Chico Norte bis Santiago

Für unseren Sohn ist es aufregend im Auto zu schlafen, er findet das „super cool“. Das Baby findet es auch nicht so schlimm, wenn es durchgehend durch die Fahrzeugbewegungen geschaukelt wird. So können wir entspannt entlang der Panamericana Richtung Süden, Santiago fahren. Eine Stunde nach Mitternacht darf mein Mann schließlich auch die Nachtruhe antreten und ich führe den Chevrolet weiter bis auch ich nach ungefähr fünf Stunden mit den Augenlidern kämpfe. Wie schön wäre jetzt ein Camper, denke ich mir so und schlafe ein, nachdem ich das Auto im Schatten eines LKWs geparkt habe.

Tag 1 Bahía Inglesa mit Strandvergnügen und Ceviche

Nach zwei Stunden nehmen wir wieder die Fahrt Richtung Bahía Inglesa auf und müssen kurz vorm Schluss unserer Südamerikatour feststellen, dass es sich tatsächlich leichter für uns mit einem Camper reisen lassen hätte. An nahezu jeder COPEC-Tankstelle entlang der Panamericana gibt es gepflegte Duschen und Toiletten, Frühstück und freies W-Lan.

Entlang der Panamericana
Entlang der Panamericana

Als wir Caldera erreichen, stellen wir fest, dass wir das bunte Wochenendtreiben heute gar nicht brauchen und lieber direkt in Bahía Inglesa bleiben wollen, auch wenn die Unterkunftspreise uns dort mit dem erhobenen Zeigefinger des Budgets konfrontieren.

Spielen in Bahía Inglesa
Spielen in Bahía Inglesa

Es ist ein ganz kleiner gemütlicher Ort mit einem sehr netten Ambiente, in dem wir eine Cabaña mit Pool, und nur ein paar Schritte bis zum herrlichen Muschelsandstrand entfernt, finden. Das nutzen wir natürlich für ausgiebiges Spielen und Sammeln. Im Restaurant Alto Bahia  probieren mein Mann und der Große das von Mario empfohlene Ceviche. Danke für den Tipp! Es ist ein Gericht aus eingelegten Meeresfrüchten serviert in einem großen Salatblatt und schmeckt vorzüglich.

Ceviche - Typisch chilenisches Gericht aus verschiedenem Fisch
Ceviche – Typisch chilenisches Gericht aus verschiedenem Fisch

Während wir noch ein bisschen im Lokal klönen, den Blick über den Strand genießen und dabei unseren Sohn beim Buddeln beobachten, stellt sich der Abend ein. Wieder haben wir unzählige Muscheln und Strandgut gefunden, welche wir am Liebsten nach Hause tragen würden. Nachdem wir überlegen wie viele Taschen wir noch kaufen müssen um dies Sammelleidenschaft bis zum Ende fortzuführen, entscheiden wir uns, nicht einstimmig, die Juwelen, so nennt unser Sohn die Fundstücke, in ihrer Heimat zu belassen. Zufrieden fallen wir am Abend jeder in sein eigenes Bett.

Tag 2 Bahía Inglesa nach Vallenar

Den Vormittag wollen wir noch ein bisschen in der Sonne in Bahía Inglesa vertrödeln, gemütlich einen Kaffee trinken, spielen, lesen, skypen … bis zum Mittag.

Bahía Inglesa, ein kleiner hipper Badeort mit weißer Bucht und glasklaren Wasser
Bahía Inglesa, ein kleiner hipper Badeort mit weißer Bucht und glasklaren Wasser

Der Strand ist einfach herrlich, die Sonne streichelt uns mit ihren warmen Strahlen und die entspannte Stimmung des Ortes lässt uns nicht recht fahren. Ein Saft noch und noch Empanadas und noch … , aber dann … Wir müssen weiter!

Unser nächstes Ziel ist Vallenar. Der Ausgangspunkt des Huasco-Tals. Wir haben einen super Preisknüller erwischt. Ein Dreibettzimmer mit eigenem Bad und Pool vor der Tür sowie Frühstück inklusive. Die entspannte Stimmung wollen wir uns jetzt nicht nehmen lassen.

