Santiago de Chile – Unsere Stadt

… Am Busbahnhof von Temuco angekommen, überlegen wir nicht lange. Der Ort ist ewig lang und wir haben keine Karte, außerdem keine Lust mit dem schweren Gepäck auf Unterkunftsuche zu gehen. Ich beginne bei den unzähligen Busanbietern nach dem nächsten Bus nach Santiago abzufragen.

Beim fünften Anbieter geht der Bus in 30 Minuten und kostet nur 26.000 CLP für uns alle. Den nehmen wir! Doch wir haben keinen Proviant und die Fahrt wird lang. Also kurz auf Hektik umschalten; während mein Mann mit den Kindern am Bus wartet, rase ich durch die Halle des Busbahnhofes und klapper die Kioske ab. Das Ergebnis ist nichts für Gourmets, aber stellt die Mägen ruhig und stillt den Durst. Zehn Stunden Busfahrt stören uns gar nicht mehr. Ganz im Gegenteil. Der Große freut sich auf das Fernsehprogramm, mein Mann kann in Ruhe Musik hören, ich schreibe für den Blog und das Baby schläft oder spielt.

Mitten in der Nacht weckt uns der Stuart des Busses. „¿A donde van?“ Er will wissen, wohin wir wollen, denn wir sind eigentlich an der Endstation und der Bus ist leer. Nur wir sitzen noch drinnen. Total verschlafen quälen wir uns aus den „Semi-Cama“-Sitzen. Kurzfristige Aufgabenaufteilung ist wieder angesagt. Die Kinder verlassen mit meinem Mann den Bus um das restliche Gepäck zu sichern. Meine Aufgabe ist es das Gepäck von den Sitzen einzusammeln. Leider gelingt mir das in meiner Trance nur mäßig, wie wir wenig später feststellen müssen.

Da stehen wir nun mit der Situation überfordert. Wir sammeln uns erstmal im Gebäude des Busbahnhofes. Rettung! Durch Zufall entdecke ich, dass das Busunternehmen eine „Expressübernachtung“ anbietet im gleichen Gebäude. Noch einmal nehmen wir all unsere Kräfte zusammen und bringen alles in den 2. Stock.

Tag 1 Richtig ankommen in Santiago

Richtig ankommen in Santiago de Chile
Richtig ankommen in Santiago de Chile

Um zwölf Uhr müssen wir erst das Zimmer verlassen, was wir natürlich ausnutzen um auszuschlafen und W-Lan zu nutzen. Zweites gab es bei den Mapuche in der Ruka natürlich nicht.

Mit dem Taxi kommt man hier auch günstig von A nach B. Mit dem Gepäck entscheiden wir uns nach dem Frühstück auch für diese Variante. Als wir ankommen, freuen wir uns über unsere Wahl dieses „Green Hostals“. Es hat einen hübschen kleinen Innenhof mit Gartenmöbeln und einem Kickertisch sowie großzügige Betten in den Zimmern. Hier wollen wir erstmal ankommen und einen Plan für die Erkundung der Stadt schmieden. Und wie soll es anders sein; unsere Söhne haben wieder die Herzen der anderen Gäste und des Personals erobert. Während das Baby durch die Gegend geschleppt wird, kickert der Große mit seiner neuen 19-jährigen Freundin Svenja. Diese Idylle wollen wir gerade nicht zerstören, weshalb mein Mann im Supermarkt um die Ecke schnell Zutaten für Pasta al la Casa holt. So lassen wir den Tag ruhig ausklingen.

Tag 2 Santiago zu Fuß zum Frauentag

Es gibt ein paar Dinge, die wir heute besorgen wollen und müssen. Seit die Brille meines Mannes abhanden gekommen und er seitdem auf Kontaktlinsen angewiesen ist, hat er ein bisschen Probleme mit den Augen. Beim Optiker holen wir nicht nur neue Reinigungsflüssigkeit für die Linsen sondern auch eine Sonnenbrille. Für das Baby haben wir keine Wechseljacke eingepackt. Die Stellen, wo es drauf gespien hat, werden schon leicht steif, ganz zu schweigen vom Geruch. Also brauchen wir auch ein Babygeschäft, in dem wir Gott sei Dank auch gleich die Stilleinlagen bekommen. Unser Sohn findet eine Kette, wie Mogli aus dem Dschungelbuch sie auch hat.
Heute ist Frauentag, weshalb die Frauen alle eine Blume bekommen haben und in der Stadt eine Demonstration der Feministinnen stattfindet.

