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Auf der Halbinsel Valdès auf Walsuche

Es sind ca. 1200 Kilometer bis zur Halbinsel Valdès. Die wollen wir in keinem Fall mit einem Ritt bezwingen. Deshalb beschließen wir einen Zwischenstopp in Perito Moreno. Das Hostel haben wir schon gebucht. Und da es dort auch noch ein UNESCO-Weltkulturerbe zu sehen gibt, wollen wir dort zwei Nächte Zwischenstopp einlegen.

ca. 9000 Jahre alte Handabdrücke
Cuevas las manos

Wir hatten schon vielversprechende Bilder der Cuevas de las manos gesehen. Als wir schließlich dort ankommen, stellen wir fest, dass die Geschichte um die Hände an den Felsen schon spannend ist, aber weniger spektakulär anzusehen als erwartet.

Die Fahrt zu unserem Endziel dieser Tour, durch Wüstenlandschaft, an Ölfeldern vorbei und über unbefestigte Straßen gestaltet sich auch nicht interessanter. Am Abend erreichen wir endlich Puerto Pirámides auf der Halbinsel Valdes. Es ist „Low season“, weshalb wir heute die Auswahl an Unterkünften haben. So bekommen wir den 14-Bett-Schlafsaal für uns ganz alleine.

Route 40 durch Argentinien
Route 40 durch Argentinien

Die Duschzeiten haben wir leider verpasst. Morgen zwischen 19:30 Uhr und 22:00 Uhr haben wir die nächste Möglichkeit. Also ist Katzenwäsche angesagt. Nachdem der Große ausgiebig in der Bar gemalt hat fallen wir in die Betten und …

Tag 1 Auf der Suche nach den Walen

… schlafen lange. Die (Groß-)eltern haben schon mehrmals versucht Kontakt aufzunehmen. Aber das Internet funktioniert auch hier nicht so recht. Es wird also wieder nur ein kurzes Intermezzo mit zu Hause. Bei den Nationalparkwächtern hatten wir gestern Abend, mit Eintritt auf die Insel, die Gezeiten erfahren. Bei Flut stehen unsere Chancen wohl besser Wale sehen zu können. Ist doch klar was da auf unserem Plan steht; 15:00 Uhr Punto Calessa und 17:00 Uhr Punto del Norte.

Seelöwenkolonie am Punto Norte auf der Halbinsel Valdès
Seelöwenkolonie am Punto Norte auf der Halbinsel Valdès

Wir treffen Pinguine, Seelöwen, einen Graufuchs, Guanacos, Gürteltiere und … Schafe, aber keine Orcas. Ich erfrage bei einem Parkwächter unsere Chancen, der mich sofort lachend als Touristin enttarnt – Nicht nur wegen meinem spanischen Spanisch sondern auch aufgrund meiner Frage. In diesem Februar konnte man zwar bereits fünf Tiere sichten, aber es ist eigentlich  nicht so die richtige Zeit. Wir trösten uns mit dem Highlight, dass ein Gürteltier unserem Sohn das Gras aus der Hand gefressen hat.

Gürteltier hautnah
Gürteltier hautnah

Unser Glück wollen wir morgen nicht noch einmal versuchen, da es ja doch immerhin 70 Kilometer Schotterpiste pro Strecke sind, auch wenn mein Mann den Renault Duster inzwischen sehr zu schätzen gelernt hat.

 

Tag 2 Faulenzen und Badespaß auf der Halbinsel Valdès

Kein Strom, kein Internet, kein Wasser … Da merkt man erstmal wie abhängig man ist. Da besinne ich mich doch glatt wieder der altmodischen Art und schreibe die restlichen 13 Postkarten. Eine Karte möchte unser Sohn selber schreiben. Ihm vergeht die Lust tatsächlich nicht daran, wie wir erst glaubten. Ich diktiere ihm Buchstabe für Buchstabe. Und schließlich ist schon wieder Mittagszeit. Uns ist nach Kraft tanken. Das handhaben wir auf unterschiedlichste Weise.

Baden im Atlantik in Puerto Piramydes
Baden im Atlantik in Puerto Pirámides

Während ich mit dem glucksenden Baby am Strand sitze, badet der Große vor mir im eiskalten Atlantik und mein Mann verbessert sein Werk an der Kamera im Hostel. In El Calafate hatte er dies schon beschlossen und sich im hiesigen Baumarkt Lötkolben und andere diverse Werkzeuge besorgt. Als er sein Werk vollendet hat, gesellt er sich schließlich auch zu uns. Inzwischen ist Ebbe und das Kind sorgt für Ordnung am Strand. Ich bin schon stolz, wie er mit gutem Beispiel vorangeht, auch wenn das im Anschluss für uns Intensivkörperreinigung bedeutet.

Tag 3 Puerto Madryn, die Stadt der Meeresbiologie

In Puerto Madryn wollen wir uns heute gern das Museo Provincial de Ciencias Naturales y Oceanográfico, das EcoCentro und das Observatorio Punta Flecha ansehen. Dort können wir etwas über das maritime Ökosystem und speziell alles über Wale erfahren. Doch die Öffnungszeiten stimmen mit unserem Reiseführer nicht (mehr) überein. Das eine hat nur bei Flut geöffnet, das andere hat seine Öffnungszeiten spontan für diesen Tag geändert und das EcoCentro öffnet erst, wenn wir dann in Richtung Westen fahren müssen. Also genehmigen wir uns im Chonas ein super leckeres Mittagessen. Ich muss so hungrig aussehen, dass meine Portion „Risotto Vegetaria“ gleich für drei reicht. Der Preis passt super ins Backpacker-Budget.

Im Anschluss gehen wir auf den Spielplatz auf der Strandpromenade um unser Kind im Voraus für die bevorstehende lange Fahrt zu entschädigen. Bevor es dann endgültig losgeht, stelle ich mich „noch schnell“ in der Schlange in der Post an um meine Karten noch auf den Weg zu bringen. Als ich schließlich dran bin, bilde ich mir ein die Zahlen auf Spanisch verlernt zu haben, denn die freundliche Angestellte scheint mir irgendwas von 1550 Pesos (rund 65 Euro) zu erzählen. Ich zeige ihr die beiden Karten, welche ich in Ushuaia frankiert bekam. Sie schüttelt eifrig den Kopf und wiederholt mir den Preis, rechnet mir vor wie sie darauf kommt und versichert mir, dass die anderen acht Postkarten mit den Briefmarken aus Ushuaia nicht ankommen werden.

Riesiger Dinosaurier vor Trelew
Riesiger Dinosaurier vor Trelew

Ich bin verärgert und beschließe, dass das die letzten Postkarten waren, die ich in Argentinien geschrieben habe. Mit Widerwillen schiebe ich ihr das frisch erworbene Bargeld über die Theke, weil sie natürlich nur Efectivo nimmt.

Im Nachbarort halten wir noch schnell für den riesigen Dinosaurier an, bevor es in die lange Nacht geht.

Auf in die Anden zu Gletschern und Berggeistern

Die Remise haben wir für 4:15 Uhr bestellt. Es sind nur fünf Minuten mit dem Auto bis zur Bushaltestelle. Um diese Uhrzeit aber zu nervenaufreibend mit dem müden Kind die Strecke steil bergab zu Fuß zu bezwingen.
Seit um vier stehen wir nun hier und warten mit unseren Taschen in der Kälte vor der Eingangstür der Herberge. Normalerweise stören uns zehn Minuten Verspätung lange noch nicht. Aber 4:27 Uhr werden wir sehr nervös, da wir die Zuverlässigkeit in Argentinien noch nicht so recht einschätzen können.

Erst gestern hatte ich die Diskussion mit einer Einheimischen über Uhrzeiten. Ich erklärte ihr, dass ein Deutscher eher 14:30 Uhr am Treffpunkt wäre, wenn man sich für 15:00 Uhr zum Segeln verabredet hat. Sie hingegen sagte mir lachend darauf, dass hier 15:00 Uhr die Angabe der Pufferzeit ist und es somit erst 16:00 Uhr los geht. Ehrlich gesagt, würde ich mich dennoch jedesmal vorher vergewissern.