Ein riesiges Legomännlein begrüßt die Kinder auf dem Plaza in Vallenar
Ein riesiges Legomännlein begrüßt die Kinder auf dem Plaza in Vallenar

Also als erstes ein Sprung in den Pool. Dann haben wir schließlich doch noch was auf der To-Do-Liste stehen; Windeln einkaufen.

Das wollen wir gleich mit einem Stadtspaziergang verbinden. Heut scheint der Tag der tollen Angebote zu sein. In der Farmacia gegenüber bekommen wir zwei Packungen Pampers(R) mit 72 Stück pro Pack für 28.000 CLP. Wir sind stolz darauf, dass wir heute was einsparen können.

Die Kirche am Plaza in Vallenar
Die Kirche am Plaza in Vallenar

Da wir für den restlichen Tag nicht so viele Windeln benötigen, beschließen wir unsere Schnäppchen noch in die Unterkunft zu bringen bevor wir unseren Stadtspaziergang fortsetzen. Sehr groß ist die Stadt nicht, aber für eine dreiviertel Stunde sind wir bummelnd beschäftigt. Die Hauptattraktion des Ortes ist der Plaza, wo sich auch die Kirche befindet, deren Glockenturm stündlich eine andere Melodie vorspielt. Es findet gerade eine Ostermesse statt, die wir noch besuchen, da wir irgendwie dieses Fest auch nicht missen wollen.

Tag 3 Grünes Huasco-Tal am Río Huasco

Nach dem Frühstück entscheiden wir uns das Huasco-Tal landeinwärts zu entdecken. Die Wirtin hat uns einen ganz tollen Wasserfall versprochen, einfach entlang der Hauptstraße. Wir werden ihn nicht übersehen können. Bei diesen Worten bekomme ich ein nervöses Zucken am Auge. Der Reiseführer schreibt von „dicken Oliven, den Pisco sowie einen köstlichen Süßwein“.

Der Wasserfall, welcher sich als Überlauf des riesigen Stausees entpuppt.
Der Wasserfall, welcher sich als Überlauf des riesigen Stausees entpuppt.

Entlang der Strecke sehen wir die Terrassenanbaukünste des Weins, einen glasklaren großen Stausee und etliche Hinweise auf die Auseinandersetzungen des umstrittenen Bergbauprojektes im Jahr 2009 (Empfehlung von Lonely Planet: Dokumentarfilm Cry of the Andes).

Zeichen der Auseinandersetzung mit dem Thema Bergbau
Zeichen der Auseinandersetzung mit dem Thema Bergbau

Der Wasserfall und die dicken Oliven bleiben uns verborgen. Später zeigen wir der Wirtin die Fotos aus dem Tal. Dabei entpuppt sich der Überlauf des Stausees als Der Wasserfall. Die dicken Oliven finden wir wahrscheinlich auf der anderen Seite der Panamericana, Richtung Pazifischen Ozean.

Wie gut, dass wir Werkzeug gekauft haben. Unser Sohn testet den Toleranzbereich seiner Brille beim aussteigen aus dem Auto. Pappa wird´s schon wieder reparieren.
Wie gut, dass wir Werkzeug gekauft haben. Unser Sohn testet den Toleranzbereich seiner Brille beim aussteigen aus dem Auto. Papa wird´s schon richten!

Im Supermercado holen wir uns noch schnell die Zutaten für unser Abendbrot, bevor wir es uns heute Abend richtig gemütlich machen. Die Augen meines Mannes tun ihm ohnehin weh, sodass wir uns alle für „Couchen“ mit „Kevin allein zu Haus“ entscheiden. Zuvor hat er aber noch ein Projekt: “Rette die Brille”. Unser Sohn hat es beim Aussteigen aus dem Auto geschafft auf seine Brille zu treten. Vermutlich hatte er nicht gemerkt, dass sie still und heimlich von seiner Nase gehüpft ist. Auch wenn die Chancen für das Nasenfahrrad zunächst schlecht aussehen, unser Feinmotoriger der Familie rettet sie.