Frauentagsbewegung in Santiago de Chile
Frauentagsbewegung in Santiago de Chile

Durch die Fußgängerzone strömen die Menschen. Achtung auf die Wertsachen ist angesagt! Wir werden auch so gleich Zeugen, wie ein Mann vom Postboten verfolgt wird, weil er dem offensichtlich gerade eine Fracht entwendet hat.

Auf unserem Weg besuchen wir das Museo Nacional de Bellas Artes, das Künstlerviertel Barrio Bellavista und natürlich auch den Spielplatz. Auf dem Rückweg stoßen wir auf eine Menschenversammlung vorm Palacio de La Moneda, überwacht von Polizisten. Das interessiert mich. Ich kann es mir nicht verkneifen und frage einen Polizisten, was hier los ist. Er gratuliert mir darauf zum Frauentag und fragt, ob ich denn von meinem Mann heute nichts geschenkt bekommen habe. Doch ich habe, wenn auch nicht mit dem Hintergedanken des Frauentage – eine handgemachte gelbe Strickjacke. Das Baby brauchte eine, da musste ich glatt Solidarität zeigen. Der Polizist freut sich für mich und lädt uns herzlich zur Aufführung anlässlich dieses Feiertages ein, die hier 21:30 Uhr stattfindet. Zu gerne hätte ich die Einladung angenommen, aber mit Kindern zu reisen, bedeutet eben auch gewiße Einschränkungen zu akzeptieren. Stattdessen koche ich zur Feier des Frauentages eine vegetarische Paella.

Tag 3 Santiago Hop-on-Hop-off

Im Großraum Santiago leben etwa die 50 Prozent der Chilenen, in der Stadt Santiago de Chile, die grüne Hauptstadt Chiles, leben ungefähr 30 Prozent der Chilenen. (Zur Größe: 18 Mio Einwohner in Chile davon 5,5 Mio Einwohner in Santiago de Chile.) Das können wir auf keinen Fall erlaufen. Wir entscheiden uns wieder für den Hop-on-Hop-off-Bus, auch wenn es diesmal nicht gerade Budgetkonform ist. Man kann es zwei Tage nutzen. Also wollen wir es am Abend im Hostel zum halben Preis anbieten. Mit dem Bus gewinnen wir auch wieder einen Überblick über die Stadt. Im Preis inbegriffen ist die Standseilbahn auf den 880 Meter hohen Cerro San Cristóbal, wo sich neben einer Kirche, einem Amphitheater und der Statue der Jungfrau Maria für die kulturelle Unterhaltung auch zwei Schwimmbäder zur Abkühlung befinden.

Da wir an der falschen Haltestelle ausgestiegen sind, müssen wir etwas weiter laufen um zum Schwimmbad zu kommen. Doch die Schließzeit sitzt uns im Nacken. Kurzentschlossen mache ich das, was hier ganz viele Backpacker machen: Ich halte meinen Daumen raus. Schon das zweite Auto hält.

Ausübung von Religion auf dem Cerro San Cristóbal
Ausübung von Religion auf dem Cerro San Cristóbal
Baden im Piscina Antilén auf dem Cerro San Cristóbal
Baden im Piscina Antilén auf dem Cerro San Cristóbal

Arbeiter, die gerade auf dem Heimweg sind, rücken für uns zusammen und nehmen uns bis zum Piscina Antilén mit. Für eine halbe Stunde bemühe ich mich jetzt nicht erst in die Badesachen, so dass die anderen mich nicht nackt sehen müssen. Bei den Jungs geht das schneller und über das nackte Baby erfreuen sich die anderen nur. Diese halbe Stunde entschädigt unseren Sohn für die vielen Sehenswürdigkeiten.

Mit der Standseilbahn geht es schließlich den Berg wieder runter. Unser Sohn bemerkt, dass er „mit solch einer Bahn schonmal zu Hause mit den Mäusen gefahren ist“. Im Barrio Bellavista genehmigen wir uns heute Sushi bevor wir den Heimweg antreten.