Wir entscheiden uns loszulaufen. Das große Kind muss sich heulend seinem Schicksal ergeben. Mein Mann beginnt schnaufend beide Rucksäcke zu schleppen als uns schließlich doch unser Taxi entgegen kommt. Total verschlafen und völlig orientierungslos steht er neben seinem Auto und hält Maul-Affen-Pfeil, während wir unser Gepäck in sein Taxi schleudern. In einer Seelenruhe fährt er zum Busbahnhof. Der Bus steht schon da. Der Fahrer lässt schon die ersten Passagiere an Bord.

Trotz des kurzzeitig erhöhten Adrenalinspiegels schlafen wir schnell ein. Das Baby hat in seiner Babyschale ohnehin nichts von der Aufregung bemerkt und der Große hat seinen heiligen „Eli“ (Kuscheltier), der ihm schnell über den morgendlichen Kummer tröstet.
Nach ungefähr zehn Stunden Busfahrt über die Insel Feuerland, durch Chile und Südpatagonien, mit einem Zwischenstopp in Rio Grande erreichen wir mitten in der Nacht El Calafate.

Süßes Frühstück bei "Don Luis" in El Calafate
Süßes Frühstück bei “Don Luis”

Wieder rollen dicke Tränen wegen der Schlafstörung. Schnell gelangen wir auch zur nächsten Herberge. Und genauso schnell fallen wir in unsere Betten im Sechs-Bett-Zimmer. Wir stören niemanden, denn die anderen kommen auch gerade erst vom Festival zurück.

In El Calafate findet jedes Jahr um diese Zeit das National Lake Festival statt. Es treten eine Woche lang verschiedene Bands auf und in der Stadt sind die Touristen los.

Tag 1 El Calafate zu Fuß

Nachdem wir schön ausgeschlafen haben genehmigen wir uns ein Frühstück beim Bäcker an der Ecke Don Luis. Alles duftet und besticht die Augen, sodass wir uns schwer entscheiden können, was wir essen. Wir beschließen nach dem Essen: „Backen können Die auf jeden Fall!“ Als nächstes ist Spielen auf dem Spielplatz angesagt. Schnell findet unser Sohn wieder den Anschluss und spielt mit den anderen Kindern Piraten. Wir wollen aber auch noch etwas vom Ort sehen. Deshalb besuchen wir noch das Reserva Ecológica Municipal Laguna Nimez, ein Vogelschutzgebiet.

Reserva Ecológica Municipal Laguna Nimez
Reserva Ecológica Municipal Laguna Nimez

Doch die Flamingos treffen wir nicht mehr an, da sie bereits in den Norden Argentiniens geflogen sind. Dafür finden wir essbare Beeren, die wie Blaubeeren schmecken. Die grauen Wildgänse beeindrucken unser Kind nicht mehr, da er im Sommer täglich welche vor der Haustür sieht. Jedoch die Vorstellung, dass hier Sumpf ist, wirft sehr viele Fragen an uns auf. Auf dem Rückweg wollen wir uns das Festival mal genauer anschauen. Also lassen wir uns auf der Tribüne vor der Bühne nieder. Zufällig spielt eine Band gerade, die unseren Ohren schmeichelt. Das Baby, der Große und ich tanzen ein bisschen, während mein Mann das Geschehen beäugt. Der Hunger treibt uns aber schließlich weiter. In einer kleinen Kneipe probieren wir heute das günstige „Menu del dìa“. Diese Angebote findet man hier sehr häufig. Sie beinhalten meist einen Hauptgang mit Getränk und einem Dessert. Die Müdigkeit steckt noch und wieder in uns. Einig treten wir den Weg zur Herberge an.

Tag 2 Glaciar Perito Moreno

Während mein Mann das Auto vom Flughafen holt, nutzen der Große und ich die Zeit zum Spielen und bloggen. Schließlich geht’s los zum Glaciar Perito Moreno. Atemberaubend! Das Baby genießt diesen Ausflug in der Trage, während wir entlang dem Gletscher wandern und darauf hoffen, das Abbrechen des Eises erleben zu können. Und tatsächlich! Die Geräuschkulisse bietet zwar nicht ganz das Ausmaß was sie versprach als wir den Gletscher noch nicht sahen, aber wir bekommen unsere Show der Natur geboten.

Glaciar Perito Moreno
Glaciar Perito Moreno

Wieder prasseln 1000 Fragen unseres Sohnes auf uns ein. Wir sind so beeindruckt, dass wir die Zeit vergessen. Der Nationalparkwächter dreht seine Abschlusskontrollrunde und macht uns darauf aufmerksam, dass wir die letzten Besucher sind und nun auch gehen müssen.
Eigentlich hatten wir auf das Hostel im Nationalpark spekuliert, welches in der Karte eingezeichnet ist. Doch die Karte, die wir gestern für 200 Pesos kauften, scheint das Update verpasst zu haben. Das Hostel sieht nicht aus als wäre es erst kürzlich geschlossen worden. Der nächste Ort: El Calafate. Wie die Aussichten da um eine Unterkunft stehen ist uns bekannt. Wir wollen positiv bleiben und lassen unsere Laune von den ersten beiden „Lo siento“s auch nicht umstimmen. Wir versuchen es einfach dort nochmal, wo wir gestern schon waren. Der Typ an der Rezeption lächelt mich an als hätte er gewusst, dass wir wieder kommen und zieht unsere Anmeldung von vorgestern vor und fragt wie das neue Abreisedatum lauten soll. „¡Mañana!“ bin ich mir sicher, auch obwohl zur großen Freude unseres Sohnes morgen Luis Fonsi ft. Daddy Yankee hier in Calafate auftreten soll.

Tag 3 Puerto Natales in Chile

Bis nach Puerto Natales fahren wir 6 Stunden. Das Wetter ist regnerisch mit Nebel. Das Passieren der Chilenischen Grenze dauert etwas länger. Das Baby hat für die „3-Step-Variante“ kein Verständnis. Es schreit und bringt den Zöllner dazu, dass ich mit den Kindern ins Auto zurückkehren kann und mein Mann sich fast ganz vorn in der Reihe anstellen darf. Dadurch sparen wir vermutlich eine Stunde. Nachdem der Zöllner unseren Kofferraum kontrolliert hat, verabschiedet er sich stolz in Deutsch von uns. Stolz auf seine Sprachkenntnisse, die sich vermutlich auf „Auf Wiedersehen“ beschränken. In Puerto Natales klingeln, klopfen und fragen wir an ich weiß nicht wie vielen Herbergen. „High season, Señora!“ Es ist 21:00 Uhr und wir haben alle Möglichkeiten abgeklappert. Das Baby heult und der Große hat die Nase voll, zappelt im Auto hin und her. Am liebsten würde ich mich jetzt neben das Baby setzen und mitmachen. Es gibt keinen Nachbarort, in den man mal eben wechseln könnte. Letzte Chance bietet ein Hotel im Ort. Ich könnte umfallen als die Rezeptionsdame mir den Preis sagt. Offensichtlich sieht sie es mir an und dreht uns ihren Laptop zu, darauf eine Homepage eines Hotelbuchungsportals. Über dieses Portal buchen wir ein Zimmer für dieses Hotel für weniger als die Hälfte des Hauspreises. Sie hat ein Herz für uns und gibt uns als Krönung des Ganzen die Suite.

Tag 4 Nationalpark Torre del Paine

Über Schotterpisten fahren wir in den Nationalpark Torre del Paine. Es ist ein ausgesprochenes Wandergebiet und ohne Vorbereitung und Anmeldung ist es nicht erlaubt das „W“ zu laufen. Für uns steht diese Option sowieso außer Frage, da das große Kind schon nach der ersten halben Stunde rum moosert. Mir gelingt es ihn abzuholen. Ich erzähle ihm von der Märchenwelt, die wir gerade über die Hängebrücke betreten haben, von Hobbits und Waldfeen.

Nationalpark Torre del Paine - Hängebrücke zum Lago Grey
Nationalpark Torre del Paine – Hängebrücke zum Lago Grey

So wird die kleine Wetterstation am Berg zum Haus vom Berggeist, ein hervorstehender Fels zur Burg von Prinz John und der Baum davor zum Baumhaus von Robin Hood. Seine Fantasie hat nun freien Lauf und er ist begeistert von dem Stück des Nationalparks welches wir erlaufen. Die teure Bootsfahrt bis vor den Gletscher auf dem Lago Grey sparen wir uns. Den Glacier Grey sehen wir auch vom Berg aus ganz gut. Vor uns schwimmt zudem auch ein großes abgebrochenes Stück, was uns die Größe des Gesamtwerkes erahnen lässt. Der Park ist wunderschön. Gern würden wir mehr Zeit hier verbringen. Wir hatten heute auch ausgesprochenes Glück mit dem Wetter – Sonnenschein mit klarem Himmel. Morgen und an den folgenden Tagen soll es jedoch kalt und regnerisch werden. Wir beschließen den Aufbruch nach El Chaltèn.