Tag 4 La Sereña Stadtspaziergang

Unsere Wirtin hat Geburtstag, daher wird es heute ein ausgedehntes Frühstück. Auf die reichhaltige Torte verzichten wir lieber. In aller Ruhe packen wir danach das Auto und steuern schließlich unser nächstes Zwischenziel an. Dorthin wollen wir aber nicht einfach nur über die Panamericana donnern, sondern machen einen Abstecher in das Reserva Nacional Pingüino de Humboldt.

Das Wetter ist nicht besonders förderlich heute für Aktivitäten, aber sehen wollen wir es dennoch. Herrliche riesige Muscheln finden wir dort, die wir unbedingt brauchen.

Die Kirche von La Sereña sehen wir schon von Weitem
Die Kirche von La Sereña sehen wir schon von Weitem
Stadtspaziergang in La Sereña
In den Straßen bei einem Stadtspaziergang in La Sereña

 

 

 

In La Serena haben wir am Nachmittag genug Zeit für einen langen Stadterkundungs-spaziergang. Da wir unseren Tag ziemlich spät abschließen, freunden wir uns gar nicht erst mit dem Gedanken an, eine Unterkunft zu finden. Abenteuer-Camping im Auto ist wieder angesagt. Die Kinder stört das wieder überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Nur wir können diese Nacht nicht so richtig bequem werden. Also lassen wir sie einfach nicht zu lange dauern …

Tag 5 Völlig unkompliziert im Deutschen Krankenhaus in Santiago

… bei Zeiten brechen wir auf zu unserem letzten Ziel in Chile. Wir fahren wieder in Unsere Stadt, mit einer Abkürzung über die Berge (statt durch den Tunnel), die uns gefühlt eine Stunde später ankommen lässt. Wieder in Das Hostel, wo wir auch wieder Max, Barbara und das restliches Team treffen.

In diesem Sinne; ¡Muchos salutos a los todos! Tenemos disfrutado mucho nuestro quedarse en La Insolente Principessa!

Bis wir in unser Zimmer können, malen, schreiben und bilanzieren wir im gemütlichen Innenhof. Und schließlich genießen wir das fließend Warmwasser.

Clinica Alemana in Santiago de Chile
Clinica Alemana in Santiago de Chile

Der Tag ist angerißen und viel können wir nicht mehr anstellen. Also entscheiden wir, dass wir gleich heute den unliebsamen Gang ins Krankenhaus erledigen. Zu unserer Überraschung geht alles ganz schnell. Ohne Verordnung vom Arzt, direkt im Labor des Krankenhauses wird mir das Blut abgenommen und das Ergebnis schließlich per E-Mail zugesandt.

Tag 6 Ostern in Santiago

Übermorgen werden wir Chile verlassen und haben etwas Not mit unserem Gepäck aufgrund von so einigen Schnäppchen unterwegs. Nach unseren Recherchen und mit starkem Zeitdruck setzen wir auf Rot. Rot ist das Logo der nationalen Post Correos Chile.

Päckchen nach Hause aus Chile
Päckchen nach Hause aus Chile

Wir haben die Wahl zwischen 120.000 CLP mit DHL oder 65.000 CLP mit Correos Chile. Den DHL-Preis halten wir für völlig überzogen. Hoffentlich werden wir diese Entscheidung später nicht bereuen.

Unser Flugzeug wird uns morgen nach Ecuador bringen. Die Einreise auf Galapagos ist nicht ohne Weiteres möglich. Die Inselgruppe gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO und wird durch den Nationalpark der Galapagosinseln geschützt. Es gibt einige Einreisebestimmungen, die dringend beachtet werden müssen. Da wir dort als Freiwillige arbeiten wollen, müssen wir heute noch  einige Zertifikate ausdrucken, wofür wir uns allerdings auch noch einen USB-Stick zuvor besorgen müssen. Kurz vor Schluss des Kopierservices bekommen wir unsere Kopien, also quasi Last-Minute.

Wir haben Ostern und der Große hofft so sehr darauf, dass der Osterhase nach Chile findet. Also müssen wir auch noch kurz vor Feierabend etwas finden, was die selben Kriterien erfüllt, wie das Geburtstagsgeschenk. Wir verzweifeln schon als uns endlich die Idee kommt. In einer der Vorschul-Apps lernt er gerade die Uhr. Seine Armbanduhr hatten wir bewusst zu Hause gelassen, damit wir niemandem die Gelegenheit bieten. Also holen wir an einem Ramschladen eine billige Armbanduhr, die zumindest funktioniert. Es ist schwierig den Kauf so abzuwickeln, dass das Kind nichts davon bemerkt. Da aber das Baby gerade ungeduldig wird und was zu Essen möchte, wird er abgelenkt.