Im Hostel legt heute im Innenhof ein DJ auf. Unserem Sohn haben wir versprochen, dass wir dieses Vergnügen eine Weile wahrnehmen können. Natürlich tanzen wir zu den Hits der ´80er Jahre bis wir wirklich total müde sind. Wir haben uns sehr amüsiert an diesem Abend, weil unser Kind den großen Jungs die Show gestohlen hatte indem er mit den ihn umringenden Chicas tanzte. Leider war es nicht möglich dies als Foto festzuhalten.

Tag 4 Gran Torre Santiago

Gran Torre Santiago
Gran Torre Santiago

Schon gestern hatte wir uns für heute den Besuch des Gran Torre Santiago beschlossen. Wir nehmen die U-Bahn um an das andere Ende der Stadt, ins Viertel Providencia zu gelangen. Dieses Verkehrsmittel bereitet unserem Sohn genau so viel Freude wie ein Spielplatz. Im angrenzenden Gebäude des Turms (300 Meter) finden wir auch das Hard Rock Café, welches schon vor der Reise auf unserem Plan stand.

Der Große hatte auf seiner ersten Reise in Sydney sein „First Hard Rock Café“-Shirt bekommen. Und das Baby sollte eigentlich in Buenos Aires sein erstes T-Shirt haben, doch dort gab es keines für die Kleinsten. Hier werden wir alle fündig, zum Leid des Reisebudgets. Wir stellen fest, dass wir Santiago lieber bald verlassen sollten, weil wir uns hier offensichtlich so wohl fühlen, dass unsere Ausgeberlaune hier weniger Hemmungen kennt. Denn es gibt noch etwas Neues im Gepäck. Ich habe mich anstecken lassen, werde unvernünftig und folge einer Mode, die hier viele Backpacker folgen. Ich kaufe mir eine kleine Gitarre Made in China.
Endlich finden wir den Zugang zum höchsten Gebäude Südamerikas. 62 Stockwerke rasen wir mit dem Aufzug hoch. Hier oben begreifen wir erstmal richtig, dass diese große, schöne und zugleich ruhige und gemütliche Hauptstadt umgeben von Bergen und karger Landschaft ist.

Buntes Treiben auf dem Plaza de Armes
Buntes Treiben auf dem Plaza de Armes

Auf dem Rückweg machen wir einen Zwischenstopp auf dem Plaza de Armes und beobachten das bunte Treiben der verschieden Darsteller. Als mich dann ein junger Mann anrempelt und so tut als hätte er sich dabei furchtbar weh getan, halte ich instinktiv alles fest an mir. Er beobachtet mich noch eine Weile und verschwindet im U-Bahn-Eingang, wo wir ihn ein paar Minuten später in einer kleinen Gruppe antreffen. Wir beschließen jetzt zügig den Heimweg anzutreten.

Tag 5 und 6 Valparaiso – Die chaotische Stadt

Halb eins bringt uns das Taxi zum Flughafen. Wir haben uns wieder für etwas mehr Freiheit und Individualität in Form eines Mietwagens entschieden. Alles geht ganz zügig und wir sitzen zeitnah im Auto in Richtung Valparaiso. Gleich zu Beginn müssen wir tanken, damit wir es auch aus der Stadt schaffen, denn der Tank ist leer. Doch nach ungefähr 30 Kilometern müssen wir den Beschluss fassen umzukehren und uns im Stau anzustellen um das Fahrzeug zu tauschen. Die Geräusche sind atypisch und wecken den Verdacht in uns, dass es von den Rädern kommt. Wir haben bereits genug Fahrbahnmarkierungen von Unfalltoten an den Straßenrändern gesehen und zwei Unfälle Live; Wir haben nicht das Bedürfnis uns einzureihen. Auch der Austausch geht nach kurzer Diskussion wieder sehr schnell. Trotzdem kostet uns das ganze zwei Stunden Zeit, sodass wir erst am späten Nachmittag in Valparaiso ankommen.