Tag 5 El Chaltèn

Wir hatten eine E-Mail an das Hostel unserer Wahl voraus gesandt als das Internet mal ging. Aufgrund von Wartungsarbeiten an den Oberleitungen in Puerto Natales war dies nämlich Mangelware.

Torre del Paine

Als wir El Chaltèn erreichen, bietet sich uns ein gemütlicher Ort mitten in der Wüste zwischen den Bergen. Ein „Private room“ hat er nicht für uns, aber ein „Dormbed-Room“ was er für uns privat macht, damit die Kinder ihre Ruhe haben. Und außerdem heiße ich schließlich wie er – Emilio. Heute ist nur noch Essen, Spielen und Schlafen angesagt.

Tag 6 Mount Fitz Roy und das Zauberwasser

Aus der Lagune Capri kann man das Wasser trinken und genießt einen tollen Ausblick auf den Mount Fitz Roy.
Aus der Lagune Capri kann man das Wasser trinken und genießt einen tollen Ausblick auf den Mount Fitz Roy.

Den Mount Fitz Roy bezwingen können wir mit den Kindern wohl nicht, aber sehr nah kommen. Also wandern wir los. Das Baby genießt wieder jeden Schritt in der Trage auf meinem Rücken. Unterwegs treffen wir einen Baumgeist: Der Große klettert in das Innere eines hohlen Baumes und ruft den Geist. Mein Mann schaltet blitzschnell und redet durch ein Loch der geschlossenen Seite des Baumstammes als Berggeist zu ihm. Von dieser Begegnung zehrt das Kind den ganzen Tag. In der Lagune Capri können wir unsere Flasche mit „Zauberwasser“ abfüllen, welches man ausdrücklich trinken kann. Das hilft uns den Abstieg gut zu überwinden. Zuvor machen wir hier noch ein Picknick. Auf dem Heimweg durch den Ort finden wir in einem kleinen Kiosco auch noch eine Broschüre über die ansässigen Tiere Patagoniens. Die gute Laune unseres Sohnes am Abend ist also auch gesichert. Ewig schaut er sich das Heft an und erläutert uns was er sieht bis er einschläft.

Feuerland mit Erinnerungen

Pünktlich bringt uns das Taxi zum Flughafen. Keine Adrenalinschübe, nichts vergessen, keine Hürden am Check-In. Nach vier Stunden Flug landen wir in Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt.

Die Landung war schon beeindruckend; Wir flogen aus dem klarblauen Himmel mit Sonnenschein durch dicke fette Wolken, direkt auf die Berge zu, deren Kuppen zum Teil mit Schnee bedeckt waren. Die großen Kreuzfahrtschiffe im Hafen waren in der Bucht zu sehen. Und von oben sah der Ort klein und gemütlich aus.

Unser Großer hat gleich wieder einen Freund gefunden, mit dem er über den kleinen Flughafen Fangen spielt, während wir auf die Remise warten, die uns zur Jugendherberge bringen soll. Keine halbe Stunde dauert die Fahrt dorthin. Und die nächste Überraschung wartet schon. Unsere Betten wurden doppelt vergeben, doch die anderen waren eher da. Da hier Familien mit Kindern heilig sind, müssen wir uns nicht selbst um die Lösung dieses Problems kümmern. Der Besitzer bringt uns zu einem Hotel, in dem wir die nächste Nacht verbringen werden. Wir beschließen den restlichen Tag für die Erkundung von Ushuaia zu nutzen. Wir laufen durch den langgezogenen Ort und suchen nach den bunten kleinen Häuschen von denen mein Schwiegervater erzählte. Er war vor einigen Jahren hier.

Mit dem englischen Oldtimer durch Ushuaia. Es gibt nicht all zu viel zu sehen, aber das was es gibt, ist mit Kindern ungünstig zu erlaufen. Es ist auch irgendwie charmant mit dem Oldtimer die Gegend zu entdecken.
Mit dem englischen Oldtimer durch Ushuaia

Es hat sich inzwischen viel getan. Die Stadt ist gewachsen und zählt schon 7000 Einwohner, wie wir während der kleinen Stadtrundfahrt im englischen Oldtimer-Doppelstockbus erfahren. Im Anschluss gönnen wir uns heute einen Besuch im Restaurant. Der Weg zum Hotel ist weit zu Fuß und kalt, sodass ich das Kind mit Geschichten bei Laune halten muss und es freudig am Ziel feststellt, dass der Fußmarsch gar nicht so schlimm war. Halb erfroren kuscheln wir uns in unsere Betten und …

Tag 1 Organisation und Stadtbummel

Einkaufen in Ushuaia für den Alltag kann man im hiesigen Supermarkt. Es gibt alles, was es in Deutschland auch gibt.
So kaufen Wolfs ein; Warum einen Korb, wenn man einen Wagen hat?!

… verschlafen es. Kurzer Ansturm von Hektik. Heute ziehen wir uns warm an! Nach dem Frühstück werden wir zur Jugendherberge zurück gebracht. Skypen mit den (Groß-)eltern. Obwohl eher nur mit den Eltern, da der Große im Innenhof mit der Katze und zwei anderen Kindern spielt. Hier kann er auf Bäume klettern und mit einem Stein einen Sperr schnitzen. So sieht er schließlich später auch aus. Das Baby haben wir warm eingepackt und im Kinderwagen in den Innenhof vor unsere Glastür geparkt.

Was wir hier machen wollen ist schon lange klar. Müssen wir das Ganze nur noch organisieren. Theoretisch geht alles ganz schnell. Doch plötzlich ist die VISA-Karte gesperrt. Eins haben wir uns zum Vorsatz gemacht: Erstmal Ruhe bewahren und schauen woran es liegt und welche Lösungsmöglichkeiten es gibt. Auf unsere Ansprechpartnerin in unserer heimischen Bank war bisher immer Verlass. Und wir werden auch diesmal nicht enttäuscht. Das Kreditinstitut hatte wegen Verdacht auf Kartenmissbrauch die Karte gesperrt. Wir vermuten aufgrund des mehrfachen Länderwechsels in kurzer Zeit. Also brauchen wir uns tatsächlich nicht erst eine Eigenschaft angewöhnen, die eh nicht zu uns passt.

Nervös werden wir aber als man uns in der Jugendherberge sagt, dass wir schnellstens den Bus buchen müssen, da aktuell viele nach El Calafate wollen und es kaum noch Plätze gäbe in der nächsten Zeit. Also schnell zum Schalter. Den restlichen Tag schlendern wir durch den Ort, besuchen die Kunstpassage und organisieren uns für Dienstag ein Boot zu den Pinguinen. Im Supermarkt holen wir uns die Zutaten für Spagettis „á la Casa“ (wie zu Hause) und Fingermalfarben. Verzweifelt versuchen wir die nächste Jugendherberge und ein Auto in Calafate zu reservieren. Doch das Internet funktioniert nicht so recht.

Tag 2 Parque Nacional Tierra del Fuego

Zur Erinnerung: "Wir waren hier" . Die ganze Wand ist vollgeschrieben von Gästen, die bereits hier waren. Auch unser Sohn verewigt sich.
Zur Erinnerung: “Wir waren hier”
Spielen, Malen, Basteln ... Auch das muss mal sein!
Spielen, Malen, Basteln … Auch das muss mal sein!

 

 

 

 

 

 

 

Der Große möchte erstmal spielen, malen und basteln. Wir gewähren ihm diese Zeit und bemalen gemeinsam einen großen Stein mit der neu erworbenen Farbe. Am Nachmittag lassen wir uns zum Parque Nacional Tierra del Fuego fahren um dort etwas zu wandern. Zwei Stunden laufen wir entlang der Lagunen und durch kleine Wälder, aber auch Schotterpisten,auf denen Verkehr ist, den man in dem Ausmaß in einem Nationalpark nicht erwartet. Wir freuen uns auf die Pinguine. Als Vorboten finden wir nach, ich weiß nicht wie vielen Fastfoodketten-Besuchen, den “Waddel” mitten in einem Spielzeugladen.  Als wir zur Unterkunft laufen, werden wir aufmerksam auf heimkehrende “Bomberos”.