Der Osterhase war auch in Santiago de Chile da
Der Osterhase war auch in Santiago de Chile da

Während wir im Hostal wieder eine Veggi-Paella kochen, hoppelt der Osterhase endlich durch den Hof. Pünktlich zum Abendbrot findet unser Sohn dann auch das Osternest, was offensichtlich viel zu offensichtlich versteckt war um gleich gefunden zu werden. Den Abend lassen wir gemütlich ausklingen.

Tag 7 Sachen packen und Reisevorbereitungen

Heute heißt es endgültig Sachen (um)packen. Also ist auch nochmals Waschtag und Resteessen angesagt. Wir überprüfen ein letztes Mal die Einreisebestimmungen für Galapagos und bereiten uns einen Spickzettel.

Den restlichen Tag genießen wir im Hostal mit Gesprächen mit neuen und alten Bekanntschaften und UNO spielen.

Im Hostal wohnt ein begabter Künstler mit uns und macht unseren Sohn zu seinem Superhelden!
Im Hostal wohnt ein begabter Künstler mit uns und macht unseren Sohn zu seinem Superhelden!

Tag 8 Schwerer Abschied in Santiago

Um zwölf am Mittag lassen wir Santiago hinter uns zurück, um das Auto zurück zu bringen und unseren Flug einzuchecken. Heute rollen bei mir dicke Tränen, denn unsere Zeit hier geht nun definitiv zu Ende und es ist damit Halbzeit! Eine intensive Zeit mit meinen drei Jungs in einer sehr herzlichen Welt, wie wir sie in Deutschland kaum noch kennen.

Feuerland mit Erinnerungen

Pünktlich bringt uns das Taxi zum Flughafen. Keine Adrenalinschübe, nichts vergessen, keine Hürden am Check-In. Nach vier Stunden Flug landen wir in Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt.

Die Landung war schon beeindruckend; Wir flogen aus dem klarblauen Himmel mit Sonnenschein durch dicke fette Wolken, direkt auf die Berge zu, deren Kuppen zum Teil mit Schnee bedeckt waren. Die großen Kreuzfahrtschiffe im Hafen waren in der Bucht zu sehen. Und von oben sah der Ort klein und gemütlich aus.

Unser Großer hat gleich wieder einen Freund gefunden, mit dem er über den kleinen Flughafen Fangen spielt, während wir auf die Remise warten, die uns zur Jugendherberge bringen soll. Keine halbe Stunde dauert die Fahrt dorthin. Und die nächste Überraschung wartet schon. Unsere Betten wurden doppelt vergeben, doch die anderen waren eher da. Da hier Familien mit Kindern heilig sind, müssen wir uns nicht selbst um die Lösung dieses Problems kümmern. Der Besitzer bringt uns zu einem Hotel, in dem wir die nächste Nacht verbringen werden. Wir beschließen den restlichen Tag für die Erkundung von Ushuaia zu nutzen. Wir laufen durch den langgezogenen Ort und suchen nach den bunten kleinen Häuschen von denen mein Schwiegervater erzählte. Er war vor einigen Jahren hier.

Mit dem englischen Oldtimer durch Ushuaia. Es gibt nicht all zu viel zu sehen, aber das was es gibt, ist mit Kindern ungünstig zu erlaufen. Es ist auch irgendwie charmant mit dem Oldtimer die Gegend zu entdecken.
Mit dem englischen Oldtimer durch Ushuaia

Es hat sich inzwischen viel getan. Die Stadt ist gewachsen und zählt schon 7000 Einwohner, wie wir während der kleinen Stadtrundfahrt im englischen Oldtimer-Doppelstockbus erfahren. Im Anschluss gönnen wir uns heute einen Besuch im Restaurant. Der Weg zum Hotel ist weit zu Fuß und kalt, sodass ich das Kind mit Geschichten bei Laune halten muss und es freudig am Ziel feststellt, dass der Fußmarsch gar nicht so schlimm war. Halb erfroren kuscheln wir uns in unsere Betten und …

Tag 1 Organisation und Stadtbummel

Einkaufen in Ushuaia für den Alltag kann man im hiesigen Supermarkt. Es gibt alles, was es in Deutschland auch gibt.
So kaufen Wolfs ein; Warum einen Korb, wenn man einen Wagen hat?!