Es ist kalt und sehr windig. Wir brauchen einfach nur ein gemütliches Plätzchen. Das bekommen wir bei Johan – durch Zufall. Irgendwas sehe ich mit „Bag Pack“ an seiner Tür stehen und klingel einfach. Er lässt mich auch gleich in sein Haus. Willkommen zu Hause vor acht Jahren, denke ich so. (2006 haben wir mit der Komplettsanierung eines alten Bauernhauses begonnen)

Überall stehen die Trockenbauwände angelehnt, zum Teil fehlen noch Fenster und Oliven an den Türen, die Küche ein selbstgebautes Provisorium und die Dachterrasse eigentlich nur mit Sicherheitsleine zu erklimmen. Er ist uns sympathisch und bietet uns zudem eine Bleibe in privater Atmosphäre. Und das Beste stellt sich heraus, ist der neue Freund Fransico. Unser Sohn und er sind sofort auf einer Wellenlänge, spielen zusammen das Vorschulspiel auf dem Tablet, mit den Autos und rasen den Gang auf und ab, wobei sie laut gackern. Wir sind uns einig; wir müssen mindestens zwei Nächte hier bleiben.

Augenbehandlung bei Johan
Augenbehandlung bei Johan

Am nächsten Tag hat mein Mann wieder Probleme mit den Augen. Johan studiert unter anderem Heilkunde und bereitet eine Tinktur aus Kerbelwurzeln zu. „Schlimmer kann es nicht werden“, meint mein Mann und lässt sich das Zauberelixier in die Augen tropfen. Sofort muss er sich hinlegen und etwas schlafen, weil seine Augen jeden Augenblick drohen zu explodieren. Im Schlaf kommt ihm die Erleuchtung, dass er auf frische Möhren auch so reagiert hat und das es sich hierbei möglicherweise auch um eine allergische Reaktion handelt.

Nachdem er sich die Augen ausgespült hat und sie sich schließlich etwas beruhigt haben, erkunden wir den Ort zu Fuß. Wir bestaunen im Hafen die großen Kräne und die riesigen Militärschiffe, auf dem Marktplatz das Denkmal von Arturo Prad sowie die geniale Idee historische Außenmauern mit einem modernen Glasbau zu kombinieren. Gemütlich schlendern wir über einen kleinen Flohmarkt, wo unser Sohn seiner besten Freundin ein kleines Mitbringsel kauft.
Valparaiso wird im Lonely Planet(R) als „extravagant, verfallen, bunt und poetisch – kurz: eine herrlich chaotische Stadt“ beschrieben. Das trifft es genau. Graffiti schmücken hier nahezu jedes Haus, Kunst an jeder Straßenecke und irgendwie kein klares Stadtbild.

Denkmal Arturo Prad
Denkmal Arturo Prad
Hafen von Valparaiso
Hafen von Valparaiso

Am Nachmittag kommt wieder ein starker Wind auf. Der Große kennt schon den Stundenplan seines neuen Freundes und möchte nun schleunigst zurück. Da es unangenehm ist, wenn der Sand durch den Wind gegen die Beine peitscht, willigen wir ein.

Unsere Wäsche ist auch schon knochentrocken als wir zurückkehren. Wir plaudern noch ein bisschen mit Johan, der uns auch Tipps für unsere Weiterreise gibt. Dabei fällt mir zunehmend auf, dass mein Mann schon ganz gut Spanisch versteht, weil ich nicht mehr alles übersetzen muss. Ich bin begeistert, denn für unseren Sohn ist es auch schon völlig normal auf Spanisch zu antworten; Manche Sätze hat er schon intus und andere erfragt er bei mir; Auch auf die Gefahr hin, dass es sich nicht um einwandfreies Spanisch handelt, was ich ihm beibringe – er wird verstanden und erntet dafür Umarmungen, Küsse und Freunde. Unser blonder (B)Engel wird hier ganz besonders von den Frauen geliebt.

Lösungen in Buenos Aires und Abschied

Nachdem wir am Abend alles fertig im Auto verstaut hatten, wollten wir gleich auch noch online die Tickets für den Bus und die Fähre buchen. Verhext! Eine Fehlermeldung, wir sollten uns doch bitte telefonisch irgendwohin wenden. Am Morgen fahren wir einfach los um alles in Montevideo am Busbahnhof zu klären. Dabei werden wir so richtig munter durch die Mautstelle, an die wir keine Sekunde mehr gedacht haben. In unserer Bargeldkalkulation haben wir Wasser, eine Postkarte und den Banknotensammler zu Hause einbezogen, aber keine Maut. Wir am Schalter, hinter uns die anderen Autos und „No efectivo“. Nach einem kurzen, aber heftigen Adrenalinschub findet sich die Lösung in der Argentinischen Währung.