Feuerwehr von Ushuaia
Feuerwehr von Ushuaia

Hier machen wir noch einen kurzen Stopp um die Fahrzeuge mit dem Fuhrpark der heimischen Feuerwache zu vergleichen. Das Kind fordert mich auf dem “Kollegen” zu erzählen, dass er Bambini-Feuerwehrmann ist. Schließlich darf er sogar auf den Oldtimer. Später in der Unterkunft sagt er mir: “Mama, ich bin so glücklich” und schläft zufrieden ein.

Tag 3 Pinguine

Mit einem kleineren Boot zur Tierbeobachtung vor Ushuaia
Mit einem kleineren Boot zur Tierbeobachtung vor Ushuaia

Am Vormittag entspannt sich das Thema Unterkunft in El Calafate. Es gab kaum noch Unterkünfte, die zu unserem Budget passen. Doch telefonisch können wir uns noch drei Betten in einem Sechs-Bett-Zimmer reservieren. Das Baby wird bei mir schlafen. Und schließlich treten wir den lang ersehnten Ausflug an. Mit dem Boot fahren wir im Beagle Kanal zunächst zu dem bekannten Leuchtturm des südlichsten Ortes der Welt. Dort tummeln sich Seelöwen und Kormorane.

Den Seelöwen ganz nah vor Ushuaia, Feuerland
Den Seelöwen ganz nah vor Ushuaia, Feuerland

Weiter geht’s vorbei an Puerto Williams (Insel Navarino, Chile) zur Estancia Harberton. Der Große möchte am Liebsten die ganze Fahrt vorn stehen. Doch das ist viel zu windig. Und schließlich das Highlight für uns alle; Wir gehen an Land auf der Isla Martillo und spazieren zwischen hunderten von Pinguinen entlang. Hier leben Magellan- und Gentoo-Pinguine (der einzig wahre Linux-Pinguin, gibt mein Mann mir zu verstehen). Und zu unserer Überraschung sind sogar zwei Königspinguine (zweitgrößte Art der Welt) da, die eigentlich in der Antarktis leben und hier nur zum Fischen herkommen. Unser Sohn ist ganz aus dem Häuschen, so nah den Tieren sein zu können. Man darf die Tiere natürlich nicht berühren. Das würden sie auch durch beißen verhindern, wie uns ein furchtloser Pinguin andeutet. Er stellt sich uns mitten in den Weg und will mit seinem Schnabel an unseren Hosenbeinen ziehen.

Als wir zur Estancia zurückkehren, genießen wir noch selbst gebackenen Kuchen und Tee und machen uns schließlich auf den Rückweg. Viel haben wir hier an den verstorbenen Schwiegervater gedacht und werfen als Gruß noch jeder eine Blume in den Kanal, da er das Wasser liebte. Wir sind erst halb elf in der Nacht von unserem Ausflug zurück. Bleibt nicht viel Zeit zum Schlafen. Der Bus startet 5:00 Uhr in der Frühe nach Rio Gallegos.

Auf der Rückfahrt darf der Große das Boot mit lenken.

Lösungen in Buenos Aires und Abschied

Nachdem wir am Abend alles fertig im Auto verstaut hatten, wollten wir gleich auch noch online die Tickets für den Bus und die Fähre buchen. Verhext! Eine Fehlermeldung, wir sollten uns doch bitte telefonisch irgendwohin wenden. Am Morgen fahren wir einfach los um alles in Montevideo am Busbahnhof zu klären. Dabei werden wir so richtig munter durch die Mautstelle, an die wir keine Sekunde mehr gedacht haben. In unserer Bargeldkalkulation haben wir Wasser, eine Postkarte und den Banknotensammler zu Hause einbezogen, aber keine Maut. Wir am Schalter, hinter uns die anderen Autos und „No efectivo“. Nach einem kurzen, aber heftigen Adrenalinschub findet sich die Lösung in der Argentinischen Währung.

Am Busbahnhof angekommen, müssen wir noch das Auto abgeben. Gott sei Dank alles ein Standort. Alles verläuft gut und ich schaffe es sogar noch fünf Minuten bevor der Bus eintrifft eine Postkarte für einen Couchserfer zu kaufen. Tipp: Die gibt auf Anfrage unter der Ladentheke; Ich habe keine Ahnung warum.

Alles ging so schnell heute Morgen. Der Große hat Hunger und wir könnten einen Kaffee vertragen. Also stapfe ich mit dem Kind an der Hand zum Lebensmittelgeschäft an Bord und lasse mir Cappuccino kochen und wähle mit ihm was zu Essen aus. Als wir schließlich an der Kasse stehen, hinter uns viele andere Passagiere, die den gleichen Gedanken hatten, möchte der Kassierer „Efectivo“. Déjà-vu? Nein, so ein Mist! Unser letztes Geld haben wir vor einer Stunde am Busbahnhof für Getränke gelassen. Und die Argentinische Währung haben wir dummerweise mit im Koffer eingeschlossen, der jetzt im Frachtraum liegt. Wir lassen alles an der Kasse zurück und klagen unser Leid. Mein Mann erbarmt sich und holt Kekse für 5 US-Dollar aus dem Duty Free Shop mit der Kreditkarte, die das Kind schließlich gar nicht mag. Der Tag ist schon jetzt im Eimer.

In Buenos Aires schieben wir uns mit Sack und Pack durch die Menge bis zu unserer Jugendherberge, wo wir wieder herzlich empfangen werden. Heute steht nur noch Duschen, Wäsche waschen, Essen und Schlafen auf dem Programm.

Zurück in Buenos Aires

Es gilt alles vorm Flug zu klären.

Reparatur der Kamera

Innerhalb einer Stunde ist meine Kontrolluntersuchung im Deutschen Krankenhaus erledigt und der Arzt ist zufrieden. Ich bin es auch. Mein Mann war weniger erfolgreich beim Optiker gegenüber, da der Deutsche Optiker nur Spanisch spricht und seinen Geschäftsnamen aufgrund seines Portfolios hat. Gemeinsam kehren wir zu ihm zurück und auch dieses Problem haben wir schnell gelöst – Kontaktlinsen. Die schnelle Abwicklung bisher gibt uns die Hoffnung, dass wir ein hier noch nicht erwähntes Problem an diesem Tag auch noch lösen können. Im Internet hatte mein Mann ein Nikon-Fachgeschäft in Buenos Aires ausfindig gemacht. Hier wollen wir das in Uruguay kaputtgegangene Spezialkabel für das GPS ersetzen. Doch das Geschäft bietet so etwas nicht an. Auch am nächsten Tag im Technikschlaraffenland werden wir nicht fündig. Wir bekommen den dezenten Hinweis auf eine kleine Einkaufsstraße, wo man viele Sachen finden kann, die Touristen brauchen, denn sie gehörten mal Touristen. Da wir nicht wollen, dass später auch etwas aus unserer Tasche dort angeboten wird, lehnen wir ab. Mein Mann beschließt sich Werkzeug und Lötkolben zu besorgen und die Reparatur selbst in die Hand zu nehmen. Durch unsere Argentinisch-Deutsch-Chilenische Bekanntschaft muss er nichts kaufen, sondern wird in ein kleines Geschäft gebracht, in dem er direkt loslegen kann. Nach ca. drei Stunden Kamera komplett zerlegen, Kabel direkt anlöten und Kamera wieder zusammenbauen ist mit großer Freude also auch dieses Problem gelöst.

Straßen-Cabaret in Buenos Aires

Bevor wir uns nun endgültig von Buenos Aires verabschieden müssen, amüsieren wir uns noch bei einem Straßen-Cabaret.

Schließlich fallen wir ins Bett, weil morgen früh das Taxi 6:30 Uhr vor der Tür stehen wird. Wir müssen uns endgültig von Buenos Aires verabschieden.

 

Mehr und Meer in Uruguay

Wir beschlossen bereits in Buenos Aires mobil in Uruguay zu werden, damit wir ein bisschen Land und Leute sehen können. Diese Entscheidung bereuen wir später keines Falls.