… verschlafen es. Kurzer Ansturm von Hektik. Heute ziehen wir uns warm an! Nach dem Frühstück werden wir zur Jugendherberge zurück gebracht. Skypen mit den (Groß-)eltern. Obwohl eher nur mit den Eltern, da der Große im Innenhof mit der Katze und zwei anderen Kindern spielt. Hier kann er auf Bäume klettern und mit einem Stein einen Sperr schnitzen. So sieht er schließlich später auch aus. Das Baby haben wir warm eingepackt und im Kinderwagen in den Innenhof vor unsere Glastür geparkt.

Was wir hier machen wollen ist schon lange klar. Müssen wir das Ganze nur noch organisieren. Theoretisch geht alles ganz schnell. Doch plötzlich ist die VISA-Karte gesperrt. Eins haben wir uns zum Vorsatz gemacht: Erstmal Ruhe bewahren und schauen woran es liegt und welche Lösungsmöglichkeiten es gibt. Auf unsere Ansprechpartnerin in unserer heimischen Bank war bisher immer Verlass. Und wir werden auch diesmal nicht enttäuscht. Das Kreditinstitut hatte wegen Verdacht auf Kartenmissbrauch die Karte gesperrt. Wir vermuten aufgrund des mehrfachen Länderwechsels in kurzer Zeit. Also brauchen wir uns tatsächlich nicht erst eine Eigenschaft angewöhnen, die eh nicht zu uns passt.

Nervös werden wir aber als man uns in der Jugendherberge sagt, dass wir schnellstens den Bus buchen müssen, da aktuell viele nach El Calafate wollen und es kaum noch Plätze gäbe in der nächsten Zeit. Also schnell zum Schalter. Den restlichen Tag schlendern wir durch den Ort, besuchen die Kunstpassage und organisieren uns für Dienstag ein Boot zu den Pinguinen. Im Supermarkt holen wir uns die Zutaten für Spagettis „á la Casa“ (wie zu Hause) und Fingermalfarben. Verzweifelt versuchen wir die nächste Jugendherberge und ein Auto in Calafate zu reservieren. Doch das Internet funktioniert nicht so recht.

Tag 2 Parque Nacional Tierra del Fuego

Zur Erinnerung: "Wir waren hier" . Die ganze Wand ist vollgeschrieben von Gästen, die bereits hier waren. Auch unser Sohn verewigt sich.
Zur Erinnerung: “Wir waren hier”
Spielen, Malen, Basteln ... Auch das muss mal sein!
Spielen, Malen, Basteln … Auch das muss mal sein!

 

 

 

 

 

 

 

Der Große möchte erstmal spielen, malen und basteln. Wir gewähren ihm diese Zeit und bemalen gemeinsam einen großen Stein mit der neu erworbenen Farbe. Am Nachmittag lassen wir uns zum Parque Nacional Tierra del Fuego fahren um dort etwas zu wandern. Zwei Stunden laufen wir entlang der Lagunen und durch kleine Wälder, aber auch Schotterpisten,auf denen Verkehr ist, den man in dem Ausmaß in einem Nationalpark nicht erwartet. Wir freuen uns auf die Pinguine. Als Vorboten finden wir nach, ich weiß nicht wie vielen Fastfoodketten-Besuchen, den “Waddel” mitten in einem Spielzeugladen.  Als wir zur Unterkunft laufen, werden wir aufmerksam auf heimkehrende “Bomberos”.

Feuerwehr von Ushuaia
Feuerwehr von Ushuaia

Hier machen wir noch einen kurzen Stopp um die Fahrzeuge mit dem Fuhrpark der heimischen Feuerwache zu vergleichen. Das Kind fordert mich auf dem “Kollegen” zu erzählen, dass er Bambini-Feuerwehrmann ist. Schließlich darf er sogar auf den Oldtimer. Später in der Unterkunft sagt er mir: “Mama, ich bin so glücklich” und schläft zufrieden ein.

