sohn sehr schnell.

Tag 3 Faulenzen

Der Große sammelt den Müll am Strand um mit gutem Beispiel voranzugehen.

Nichts, wirklich nichts wollen wir heute machen. Na gut, Wäsche waschen. Aber ansonsten nur schlafen, malen, spielen und Schatten genießen. Am Abend wollen wir dann nochmal raus. Beschluss: Picknick am Strand.

Offensichtlich findet ein Mondereignis statt, von dem wir nicht im Bilde sind. Viele Menschen versammeln sich auf der Promenade und bewundern den Vollmond, der zwischen den Gebäuden steht. Unsere Kameratasche haben wir wie immer mit. Gerne möchte ich diese Bild vom Mond festhalten. Der Akku ist völlig leer, weil die Kamera noch angeschaltet ist. Mit dem Handy brauche ich gar kein zweites Mal versuchen diesen Eindruck festzuhalten – C´est la vie!, denke ich.

Buntes Treiben am Abend als Vorbereitung auf den bevorstehenden Carneval 2018.
Buntes Treiben am Abend als Vorbereitung auf den bevorstehenden Carneval 2018.

Ich vermag gar nicht zu sagen, was ich darüber denke, als wir schließlich dazu kommen wie der Karnevalsumzug beginnt. Durch Zufall sehen wir in einer kleinen Straße die Ansammlung von Weitem und beschließen uns das Treiben näher anzusehen. Als es zur Sache geht und mein Handy dann auch noch meldet „Speicher voll“, könnte ich verzweifeln. Das Tablet rettet schließlich die Situation, nachdem wir alles mögliche vom Handy gelöscht haben und dieses ausgeht, weil inzwischen auch dessen Akku leer ist. Wir ziehen ein paar Blocks mit dem Umzug mit und treten dann den Heimweg an.

Das war noch ein Erlebnis was uns ein “bissel Laune gemacht” hat. Wir sind schon etwas enttäuscht von den nicht erfüllten Erwartungshaltungen an Montevideo. Buenos Aires hatten wir hinter uns gelassen. Wir freuten uns auf eine gemütliche Stadt mit Strand. Wollten zwei Wochen ausruhen und auch das ein und andere sehen. Eine romantische Stadt haben wir erwartet, wo ebenfalls die Kinder an der Macht sind und es eine Menge zu sehen gibt. Wir ahnen jedoch langsam, warum es keinen eigenen Reiseführer von Lonely Planet für dieses Land gibt, sondern dass es nur ein Kapitel im Argentinien-Reiseführer erhalten hat. Wir nehmen unheimlich viele Baustellen wahr und weniger aufgeschlossene Menschen als in Buenos Aires. Die Sonne droht uns tagsüber zu verbrennen, deswegen suchen wir den Strand nur Abends auf.

 

 

2 Gedanken zu „Montevideo und unsere Erwartungen“

  1. Hallo Wolf`s, schön alles zu lesen. ich erstatte auch regelmäßig denen, die kein Internet haben, Bericht. Die Glückwünsche zu Marthels Geburtstag hab ich überbracht. Die Feier selber war von der Beteiligung her nicht so prikelnd, ihr fehlt eben. Bis bald Marina

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