Tag 1 Punta del Este

La Mano de Punta del Este

Während mein Mann nach dem Frühstück das Auto am Busbahnhof abholt, packe ich die Taschen und räume das Zimmer. Als er schließlich vor der Eingangstür steht, sind wir bereit mehr und Meer von Uruguay zu entdecken. Entschlossen starten wir in Richtung Punta del Este, wo zu dieser Zeit Jugendtourismus und Party auf dem Programm stehen sollen, was wir aber wenigstens einmal gesehen haben wollen. Nach der ersten Stunde hat das Baby Hunger und die Windel voll. Nach der zweiten Stunde, direkt in Punta del Este, hat der Große keine Lust mehr weiter zu fahren. Zähneknirschend geben wir dem Willen des Kindes nach und suchen uns eine Unterkunft, eigentlich viel zu teuer für unser Budget.

Tag 2 La Paloma und die Lagune

Entlang der Route 10, vorbei an der Laguna José Ignacio

Nach dem Frühstück brechen wir auf und suchen eine Bank für „Efectivo“. Doch nicht jede Bank akzeptiert unsere Karte. Weiter geht es in Richtung La Paloma, immer entlang der Küste. Da kommt es schon mal vor, dass man plötzlich dem Verlauf einer Schotterstraße folgen muss. Teilweise fahren wir in einem Déjà-vu, erinnert an Australien. Schade nur, dass das Umweltbewusstsein offensichtlich sehr niedrig ist.

Ich lese etwas von der Paisaje Protegido Laguna Rocha. Das klingt gut. Also machen wir einen Abstecher in die geschützte Landschaft zur Roten Lagune und werden belohnt. Herrliche Ruhe. Rechts die Lagune, links das Meer. Wir mitten drin.

Eine kleine Blechhütte, die Cochina de la Barra bietet nicht nur Schatten sondern auch frischen Fisch aus den beiden Gewässern nebenan. Und ausnahmsweise mal Preise, die zu unserem Budget passen. Die Jungs bestellen sich Miniatures, eine Mischung aus verschiedenen panierten Fischhappen mit selbst gemachtem Aioli. Auch hier muss ich nicht hungern. Für mich wird extra Kartoffelsalat mit Ei und grünem Salat gezaubert.

Wir sind alle drei begeistert. Nach dem Essen laufen wir ein bisschen der Lagune und dem Meer entlang und genießen.

Leckerer Imbiss direkt an der Lagune.
Leckerer Imbiss direkt an der Lagune.

Dabei erfahren wir, welche Fische und Schalentiere es hier gibt. Unser Großer ist hin und weg, dass wir nun den Haien so nah sind. Am Strand finden wir eine ausgetrocknete Krabbe, die unbedingt mit in die Fossiliensammlung muss.

Leider können wir hier nicht länger bleiben, denn wir wollen nicht wieder unser Übernachtungsbudget sprengen. In dem kleinen Ort La Paloma finden wir ein kleines Hostel direkt am Meer, was allerdings nicht zum längeren Verweilen einlädt. Diese Tatsache ist aber gar nicht so schlimm, denn die überschaubaren Attraktionen des Ortes sehen wir uns bei einem Spaziergang an. Am Abend gibt es eine Fiesta im Ortskern, natürlich mit vielen Interaktionsmöglichkeiten für unser Kind.

Tag 3 Inland Uruguays

Heute wollen wir an die Brasilianische Grenze nach Chuy fahren. Doch unser Ziel ändert sich nach den ersten 15 Minuten Autofahrt schlagartig in das Landesinnere. Ich habe einen Flyer gefunden, der uns dort Sehenswertes verspricht. Wir fahren 50 Kilometer über eine rote Schotterstraße, die sich Route 109 nennt. Den Kofferraum lassen wir während des ersten Stopps lieber erstmal geschlossen, weil wir noch gar nicht sehen wollen, was uns erwartet. Lieber genießen wir den Ausblick über die bergische Landschaft.

Route 109

Unser neues Ziel heißt jetzt Minas. Auf dem Weg dahin besuchen wir noch eine alte Mine und den Parque Salto del Penitente. Wenn man die Antigua Mina de Oro besichtigen möchte, muss man zuvor anrufen. Doch wir haben Glück. Wir treffen auf einen ehemaligen Mitarbeiter, der sich dazu überreden lässt, uns die Mine dennoch zu zeigen. Er freut sich über die Bewunderungslaute unseres Sohnes.

Im Penitente schlagen unsere Herzen hoch vor Freude. Hier gibt es Abenteuer, Fossilien und Wasser. Als wir erfahren, dass wir hier sogar schlafen können, wollen wir natürlich bleiben. Also schlendern wir durch den Park zu Fuß und auch zu Pferde. Der Große ist so von den Fossilien begeistert, dass er ewig davor steht und der Parkwächter uns schließlich erklären muss um welche Tiere es sich dabei handelt und „wie die Schlangen gefangen“ wurden. Natürlich handelt es sich bei allem um Fundstücke. Als wir von unserem Ausritt zurückkehren versammeln sich plötzlich die Angestellten an einem Parkfahrzeug. Wir müssen zum größten Leidwesen unseres Sohnes feststellen, dass entgegen der üblichen Gepflogenheiten hier alles 19:00 Uhr schließt und man auf sich selbst gestellt ist.

Auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln wird eingestellt.

Fossilien im Parque Salto de Penitente

Und wir sind nicht vorbereitet. Also heute doch noch bis nach Minas, wo wir im Dunkeln ankommen. Ich überzeuge einen Hotelier von einem günstigeren Preis, weil wir einfach nur schlafen wollen und morgen früh gleich wieder weg sind. Im Mercado finden wir dann auch noch unser Abendessen.

Tag 4 Geburtstag in Atlántida

Heute hat mein Mann Geburtstag. Der Große will „Sand und Meer, Spielen und Baden, ohne rumfahren“. Wir haben Verständnis für dieses Verlangen, da auch wir müde sind. Und das Baby findet es ohnehin in der Trage oder im Kinderwagen besser als im Kindersitz. Also Kurs auf Est. Atlántida. Auf dem Weg dahin liegt noch die Fuente del Puma, die wir uns auch ansehen wollen. Hierbei handelt es sich um die Quelle des Getränkeherstellers Salus, nichts Spektakuläres. In Est. Atlántida finden wir auch ein kleines Zimmer, wo wir uns die nächsten drei Tage aufhalten wollen. Zwei Blocks weiter ist schon der Strand mit der Strandbar Indigo, ganz nach unserem Geschmack. Es gibt hier nicht nur Empanadas, Papas Fritas oder Pizzetas, sondern auch Paella und Milanesa vegetariana und das für unser Budget. Hier feiern wir auch gemütlich Geburtstag. Müde fallen wir ins Bett und freuen uns, dass wir morgen richtig lange ausschlafen können.

Tag 5 und 6 Baden, Ausruhen, Controlling, Organisation

Zwei Tage an denen wir nur ausruhen, malen, spielen, bloggen, Homepage bearbeiten, baden und spazieren gehen.

Springen und Toben in den Wellen des Atlantischen Ozeans.
Springen und Toben in den Wellen des Atlantischen Ozeans.

Während es draußen heiß ist, können wir im Schatten auf der Terrasse sitzen oder im Innenhof in den kleinen Pool springen.

Wenn die Sonne uns nicht mehr zu verbrennen droht, gehen wir zum Strand oder im Ort spazieren. Am zweiten Tag tollen mein Mann und der Große wieder im Meer herum und springen in die Wellen.

Immer mitten in die Welle rein!
Immer mitten in die Welle rein!

Ich fotografiere vom Land aus dieses Vergnügen und dokumentiere dabei, wie mein Mann seine Brille an das Meer verliert. Auch das noch! Der Aufenthalt in Uruguay ist damit beendet. Am 10. Februar soll unser Flug nach Ushuaia gehen und ohne Brille ist mein Mann aufgeschmissen. Doch wir wissen, wo es einen deutschen Optiker in Buenos Aires gibt.

Und da war die Brille weg, auch das noch!
Und da war die Brille weg, auch das noch!

Per Messenger bekommt mein Mann vom heimischen Optiker die aktuellen Werte zugesandt.

Vamos a ver!