Tag 3 Pinguine

Mit einem kleineren Boot zur Tierbeobachtung vor Ushuaia
Mit einem kleineren Boot zur Tierbeobachtung vor Ushuaia

Am Vormittag entspannt sich das Thema Unterkunft in El Calafate. Es gab kaum noch Unterkünfte, die zu unserem Budget passen. Doch telefonisch können wir uns noch drei Betten in einem Sechs-Bett-Zimmer reservieren. Das Baby wird bei mir schlafen. Und schließlich treten wir den lang ersehnten Ausflug an. Mit dem Boot fahren wir im Beagle Kanal zunächst zu dem bekannten Leuchtturm des südlichsten Ortes der Welt. Dort tummeln sich Seelöwen und Kormorane.

Den Seelöwen ganz nah vor Ushuaia, Feuerland
Den Seelöwen ganz nah vor Ushuaia, Feuerland

Weiter geht’s vorbei an Puerto Williams (Insel Navarino, Chile) zur Estancia Harberton. Der Große möchte am Liebsten die ganze Fahrt vorn stehen. Doch das ist viel zu windig. Und schließlich das Highlight für uns alle; Wir gehen an Land auf der Isla Martillo und spazieren zwischen hunderten von Pinguinen entlang. Hier leben Magellan- und Gentoo-Pinguine (der einzig wahre Linux-Pinguin, gibt mein Mann mir zu verstehen). Und zu unserer Überraschung sind sogar zwei Königspinguine (zweitgrößte Art der Welt) da, die eigentlich in der Antarktis leben und hier nur zum Fischen herkommen. Unser Sohn ist ganz aus dem Häuschen, so nah den Tieren sein zu können. Man darf die Tiere natürlich nicht berühren. Das würden sie auch durch beißen verhindern, wie uns ein furchtloser Pinguin andeutet. Er stellt sich uns mitten in den Weg und will mit seinem Schnabel an unseren Hosenbeinen ziehen.

Als wir zur Estancia zurückkehren, genießen wir noch selbst gebackenen Kuchen und Tee und machen uns schließlich auf den Rückweg. Viel haben wir hier an den verstorbenen Schwiegervater gedacht und werfen als Gruß noch jeder eine Blume in den Kanal, da er das Wasser liebte. Wir sind erst halb elf in der Nacht von unserem Ausflug zurück. Bleibt nicht viel Zeit zum Schlafen. Der Bus startet 5:00 Uhr in der Frühe nach Rio Gallegos.

Auf der Rückfahrt darf der Große das Boot mit lenken.

San Antonio de Areco und die Suche nach den Gauchos

Es ist Sonntag Morgen und es kommt leicht Hektik auf, denn die Taschen gehen nicht mehr zu. Wir müssen zum Bus, der uns nach San Antonio de Areco zu den Gauchos bringen soll. Der Laptop schalt; Die (Groß)eltern wollen mit uns skypen. Dazu ist aber erst einmal eine Fernwartung nötig, denn wir hören sie nicht. Die Zeit läuft. Das Gespräch wird kurz und bündig, wir verabreden uns für nächstes Wochenende im Skype.

Mit zwei großen und zwei kleinen Rucksäcken, Kinderwagen mit Babyschale, Wickeltasche und einer Fototasche ziehen wir zu Fuß durch Buenos Aires zum Busbahnhof.

Vollbeladen durch Stadt zum Busbahnhof
Vollbeladen durch Stadt zum Busbahnhof

Wir brauchen ungefähr eine Stunde. Schließlich stellen wir fest, dass der Fahrplan im Internet offensichtlich nicht auf dem Laufenden ist. Statt 13:10 Uhr fährt der Bus erst 17:30 Uhr. Also heißt es 4,5 Stunden warten.

Gerne hätten wir unser Gepäck eingeschlossen um noch ein bisschen am Fluss lang zu spazieren bis zum Antikmarkt, der wohl jedes Wochenende bei dem Parque Natural y Reserva Ecológica Costanera Sur ist. Doch es gibt keinen Locker (Spind) mehr, der unsere Gepäckgröße und -menge fassen kann. Wir kapitulieren friedlich und beschließen uns im Wartebereich niederzulassen. Mit Malen, Essen und Trinken, Tickets kaufen und Rucksäcke in Schutztaschen zu verstauen geht die Zeit doch relativ schnell um.