Am Busbahnhof angekommen, müssen wir noch das Auto abgeben. Gott sei Dank alles ein Standort. Alles verläuft gut und ich schaffe es sogar noch fünf Minuten bevor der Bus eintrifft eine Postkarte für einen Couchserfer zu kaufen. Tipp: Die gibt auf Anfrage unter der Ladentheke; Ich habe keine Ahnung warum.

Alles ging so schnell heute Morgen. Der Große hat Hunger und wir könnten einen Kaffee vertragen. Also stapfe ich mit dem Kind an der Hand zum Lebensmittelgeschäft an Bord und lasse mir Cappuccino kochen und wähle mit ihm was zu Essen aus. Als wir schließlich an der Kasse stehen, hinter uns viele andere Passagiere, die den gleichen Gedanken hatten, möchte der Kassierer „Efectivo“. Déjà-vu? Nein, so ein Mist! Unser letztes Geld haben wir vor einer Stunde am Busbahnhof für Getränke gelassen. Und die Argentinische Währung haben wir dummerweise mit im Koffer eingeschlossen, der jetzt im Frachtraum liegt. Wir lassen alles an der Kasse zurück und klagen unser Leid. Mein Mann erbarmt sich und holt Kekse für 5 US-Dollar aus dem Duty Free Shop mit der Kreditkarte, die das Kind schließlich gar nicht mag. Der Tag ist schon jetzt im Eimer.

In Buenos Aires schieben wir uns mit Sack und Pack durch die Menge bis zu unserer Jugendherberge, wo wir wieder herzlich empfangen werden. Heute steht nur noch Duschen, Wäsche waschen, Essen und Schlafen auf dem Programm.

Zurück in Buenos Aires

Es gilt alles vorm Flug zu klären.

Reparatur der Kamera

Innerhalb einer Stunde ist meine Kontrolluntersuchung im Deutschen Krankenhaus erledigt und der Arzt ist zufrieden. Ich bin es auch. Mein Mann war weniger erfolgreich beim Optiker gegenüber, da der Deutsche Optiker nur Spanisch spricht und seinen Geschäftsnamen aufgrund seines Portfolios hat. Gemeinsam kehren wir zu ihm zurück und auch dieses Problem haben wir schnell gelöst – Kontaktlinsen. Die schnelle Abwicklung bisher gibt uns die Hoffnung, dass wir ein hier noch nicht erwähntes Problem an diesem Tag auch noch lösen können. Im Internet hatte mein Mann ein Nikon-Fachgeschäft in Buenos Aires ausfindig gemacht. Hier wollen wir das in Uruguay kaputtgegangene Spezialkabel für das GPS ersetzen. Doch das Geschäft bietet so etwas nicht an. Auch am nächsten Tag im Technikschlaraffenland werden wir nicht fündig. Wir bekommen den dezenten Hinweis auf eine kleine Einkaufsstraße, wo man viele Sachen finden kann, die Touristen brauchen, denn sie gehörten mal Touristen. Da wir nicht wollen, dass später auch etwas aus unserer Tasche dort angeboten wird, lehnen wir ab. Mein Mann beschließt sich Werkzeug und Lötkolben zu besorgen und die Reparatur selbst in die Hand zu nehmen. Durch unsere Argentinisch-Deutsch-Chilenische Bekanntschaft muss er nichts kaufen, sondern wird in ein kleines Geschäft gebracht, in dem er direkt loslegen kann. Nach ca. drei Stunden Kamera komplett zerlegen, Kabel direkt anlöten und Kamera wieder zusammenbauen ist mit großer Freude also auch dieses Problem gelöst.

Straßen-Cabaret in Buenos Aires

Bevor wir uns nun endgültig von Buenos Aires verabschieden müssen, amüsieren wir uns noch bei einem Straßen-Cabaret.

Schließlich fallen wir ins Bett, weil morgen früh das Taxi 6:30 Uhr vor der Tür stehen wird. Wir müssen uns endgültig von Buenos Aires verabschieden.