Montevideo und unsere Erwartungen

Nun heißt es wirklich Abschied nehmen vom Team der Jugendherberge. Monserat ist ganz begeistert von unseren Kindern und bekommt sogar von unserem Großen ein Abschiedsküsschen auf ihre Bitte („[…] aber nur, wenn keiner lacht!“). Mit unseren Taschen schieben wir uns wieder durch die Fußgängerzone, diesmal zur Fähre. Die Tickets haben wir gestern online gebucht und müssen nur noch einchecken und durch die Zollkontrolle. Die Überfahrt nach Colonia vergeht sehr schnell. Der Bus, der uns nach Montevideo bringt, steht schon da. Nach zwei Stunden sind wir endlich da, zumindest in Montevideo. Dank der Technik ist keinem im WIFI-fähigen Bus langweilig geworden. Das Baby hat alles verschlafen.

Doch nun noch zur Unterkunft! Das Navigationssystem sagt uns 4,7 Kilometer zu Fuß durch die Stadt. Wir haben noch keine Währung von Uruguay, sodass wir uns diesem Gang ergeben müssen. Das Baby lacht und der Große hat starken Redebedarf. Er klärt uns über Gott und die Welt auf, während wir mit Schweißperlen auf der Stirn das Gepäck die Hauptstraße entlang schleppen. Kurz vorm Ziel verlässt uns der Akku des Navigationssystems. Aus einer der Taschen kramen wir schließlich die Powerbank. Weiter geht’s!

Nachdem wir unser Ziel erreichen müssen wir nur noch zwei Hürden überwinden: die Sprachbarrieren mit einer Portugiesin und die Treppen in unser Zimmer. Auch wenn wir am Liebsten in das Bett fallen würden, müssen wir uns doch noch Geld und ein Abendessen besorgen. Alles passiert kurz und schmerzlos. Wir sind uns einig – das Bett ruft!

Tag 1 Sonne – Strand – Sport oder Süßigkeiten

Kleckerburgenbau in Montevideo
Kleckerburgenbau in Montevideo

Wir haben es verschlafen. Halb zehn brabbelt das Baby, weil es Hunger hat. Erst zum Mittag gehen wir, wie unserem Sohn lange schon versprochen, zum Strand. Babys erster Badespaß im Freien. Mein Mann baut mit dem Großen eine Kleckerburg mit Staubecken, während der Kleine und ich ein bißchen Schlafen. Er im Schatten und ich in der Sonne. Heute soll nichts passieren … außer Sonnenbrand! Ich habe mir sogar die Füße verbrannt. Mein Mann und ich sehen aus wie zwei Krebse. Die Kinder haben UV-Schutzbadesachen an und sind offensichtlich besser eingecremt als wir.

Völlig verbrannte Füße
Völlig verbrannte Füße

Seit Buenos Aires hetzen wir dem „Waddel“ hinterher. Diesen Pinguin soll es eigentlich zum Kids-Menü beim bekanntesten Fastfood-Anbieter geben, dessen Essen wir eher verschmähen. Doch bisher blieb die Suche erfolglos. Hier am Strand in Montevideo entdeckt unser Sohn wieder das große Firmenlogo und ich muss unbedingt fragen gehen, ob es den hier gibt. Die Situation bleibt unverändert. Aber wir konnten uns dadurch vom Strand losreißen.

Sport frei! Überall in der Stadt findet man die frei verfügbaren Sportgeräte.
Sport frei! Überall in der Stadt findet man die frei verfügbaren Sportgeräte.

Wir gehen weiter der Promenade entlang und stellen fest wie sportlich die Einwohner hier sind. Fitnessgeräte für Jeden im Freien. Mit großer Begeisterung stürzen der Große und ich uns auf die Geräte. Er beschließt anschließend „auch so fit zu werden“ und fragt uns auf welche Süßigkeiten er verzichten müsse. Die Sache mit der Fitness wird schnell relativiert.

Tag 2 Montevideo Hop-on-Hop-off

Wir hatten in einem Bewertungsportal gelesen, dass es in Montevideo völlig reicht, den Hop-on-Hop-off-Bus zu nehmen um alles zu sehen. Weil dieser Bus zu unserem Ritual in Großstädten gehört, nehmen wir den auch. Kinder bezahlen nichts. Unser erster Eindruck bestätigt diese Aussage. Als wir schließlich am Hafen aussteigen um dort den alten Bahnhof anzusehen von dem mein Schwager schwärmte, verpassen wir im Anschluss den letzten Bus.

Wieder heißt es ca. drei Kilometer laufen. Doch das Baby wird schwer in der Trage und bohrt seine Fingerchen in meinen Sonnenbrand. Der Große will wieder an den Strand und mein Mann schleppt schnaufend den Rucksack und den Fotoapparat. Kurzer Hand überzeuge ich alle vom Bus, der uns zum Strand bringen soll. Wir fragen uns durch und kommen nicht am Strand an. Dank dem Navigationssystem im Handy laufen wir durch einen schattigen Park bis zum Strand. Nachdem unser Sohn ausreichend gebadet und gebuddelt hat, gehen wir zur Unterkunft, entlang dem Lehrpfad der „Entstehung der Erde“. Unzählig viele W-Fragen prasseln auf uns ein. So vergeht ein Kilometer, zumindest für unseren Sohn sehr schnell.

Tag 3 Faulenzen

Der Große sammelt den Müll am Strand um mit gutem Beispiel voranzugehen.

Nichts, wirklich nichts wollen wir heute machen. Na gut, Wäsche waschen. Aber ansonsten nur schlafen, malen, spielen und Schatten genießen. Am Abend wollen wir dann nochmal raus. Beschluss: Picknick am Strand.

Offensichtlich findet ein Mondereignis statt, von dem wir nicht im Bilde sind. Viele Menschen versammeln sich auf der Promenade und bewundern den Vollmond, der zwischen den Gebäuden steht. Unsere Kameratasche haben wir wie immer mit. Gerne möchte ich diese Bild vom Mond festhalten. Der Akku ist völlig leer, weil die Kamera noch angeschaltet ist. Mit dem Handy brauche ich gar kein zweites Mal versuchen diesen Eindruck festzuhalten – C´est la vie!, denke ich.

Buntes Treiben am Abend als Vorbereitung auf den bevorstehenden Carneval 2018.
Buntes Treiben am Abend als Vorbereitung auf den bevorstehenden Carneval 2018.

Ich vermag gar nicht zu sagen, was ich darüber denke, als wir schließlich dazu kommen wie der Karnevalsumzug beginnt. Durch Zufall sehen wir in einer kleinen Straße die Ansammlung von Weitem und beschließen uns das Treiben näher anzusehen. Als es zur Sache geht und mein Handy dann auch noch meldet „Speicher voll“, könnte ich verzweifeln. Das Tablet rettet schließlich die Situation, nachdem wir alles mögliche vom Handy gelöscht haben und dieses ausgeht, weil inzwischen auch dessen Akku leer ist. Wir ziehen ein paar Blocks mit dem Umzug mit und treten dann den Heimweg an.

Das war noch ein Erlebnis was uns ein “bissel Laune gemacht” hat. Wir sind schon etwas enttäuscht von den nicht erfüllten Erwartungshaltungen an Montevideo. Buenos Aires hatten wir hinter uns gelassen. Wir freuten uns auf eine gemütliche Stadt mit Strand. Wollten zwei Wochen ausruhen und auch das ein und andere sehen. Eine romantische Stadt haben wir erwartet, wo ebenfalls die Kinder an der Macht sind und es eine Menge zu sehen gibt. Wir ahnen jedoch langsam, warum es keinen eigenen Reiseführer von Lonely Planet für dieses Land gibt, sondern dass es nur ein Kapitel im Argentinien-Reiseführer erhalten hat. Wir nehmen unheimlich viele Baustellen wahr und weniger aufgeschlossene Menschen als in Buenos Aires. Die Sonne droht uns tagsüber zu verbrennen, deswegen suchen wir den Strand nur Abends auf.

 

 

Zweite Runde Buenos Aires

Wir haben reichlich Zeit bis unser Bus zurück nach Buenos Aires fährt. Und diesmal wissen wir auch ganz sicher die Zeiten.