Als wir San Antonio de Areco gegen 20:30 Uhr erreichen regnet es. Unser Regenschutz für Kinderwagen und Co., wie soll es anders sein, befindet sich tief im Gepäck. Unsere Jacken müssen nun das Kind und das Baby vor der Nässe schützen (Test bestanden). Voll beladen kämpfen wir uns über die nasse Straße entlang des für Kinderwagen nicht geeigneten Fußweges. Die Herberge, die wir für uns im Vorab ausgewählt hatten bietet keine Unterkunft mehr: „No hay habitaciones!“.

Wir bekommen den freundlichen Rat zur Polizei zu gehen, da diese Stadt um diese Jahreszeit eher nicht auf Tourismus eingestellt ist. Doch wir haben ja noch eine Alternative im Internet gesehen, die wir vor der Notvariante ansteuern wollen. Und tatsächlich! Kaum betreten wir die Einfahrt des Grundstücks, reist schon der Hausherr die Doppeltür auf, damit wir eintreten können. Zwei Blocks weiter genießen wir eine Abwechslung zum Abendessen; Gemüse aus dem Wok und geräucherter Lachs. Unser Sohn möchte einfach nur Spaghetti mit Tomatensoße und Käse. Spät und müde fallen wir in unsere Betten.

Tag 1 Keine Gauchos in San Antonio de Areco?

Nach dem Frühstück fragen wir unsere Gastgeberin nach den Gauchos. „No hay Gauchos!“ Oh nein, es gibt keine Gauchos! Warum sind wir dann hierher gefahren?! Sollen die plötzlich weg sein! Ich hatte doch darüber gelesen und vor allem meinem Sohn erzählt. Wie soll ich ihm das bloß erklären? „Nein“, denke ich „so schnell werfe ich das Handtuch nicht!“ Auf zur Information der Stadt! Dort erfahren wir, dass es in dieser Stadt einen Park, ein Stadt- und ein Gauchomuseum gibt. Gauchos kommen nur im November zum Festival hierher. Es gibt allerdings Estancias, die zwischen 15 und 16 Kilometer entfernt sind, wo man eventuell Gauchos treffen kann. Man sollte allerdings vorher anrufen, ob es möglich ist.

Am Markt von San Antonio de Areco
Am Markt von San Antonio de Areco

Ein Bus fährt da allerdings nicht hin. Ein Auto mieten kann man in dieser Stadt auch nicht. Jetzt sind wir extra wegen der Gauchos nach San Antonio de Areco gekommen und sollen keine sehen können. „Kommt gar nicht in Frage!“ beschwert sich unser Sohn. In einer Bar, in der wir uns ratlos niederlassen, erzählen wir unseren Kummer dem Kellner. Der macht uns Mut und erzählt uns wie wir dahin kommen können. Die einzige Möglichkeit bleibt schließlich die Remise (Konkurrenz zum Taxi).

Vor der Information, am Vormittag, trafen wir Martin, einen Landsmann, der seit 8 Jahren nach Südamerika kommt um hier mit einem umgebauten LKW Land und Leute zu entdecken. Wir verbringen den Nachmittag mit ihm und lauschen gespannt seinen Tipps für unsere weitere Reise während unser Großer vergnügt mit dessen Ball spielt.

Am Abend schlendern wir noch ein bisschen durch den Ort, am Park und dem Gauchomuseum vorbei, kaufen im Mercado noch ein paar Dinge für das Abendessen ein und kehren schließlich zurück zur Unterkunft.

Unser Großer beginnt damit sich furchtbar zu kratzen (das hatte er schon einmal auf dem Flughafen Frankfurt getan). Wir haben keine Not, denn unsere Reiseapotheke ist bestens bestückt. Doch in der Nacht erwachen wir, weil er unbedingt duschen möchte, da es juckt. Wir erschrecken uns sehr, weil er überall geschwollene Flecken hat. Das nächste Krankenhaus, so meinen wir, ist zwei Stunden entfernt. Etwas Panik kehrt ein. Verzweifelt und mit großer Hoffnung fotografiere ich meinen Sohn und sende diese Bilder an unsere Kinderärztin.