 

Mehr und Meer in Uruguay

Wir beschlossen bereits in Buenos Aires mobil in Uruguay zu werden, damit wir ein bisschen Land und Leute sehen können. Diese Entscheidung bereuen wir später keines Falls.

Tag 1 Punta del Este

La Mano de Punta del Este

Während mein Mann nach dem Frühstück das Auto am Busbahnhof abholt, packe ich die Taschen und räume das Zimmer. Als er schließlich vor der Eingangstür steht, sind wir bereit mehr und Meer von Uruguay zu entdecken. Entschlossen starten wir in Richtung Punta del Este, wo zu dieser Zeit Jugendtourismus und Party auf dem Programm stehen sollen, was wir aber wenigstens einmal gesehen haben wollen. Nach der ersten Stunde hat das Baby Hunger und die Windel voll. Nach der zweiten Stunde, direkt in Punta del Este, hat der Große keine Lust mehr weiter zu fahren. Zähneknirschend geben wir dem Willen des Kindes nach und suchen uns eine Unterkunft, eigentlich viel zu teuer für unser Budget.

Tag 2 La Paloma und die Lagune

Entlang der Route 10, vorbei an der Laguna José Ignacio

Nach dem Frühstück brechen wir auf und suchen eine Bank für „Efectivo“. Doch nicht jede Bank akzeptiert unsere Karte. Weiter geht es in Richtung La Paloma, immer entlang der Küste. Da kommt es schon mal vor, dass man plötzlich dem Verlauf einer Schotterstraße folgen muss. Teilweise fahren wir in einem Déjà-vu, erinnert an Australien. Schade nur, dass das Umweltbewusstsein offensichtlich sehr niedrig ist.

Ich lese etwas von der Paisaje Protegido Laguna Rocha. Das klingt gut. Also machen wir einen Abstecher in die geschützte Landschaft zur Roten Lagune und werden belohnt. Herrliche Ruhe. Rechts die Lagune, links das Meer. Wir mitten drin.

Eine kleine Blechhütte, die Cochina de la Barra bietet nicht nur Schatten sondern auch frischen Fisch aus den beiden Gewässern nebenan. Und ausnahmsweise mal Preise, die zu unserem Budget passen. Die Jungs bestellen sich Miniatures, eine Mischung aus verschiedenen panierten Fischhappen mit selbst gemachtem Aioli. Auch hier muss ich nicht hungern. Für mich wird extra Kartoffelsalat mit Ei und grünem Salat gezaubert.

Wir sind alle drei begeistert. Nach dem Essen laufen wir ein bisschen der Lagune und dem Meer entlang und genießen.

Leckerer Imbiss direkt an der Lagune.
Leckerer Imbiss direkt an der Lagune.

Dabei erfahren wir, welche Fische und Schalentiere es hier gibt. Unser Großer ist hin und weg, dass wir nun den Haien so nah sind. Am Strand finden wir eine ausgetrocknete Krabbe, die unbedingt mit in die Fossiliensammlung muss.

Leider können wir hier nicht länger bleiben, denn wir wollen nicht wieder unser Übernachtungsbudget sprengen. In dem kleinen Ort La Paloma finden wir ein kleines Hostel direkt am Meer, was allerdings nicht zum längeren Verweilen einlädt. Diese Tatsache ist aber gar nicht so schlimm, denn die überschaubaren Attraktionen des Ortes sehen wir uns bei einem Spaziergang an. Am Abend gibt es eine Fiesta im Ortskern, natürlich mit vielen Interaktionsmöglichkeiten für unser Kind.

Tag 3 Inland Uruguays

Heute wollen wir an die Brasilianische Grenze nach Chuy fahren. Doch unser Ziel ändert sich nach den ersten 15 Minuten Autofahrt schlagartig in das Landesinnere. Ich habe einen Flyer gefunden, der uns dort Sehenswertes verspricht. Wir fahren 50 Kilometer über eine rote Schotterstraße, die sich Route 109 nennt. Den Kofferraum lassen wir während des ersten Stopps lieber erstmal geschlossen, weil wir noch gar nicht sehen wollen, was uns erwartet. Lieber genießen wir den Ausblick über die bergische Landschaft.