In Ruhe genießen wir unser letztes Frühstück hier auf der Estancia, bevor es heißt „Taschen packen“. Wir sind mit dem ältesten Gaucho verabredet. Mit seinem Renauld Clio steht er pünktlich startbereit da um uns mit den zwei großen und zwei kleinen Rucksäcken, dem Kinderwagen, der Babyschale, einer Wickeltasche und der Fototasche zum Bus zu bringen. Mein Mann wird leicht nervös beim Anblick der Fahrzeuggröße. Ich beruhige ihn damit, dass ich mir sicher bin, dass alles mitkommt. Ich behalte Recht. Die Rückfahrt verläuft stressfrei und unser Ziel in Buenos Aires kennen wir (45 Minuten zu Fuß mit Gepäck sind schon Routine). Wir sind durch unsere Kinder schon bekannt und werden herzlich in der Jugendherberge zurück empfangen. Der Tag ist angerissen und unseren Großen brauchen wir nicht mehr versuchen davon zu überzeugen durch die Stadt zu laufen. Nur noch schnell in den Mercado um etwas für´s Abendessen aufzutreiben.

Tag 1 Problemlösungen und Gesundheitscheck

Heute muss ich zunächst in das Deutsche Krankenhaus, nichts Besorgniserregendes wie sich schließlich bestätigt. Ich nehme Medikamente, die lediglich an die Essgewohnheiten angepasst werden müssen.

Poliklinik – Deutsches Hospital

Vor der Reise hatte ich mir bereits Listen deutsch- und englischsprachiger Ärzte aller betreffenden Länder rausgesucht, bzw. beim Konsulat erfragt. Janine, mit der wir unsere Telefonnummern beim Abschied auf der Estancia ausgetauscht hatten, half mir hier sehr bei der Organisation.
– Danke, liebe Janine! –

Alles klappt einwandfrei. Während der Untersuchung machen mein Mann und mein Sohn das Vorschulprogramm, was wir extra vor der Reise auf das Tablet geladen haben.

Cementerio de la Recoleta
Kolibri im Botanischen Garten
Kolibri im Botanischen Garten

Danach wollen wir auf dem Weg zu unserer Verabredung noch ein paar Sehenswürdigkeiten von Buenos Aires entdecken. Wir staunen als wir den Cementerio de la Recoleta betreten, auf dem Eva Perón beigesetzt wurde. Auf dem Friedhof, in mitten des Wohn- und Geschäftsviertels Recoleta, steht ein Mausoleum am Anderen von wohlhabenden Familie und prominenten Persönlichkeiten. Das Grab von Evita suchen auch wir auf. Gleich neben dem Friedhof befindet sich die Iglesia Ntra. Sra. Del Pilar, das Centro Cultural de Recoleta und das Hard Rock Café Buenos Aires. Das T-Shirt, dem wir für unseren kleinen Sohn hinterher jagen, bekommen wir auch hier nicht (am Flughafen EZE waren wir gleich nach unsere Ankunft erfolglos geblieben). Über den Plaza Franzia laufen wir zur U-Bahn, die uns zum Jardin Botánico Carlos Thays bringen soll, wo wir wieder mit Alicia und ihrer Tochter verabredet sind.

Im Park wundern wir uns über einen Mann, der ewig vor einem Strauch mit seiner Kamera steht und diesen anstarrt. Als wir näher kommen, können wir diese hübschen kleinen Vögel erkennen – Kolibris. Ich stelle mich mit meiner Kamera, mit meinem wesentlich kleineren Objektiv daneben und warte auch auf Das Bild. Wir schließen unsere Besichtigungstour mit einem Besuch auf dem Spielplatz ab. Zum Abschied fließen Tränen, weil noch nicht genug gespielt wurde.

Tag 2 Rosengarten mit Freunden

Bis zum Nachmittag nutzen wir die Zeit für die Organisation unserer Reise nach und in Uruguay und packen unsere Taschen um, während der Große malt, spielt und Trickfilme auf Spanisch ansieht. Wir skypen lieber gleich heute mit den (Groß)eltern, ehe es morgen wieder aufregend wegen der Zeit wird. Als alles erledigt ist und die Sonne weniger intensiv ist nehmen wir die U-Bahn nach Palermo. Das U-Bahnsystem hat mein Mann schon intus. Umsteigen läuft ohne Zweifel oder Fragen. In dem Stadtviertel treffen wir uns ein letztes Mal mit Alicia und ihrer Tochter im El Rosedal de Palermo. Gemeinsam schlendern wir durch und um den Park und schnuppern an unzählig verschiedenen Rosen.

El Rosedal de Palermo

Als Andenken an unsere gemeinsame Zeit schenken uns die Beiden zum Abschied Glücksbringer. Im Santa Crepa schließen wir unseren Aufenthalt in Buenos Aires ab. Sehr lecker, der Name ist Programm: Crepes mit allen möglichen Füllungen von süß bis herzhaft.

San Antonio de Areco und die Suche nach den Gauchos

Es ist Sonntag Morgen und es kommt leicht Hektik auf, denn die Taschen gehen nicht mehr zu. Wir müssen zum Bus, der uns nach San Antonio de Areco zu den Gauchos bringen soll. Der Laptop schalt; Die (Groß)eltern wollen mit uns skypen. Dazu ist aber erst einmal eine Fernwartung nötig, denn wir hören sie nicht. Die Zeit läuft. Das Gespräch wird kurz und bündig, wir verabreden uns für nächstes Wochenende im Skype.

Mit zwei großen und zwei kleinen Rucksäcken, Kinderwagen mit Babyschale, Wickeltasche und einer Fototasche ziehen wir zu Fuß durch Buenos Aires zum Busbahnhof.

Vollbeladen durch Stadt zum Busbahnhof
Vollbeladen durch Stadt zum Busbahnhof

Wir brauchen ungefähr eine Stunde. Schließlich stellen wir fest, dass der Fahrplan im Internet offensichtlich nicht auf dem Laufenden ist. Statt 13:10 Uhr fährt der Bus erst 17:30 Uhr. Also heißt es 4,5 Stunden warten.

Gerne hätten wir unser Gepäck eingeschlossen um noch ein bisschen am Fluss lang zu spazieren bis zum Antikmarkt, der wohl jedes Wochenende bei dem Parque Natural y Reserva Ecológica Costanera Sur ist. Doch es gibt keinen Locker (Spind) mehr, der unsere Gepäckgröße und -menge fassen kann. Wir kapitulieren friedlich und beschließen uns im Wartebereich niederzulassen. Mit Malen, Essen und Trinken, Tickets kaufen und Rucksäcke in Schutztaschen zu verstauen geht die Zeit doch relativ schnell um.

Als wir San Antonio de Areco gegen 20:30 Uhr erreichen regnet es. Unser Regenschutz für Kinderwagen und Co., wie soll es anders sein, befindet sich tief im Gepäck. Unsere Jacken müssen nun das Kind und das Baby vor der Nässe schützen (Test bestanden). Voll beladen kämpfen wir uns über die nasse Straße entlang des für Kinderwagen nicht geeigneten Fußweges. Die Herberge, die wir für uns im Vorab ausgewählt hatten bietet keine Unterkunft mehr: „No hay habitaciones!“.

Wir bekommen den freundlichen Rat zur Polizei zu gehen, da diese Stadt um diese Jahreszeit eher nicht auf Tourismus eingestellt ist. Doch wir haben ja noch eine Alternative im Internet gesehen, die wir vor der Notvariante ansteuern wollen. Und tatsächlich! Kaum betreten wir die Einfahrt des Grundstücks, reist schon der Hausherr die Doppeltür auf, damit wir eintreten können. Zwei Blocks weiter genießen wir eine Abwechslung zum Abendessen; Gemüse aus dem Wok und geräucherter Lachs. Unser Sohn möchte einfach nur Spaghetti mit Tomatensoße und Käse. Spät und müde fallen wir in unsere Betten.

Tag 1 Keine Gauchos in San Antonio de Areco?

Nach dem Frühstück fragen wir unsere Gastgeberin nach den Gauchos. „No hay Gauchos!“ Oh nein, es gibt keine Gauchos! Warum sind wir dann hierher gefahren?! Sollen die plötzlich weg sein! Ich hatte doch darüber gelesen und vor allem meinem Sohn erzählt. Wie soll ich ihm das bloß erklären? „Nein“, denke ich „so schnell werfe ich das Handtuch nicht!“ Auf zur Information der Stadt! Dort erfahren wir, dass es in dieser Stadt einen Park, ein Stadt- und ein Gauchomuseum gibt. Gauchos kommen nur im November zum Festival hierher. Es gibt allerdings Estancias, die zwischen 15 und 16 Kilometer entfernt sind, wo man eventuell Gauchos treffen kann. Man sollte allerdings vorher anrufen, ob es möglich ist.