Tag 2 Einzug bei den Gauchos

Wir sind glücklich als wir am frühen Morgen ihre E-Mail lesen.              – Vielen Dank an unsere Kinderärztin, dass sie für uns auch in der Ferne da ist! – Durch ihren Rat ist am Nachmittag schon fast alles wieder vergessen.

Gaucho bei der Arbeit
Gaucho bei der Arbeit

Es ist beschlossen: Jetzt suchen wir erst recht die Gauchos. Wir laufen zur Remisestation und erfragen den Preis. Der Fahrer ist aber so lieb und ruft zuvor bei einer der Estancias, der Estancia la Portena de Areco an, ob wir überhaupt kommen können. Alles kein Problem, sie erwarten uns zum Mittagessen. Juhu! Während der Fahrt wird uns klar, warum hier kein Bus hin fährt. Die ca. zwei Kilometer lange Zufahrt ist ein Feldweg.

Wir werden bereits erwartet. Es gibt eingelegtes Gemüse, Empanadas (Fleisch- und Veggivariante), Kartoffel- und Gemüsesalat, gegrilltes Gemüse und gegrilltes Fleisch (Huhn und „Lomo“). Nach dem Essen erzählt uns die Hausherrin über die Geschichte der Estancia und deren Bewohner. Als Highlight dürfen wir auch noch mit einem Gaucho gemeinsam ausreiten.

Ausritt mit dem Gaucho
Ausritt mit dem Gaucho

Nach unserer Rückkehr gibt’s selbst gebackene Kuchen und Kekse mit Tee. Die Hausherrin fragt uns, ob wir bleiben möchten. Wir erklären ihr, dass wir unsere Sachen in einer anderen Unterkunft haben und die Gastgeberin sehr wahrscheinlich beleidigt sein wird. Doch per Telefon ist alles schnell geklärt.

Mein Mann fährt mit der bestellten Remise zurück in die Stadt um das Gepäck zu holen und wird anschließend vom ältesten Gaucho von San Antonio de Areco dort abgeholt, während ich ausgelassen mit unseren beiden Söhnen im Pool bade. Dann zeigt uns eine Angestellte der Farm unser Zimmer. Wir sind überwältigt! Als abschließende Krönung des Tages gibt es ein Dreigang-Menü zum Abendessen; Süßkartoffelsuppe, Pasta und Budin dazu einen Wein aus Mendoza. Zufrieden fallen wir ins Bett.

Tag 3 Entspannen bei den Gauchos

Den Gauchotest hat unser Sohn erfolgreich bestanden.
Den Gauchotest hat unser Sohn erfolgreich bestanden.

Heute wollen wir einfach entspannen und genießen. Dementsprechend lassen wir es ruhig angehen. Da sogar unsere Wäsche gewaschen wird, brauchen wir wirklich nichts machen. Zum Mittag kommen weitere Gäste. Witzig! Denn hier, ab vom Schuss, treffen wir wieder Deutsche. Janine und ihr Mann sind allerdings schon seit 6 Jahren in Buenos Aires sesshaft und besuchen mit ihren Freunden aus der alten Heimat hier die neuen Freunde. Auch sie haben viele Tipps für uns was geht und was wir uns mit Kindern verkneifen können.

Der Große und ich drehen noch eine Runde mit dem Gaucho zu Pferd. Und dann kommt der Test, ob auch er zum Gaucho taugt; Lasso schwingen. Das aus Kuhhaut geflochtene Lasso ist gar nicht so flexibel, wie ich dachte. Doch der erfahrene Gaucho hilft unserem Sohn. Test bestanden! Ganz stolz kehren wir zurück zum Papa und dem Baby. Wir lassen den Tag ruhig ausklingen und wollen eigentlich gar nicht an morgen denken, weil wir uns hier so wohlfühlen.

Der älteste Gaucho (Stand 01/2018) unterhält uns mit seiner Musik.
Der älteste Gaucho (Stand 01/2018) unterhält uns mit seiner Musik. KLICK HIER UM ANZUSEHEN