Route 109

Unser neues Ziel heißt jetzt Minas. Auf dem Weg dahin besuchen wir noch eine alte Mine und den Parque Salto del Penitente. Wenn man die Antigua Mina de Oro besichtigen möchte, muss man zuvor anrufen. Doch wir haben Glück. Wir treffen auf einen ehemaligen Mitarbeiter, der sich dazu überreden lässt, uns die Mine dennoch zu zeigen. Er freut sich über die Bewunderungslaute unseres Sohnes.

Im Penitente schlagen unsere Herzen hoch vor Freude. Hier gibt es Abenteuer, Fossilien und Wasser. Als wir erfahren, dass wir hier sogar schlafen können, wollen wir natürlich bleiben. Also schlendern wir durch den Park zu Fuß und auch zu Pferde. Der Große ist so von den Fossilien begeistert, dass er ewig davor steht und der Parkwächter uns schließlich erklären muss um welche Tiere es sich dabei handelt und „wie die Schlangen gefangen“ wurden. Natürlich handelt es sich bei allem um Fundstücke. Als wir von unserem Ausritt zurückkehren versammeln sich plötzlich die Angestellten an einem Parkfahrzeug. Wir müssen zum größten Leidwesen unseres Sohnes feststellen, dass entgegen der üblichen Gepflogenheiten hier alles 19:00 Uhr schließt und man auf sich selbst gestellt ist.

Auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln wird eingestellt.

Fossilien im Parque Salto de Penitente

Und wir sind nicht vorbereitet. Also heute doch noch bis nach Minas, wo wir im Dunkeln ankommen. Ich überzeuge einen Hotelier von einem günstigeren Preis, weil wir einfach nur schlafen wollen und morgen früh gleich wieder weg sind. Im Mercado finden wir dann auch noch unser Abendessen.

Tag 4 Geburtstag in Atlántida

Heute hat mein Mann Geburtstag. Der Große will „Sand und Meer, Spielen und Baden, ohne rumfahren“. Wir haben Verständnis für dieses Verlangen, da auch wir müde sind. Und das Baby findet es ohnehin in der Trage oder im Kinderwagen besser als im Kindersitz. Also Kurs auf Est. Atlántida. Auf dem Weg dahin liegt noch die Fuente del Puma, die wir uns auch ansehen wollen. Hierbei handelt es sich um die Quelle des Getränkeherstellers Salus, nichts Spektakuläres. In Est. Atlántida finden wir auch ein kleines Zimmer, wo wir uns die nächsten drei Tage aufhalten wollen. Zwei Blocks weiter ist schon der Strand mit der Strandbar Indigo, ganz nach unserem Geschmack. Es gibt hier nicht nur Empanadas, Papas Fritas oder Pizzetas, sondern auch Paella und Milanesa vegetariana und das für unser Budget. Hier feiern wir auch gemütlich Geburtstag. Müde fallen wir ins Bett und freuen uns, dass wir morgen richtig lange ausschlafen können.

Tag 5 und 6 Baden, Ausruhen, Controlling, Organisation

Zwei Tage an denen wir nur ausruhen, malen, spielen, bloggen, Homepage bearbeiten, baden und spazieren gehen.

Springen und Toben in den Wellen des Atlantischen Ozeans.
Springen und Toben in den Wellen des Atlantischen Ozeans.

Während es draußen heiß ist, können wir im Schatten auf der Terrasse sitzen oder im Innenhof in den kleinen Pool springen.

Wenn die Sonne uns nicht mehr zu verbrennen droht, gehen wir zum Strand oder im Ort spazieren. Am zweiten Tag tollen mein Mann und der Große wieder im Meer herum und springen in die Wellen.

Immer mitten in die Welle rein!
Immer mitten in die Welle rein!

Ich fotografiere vom Land aus dieses Vergnügen und dokumentiere dabei, wie mein Mann seine Brille an das Meer verliert. Auch das noch! Der Aufenthalt in Uruguay ist damit beendet. Am 10. Februar soll unser Flug nach Ushuaia gehen und ohne Brille ist mein Mann aufgeschmissen. Doch wir wissen, wo es einen deutschen Optiker in Buenos Aires gibt.

Und da war die Brille weg, auch das noch!
Und da war die Brille weg, auch das noch!

Per Messenger bekommt mein Mann vom heimischen Optiker die aktuellen Werte zugesandt.

Vamos a ver!