Am Markt von San Antonio de Areco
Am Markt von San Antonio de Areco

Ein Bus fährt da allerdings nicht hin. Ein Auto mieten kann man in dieser Stadt auch nicht. Jetzt sind wir extra wegen der Gauchos nach San Antonio de Areco gekommen und sollen keine sehen können. „Kommt gar nicht in Frage!“ beschwert sich unser Sohn. In einer Bar, in der wir uns ratlos niederlassen, erzählen wir unseren Kummer dem Kellner. Der macht uns Mut und erzählt uns wie wir dahin kommen können. Die einzige Möglichkeit bleibt schließlich die Remise (Konkurrenz zum Taxi).

Vor der Information, am Vormittag, trafen wir Martin, einen Landsmann, der seit 8 Jahren nach Südamerika kommt um hier mit einem umgebauten LKW Land und Leute zu entdecken. Wir verbringen den Nachmittag mit ihm und lauschen gespannt seinen Tipps für unsere weitere Reise während unser Großer vergnügt mit dessen Ball spielt.

Am Abend schlendern wir noch ein bisschen durch den Ort, am Park und dem Gauchomuseum vorbei, kaufen im Mercado noch ein paar Dinge für das Abendessen ein und kehren schließlich zurück zur Unterkunft.

Unser Großer beginnt damit sich furchtbar zu kratzen (das hatte er schon einmal auf dem Flughafen Frankfurt getan). Wir haben keine Not, denn unsere Reiseapotheke ist bestens bestückt. Doch in der Nacht erwachen wir, weil er unbedingt duschen möchte, da es juckt. Wir erschrecken uns sehr, weil er überall geschwollene Flecken hat. Das nächste Krankenhaus, so meinen wir, ist zwei Stunden entfernt. Etwas Panik kehrt ein. Verzweifelt und mit großer Hoffnung fotografiere ich meinen Sohn und sende diese Bilder an unsere Kinderärztin.

Tag 2 Einzug bei den Gauchos

Wir sind glücklich als wir am frühen Morgen ihre E-Mail lesen.              – Vielen Dank an unsere Kinderärztin, dass sie für uns auch in der Ferne da ist! – Durch ihren Rat ist am Nachmittag schon fast alles wieder vergessen.

Gaucho bei der Arbeit
Gaucho bei der Arbeit

Es ist beschlossen: Jetzt suchen wir erst recht die Gauchos. Wir laufen zur Remisestation und erfragen den Preis. Der Fahrer ist aber so lieb und ruft zuvor bei einer der Estancias, der Estancia la Portena de Areco an, ob wir überhaupt kommen können. Alles kein Problem, sie erwarten uns zum Mittagessen. Juhu! Während der Fahrt wird uns klar, warum hier kein Bus hin fährt. Die ca. zwei Kilometer lange Zufahrt ist ein Feldweg.

Wir werden bereits erwartet. Es gibt eingelegtes Gemüse, Empanadas (Fleisch- und Veggivariante), Kartoffel- und Gemüsesalat, gegrilltes Gemüse und gegrilltes Fleisch (Huhn und „Lomo“). Nach dem Essen erzählt uns die Hausherrin über die Geschichte der Estancia und deren Bewohner. Als Highlight dürfen wir auch noch mit einem Gaucho gemeinsam ausreiten.

Ausritt mit dem Gaucho
Ausritt mit dem Gaucho

Nach unserer Rückkehr gibt’s selbst gebackene Kuchen und Kekse mit Tee. Die Hausherrin fragt uns, ob wir bleiben möchten. Wir erklären ihr, dass wir unsere Sachen in einer anderen Unterkunft haben und die Gastgeberin sehr wahrscheinlich beleidigt sein wird. Doch per Telefon ist alles schnell geklärt.

Mein Mann fährt mit der bestellten Remise zurück in die Stadt um das Gepäck zu holen und wird anschließend vom ältesten Gaucho von San Antonio de Areco dort abgeholt, während ich ausgelassen mit unseren beiden Söhnen im Pool bade. Dann zeigt uns eine Angestellte der Farm unser Zimmer. Wir sind überwältigt! Als abschließende Krönung des Tages gibt es ein Dreigang-Menü zum Abendessen; Süßkartoffelsuppe, Pasta und Budin dazu einen Wein aus Mendoza. Zufrieden fallen wir ins Bett.

Tag 3 Entspannen bei den Gauchos

Den Gauchotest hat unser Sohn erfolgreich bestanden.
Den Gauchotest hat unser Sohn erfolgreich bestanden.

Heute wollen wir einfach entspannen und genießen. Dementsprechend lassen wir es ruhig angehen. Da sogar unsere Wäsche gewaschen wird, brauchen wir wirklich nichts machen. Zum Mittag kommen weitere Gäste. Witzig! Denn hier, ab vom Schuss, treffen wir wieder Deutsche. Janine und ihr Mann sind allerdings schon seit 6 Jahren in Buenos Aires sesshaft und besuchen mit ihren Freunden aus der alten Heimat hier die neuen Freunde. Auch sie haben viele Tipps für uns was geht und was wir uns mit Kindern verkneifen können.

Der Große und ich drehen noch eine Runde mit dem Gaucho zu Pferd. Und dann kommt der Test, ob auch er zum Gaucho taugt; Lasso schwingen. Das aus Kuhhaut geflochtene Lasso ist gar nicht so flexibel, wie ich dachte. Doch der erfahrene Gaucho hilft unserem Sohn. Test bestanden! Ganz stolz kehren wir zurück zum Papa und dem Baby. Wir lassen den Tag ruhig ausklingen und wollen eigentlich gar nicht an morgen denken, weil wir uns hier so wohlfühlen.

Der älteste Gaucho (Stand 01/2018) unterhält uns mit seiner Musik.
Der älteste Gaucho (Stand 01/2018) unterhält uns mit seiner Musik. KLICK HIER UM ANZUSEHEN

Abschied

Am 13. Januar ist es soweit. Die Kinder hatten bei ihren Großeltern übernachtet, damit wir in Ruhe unsere Taschen packen können (Packliste). Zum Frühstück treffen wir uns dort alle noch einmal. Unser Zwergkaninchen bleibt derweilen bei meinen Eltern – Danke, liebe Eltern! – Obwohl ich es in besten Händen weiß, fällt der Abschied mir schwer, da es ja auch irgendwie ein Familienmitglied ist.

Schließlich ist Aufbruchstimmung und alles geht sehr schnell. Meine Eltern und meine Schwester begleiten uns zum Bahnhof. Unser Großer freut sich riesig darauf mit dem ICE zu fahren. In ca. 4,5 Stunden bringt uns der Zug zum Flughafen Frankfurt. Am Flughafen verläuft alles fast reibungslos, schließlich hatten wir den Online-Check-In am Vorabend genutzt. Nur sollten wir während des Langstreckenfluges nicht nebeneinander sitzen und auch kein Businette haben. Doch auch der Flug verlief prima und während der Landung lobten die Passagiere um uns herum unsere Jungs, wie ruhig und geduldig sie auf dem langen Flug waren. 

Kindeswohl?!

Schnell entschieden, lange Zeit zum Planen und doch kurzfristiges Buchen der Flüge.

Als die Entscheidung fällt, zu viert in die Ferne zu reisen, bin ich noch schwanger. Also ist alles noch offen, denn das Kindeswohl geht vor. Im Kopf spielen wir alles durch. Skeptiker und Befürworter unseres Vorhabens halten sich die Waage. Natürlich lassen uns die Argumente der Skeptiker nicht unberührt. Wir konsultieren unsere Hausärztin und auch die Kinderärztin, das Tropeninstitut und auch das Gesundheitsamt. Nichts spricht wirklich dagegen, wenn die Kinder gesund und geimpft sind und die Reiseroute unter Beachtung von Reisehinweisen sowie -warnungen des Auswärtigen Amtes gewählt ist. Die Flüge können wir ohnehin erst buchen, wenn das Baby geboren wurde.

Im Oktober ist unser zweites Kind dann endlich da. Die Aufregung steigt mit einem Mal. Jetzt wird es ernst! Der Impfplan tritt in Kraft. Im Dezember ist es soweit; Das O.K. der Kinderärztin. Das Round-the-World-Ticket machen wir uns zu unserem Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr.