Mehr und Meer in Uruguay

Wir beschlossen bereits in Buenos Aires mobil in Uruguay zu werden, damit wir ein bisschen Land und Leute sehen können. Diese Entscheidung bereuen wir später keines Falls.

Tag 1 Punta del Este

La Mano de Punta del Este

Während mein Mann nach dem Frühstück das Auto am Busbahnhof abholt, packe ich die Taschen und räume das Zimmer. Als er schließlich vor der Eingangstür steht, sind wir bereit mehr und Meer von Uruguay zu entdecken. Entschlossen starten wir in Richtung Punta del Este, wo zu dieser Zeit Jugendtourismus und Party auf dem Programm stehen sollen, was wir aber wenigstens einmal gesehen haben wollen. Nach der ersten Stunde hat das Baby Hunger und die Windel voll. Nach der zweiten Stunde, direkt in Punta del Este, hat der Große keine Lust mehr weiter zu fahren. Zähneknirschend geben wir dem Willen des Kindes nach und suchen uns eine Unterkunft, eigentlich viel zu teuer für unser Budget.

Tag 2 La Paloma und die Lagune

Entlang der Route 10, vorbei an der Laguna José Ignacio

Nach dem Frühstück brechen wir auf und suchen eine Bank für „Efectivo“. Doch nicht jede Bank akzeptiert unsere Karte. Weiter geht es in Richtung La Paloma, immer entlang der Küste. Da kommt es schon mal vor, dass man plötzlich dem Verlauf einer Schotterstraße folgen muss. Teilweise fahren wir in einem Déjà-vu, erinnert an Australien. Schade nur, dass das Umweltbewusstsein offensichtlich sehr niedrig ist.

Ich lese etwas von der Paisaje Protegido Laguna Rocha. Das klingt gut. Also machen wir einen Abstecher in die geschützte Landschaft zur Roten Lagune und werden belohnt. Herrliche Ruhe. Rechts die Lagune, links das Meer. Wir mitten drin.

Eine kleine Blechhütte, die Cochina de la Barra bietet nicht nur Schatten sondern auch frischen Fisch aus den beiden Gewässern nebenan. Und ausnahmsweise mal Preise, die zu unserem Budget passen. Die Jungs bestellen sich Miniatures, eine Mischung aus verschiedenen panierten Fischhappen mit selbst gemachtem Aioli. Auch hier muss ich nicht hungern. Für mich wird extra Kartoffelsalat mit Ei und grünem Salat gezaubert.

Wir sind alle drei begeistert. Nach dem Essen laufen wir ein bisschen der Lagune und dem Meer entlang und genießen.

Leckerer Imbiss direkt an der Lagune.
Leckerer Imbiss direkt an der Lagune.

Dabei erfahren wir, welche Fische und Schalentiere es hier gibt. Unser Großer ist hin und weg, dass wir nun den Haien so nah sind. Am Strand finden wir eine ausgetrocknete Krabbe, die unbedingt mit in die Fossiliensammlung muss.

Leider können wir hier nicht länger bleiben, denn wir wollen nicht wieder unser Übernachtungsbudget sprengen. In dem kleinen Ort La Paloma finden wir ein kleines Hostel direkt am Meer, was allerdings nicht zum längeren Verweilen einlädt. Diese Tatsache ist aber gar nicht so schlimm, denn die überschaubaren Attraktionen des Ortes sehen wir uns bei einem Spaziergang an. Am Abend gibt es eine Fiesta im Ortskern, natürlich mit vielen Interaktionsmöglichkeiten für unser Kind.

Tag 3 Inland Uruguays

Heute wollen wir an die Brasilianische Grenze nach Chuy fahren. Doch unser Ziel ändert sich nach den ersten 15 Minuten Autofahrt schlagartig in das Landesinnere. Ich habe einen Flyer gefunden, der uns dort Sehenswertes verspricht. Wir fahren 50 Kilometer über eine rote Schotterstraße, die sich Route 109 nennt. Den Kofferraum lassen wir während des ersten Stopps lieber erstmal geschlossen, weil wir noch gar nicht sehen wollen, was uns erwartet. Lieber genießen wir den Ausblick über die bergische Landschaft.

Route 109

Unser neues Ziel heißt jetzt Minas. Auf dem Weg dahin besuchen wir noch eine alte Mine und den Parque Salto del Penitente. Wenn man die Antigua Mina de Oro besichtigen möchte, muss man zuvor anrufen. Doch wir haben Glück. Wir treffen auf einen ehemaligen Mitarbeiter, der sich dazu überreden lässt, uns die Mine dennoch zu zeigen. Er freut sich über die Bewunderungslaute unseres Sohnes.

Im Penitente schlagen unsere Herzen hoch vor Freude. Hier gibt es Abenteuer, Fossilien und Wasser. Als wir erfahren, dass wir hier sogar schlafen können, wollen wir natürlich bleiben. Also schlendern wir durch den Park zu Fuß und auch zu Pferde. Der Große ist so von den Fossilien begeistert, dass er ewig davor steht und der Parkwächter uns schließlich erklären muss um welche Tiere es sich dabei handelt und „wie die Schlangen gefangen“ wurden. Natürlich handelt es sich bei allem um Fundstücke. Als wir von unserem Ausritt zurückkehren versammeln sich plötzlich die Angestellten an einem Parkfahrzeug. Wir müssen zum größten Leidwesen unseres Sohnes feststellen, dass entgegen der üblichen Gepflogenheiten hier alles 19:00 Uhr schließt und man auf sich selbst gestellt ist.

Auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln wird eingestellt.

Fossilien im Parque Salto de Penitente

Und wir sind nicht vorbereitet. Also heute doch noch bis nach Minas, wo wir im Dunkeln ankommen. Ich überzeuge einen Hotelier von einem günstigeren Preis, weil wir einfach nur schlafen wollen und morgen früh gleich wieder weg sind. Im Mercado finden wir dann auch noch unser Abendessen.

Tag 4 Geburtstag in Atlántida

Heute hat mein Mann Geburtstag. Der Große will „Sand und Meer, Spielen und Baden, ohne rumfahren“. Wir haben Verständnis für dieses Verlangen, da auch wir müde sind. Und das Baby findet es ohnehin in der Trage oder im Kinderwagen besser als im Kindersitz. Also Kurs auf Est. Atlántida. Auf dem Weg dahin liegt noch die Fuente del Puma, die wir uns auch ansehen wollen. Hierbei handelt es sich um die Quelle des Getränkeherstellers Salus, nichts Spektakuläres. In Est. Atlántida finden wir auch ein kleines Zimmer, wo wir uns die nächsten drei Tage aufhalten wollen. Zwei Blocks weiter ist schon der Strand mit der Strandbar Indigo, ganz nach unserem Geschmack. Es gibt hier nicht nur Empanadas, Papas Fritas oder Pizzetas, sondern auch Paella und Milanesa vegetariana und das für unser Budget. Hier feiern wir auch gemütlich Geburtstag. Müde fallen wir ins Bett und freuen uns, dass wir morgen richtig lange ausschlafen können.

Tag 5 und 6 Baden, Ausruhen, Controlling, Organisation

Zwei Tage an denen wir nur ausruhen, malen, spielen, bloggen, Homepage bearbeiten, baden und spazieren gehen.

Springen und Toben in den Wellen des Atlantischen Ozeans.
Springen und Toben in den Wellen des Atlantischen Ozeans.

Während es draußen heiß ist, können wir im Schatten auf der Terrasse sitzen oder im Innenhof in den kleinen Pool springen.

Wenn die Sonne uns nicht mehr zu verbrennen droht, gehen wir zum Strand oder im Ort spazieren. Am zweiten Tag tollen mein Mann und der Große wieder im Meer herum und springen in die Wellen.

Immer mitten in die Welle rein!
Immer mitten in die Welle rein!

Ich fotografiere vom Land aus dieses Vergnügen und dokumentiere dabei, wie mein Mann seine Brille an das Meer verliert. Auch das noch! Der Aufenthalt in Uruguay ist damit beendet. Am 10. Februar soll unser Flug nach Ushuaia gehen und ohne Brille ist mein Mann aufgeschmissen. Doch wir wissen, wo es einen deutschen Optiker in Buenos Aires gibt.

Und da war die Brille weg, auch das noch!
Und da war die Brille weg, auch das noch!

Per Messenger bekommt mein Mann vom heimischen Optiker die aktuellen Werte zugesandt.

Vamos a ver!

San Antonio de Areco und die Suche nach den Gauchos

Es ist Sonntag Morgen und es kommt leicht Hektik auf, denn die Taschen gehen nicht mehr zu. Wir müssen zum Bus, der uns nach San Antonio de Areco zu den Gauchos bringen soll. Der Laptop schalt; Die (Groß)eltern wollen mit uns skypen. Dazu ist aber erst einmal eine Fernwartung nötig, denn wir hören sie nicht. Die Zeit läuft. Das Gespräch wird kurz und bündig, wir verabreden uns für nächstes Wochenende im Skype.

Mit zwei großen und zwei kleinen Rucksäcken, Kinderwagen mit Babyschale, Wickeltasche und einer Fototasche ziehen wir zu Fuß durch Buenos Aires zum Busbahnhof.

Vollbeladen durch Stadt zum Busbahnhof
Vollbeladen durch Stadt zum Busbahnhof

Wir brauchen ungefähr eine Stunde. Schließlich stellen wir fest, dass der Fahrplan im Internet offensichtlich nicht auf dem Laufenden ist. Statt 13:10 Uhr fährt der Bus erst 17:30 Uhr. Also heißt es 4,5 Stunden warten.

Gerne hätten wir unser Gepäck eingeschlossen um noch ein bisschen am Fluss lang zu spazieren bis zum Antikmarkt, der wohl jedes Wochenende bei dem Parque Natural y Reserva Ecológica Costanera Sur ist. Doch es gibt keinen Locker (Spind) mehr, der unsere Gepäckgröße und -menge fassen kann. Wir kapitulieren friedlich und beschließen uns im Wartebereich niederzulassen. Mit Malen, Essen und Trinken, Tickets kaufen und Rucksäcke in Schutztaschen zu verstauen geht die Zeit doch relativ schnell um.

Als wir San Antonio de Areco gegen 20:30 Uhr erreichen regnet es. Unser Regenschutz für Kinderwagen und Co., wie soll es anders sein, befindet sich tief im Gepäck. Unsere Jacken müssen nun das Kind und das Baby vor der Nässe schützen (Test bestanden). Voll beladen kämpfen wir uns über die nasse Straße entlang des für Kinderwagen nicht geeigneten Fußweges. Die Herberge, die wir für uns im Vorab ausgewählt hatten bietet keine Unterkunft mehr: „No hay habitaciones!“.

Wir bekommen den freundlichen Rat zur Polizei zu gehen, da diese Stadt um diese Jahreszeit eher nicht auf Tourismus eingestellt ist. Doch wir haben ja noch eine Alternative im Internet gesehen, die wir vor der Notvariante ansteuern wollen. Und tatsächlich! Kaum betreten wir die Einfahrt des Grundstücks, reist schon der Hausherr die Doppeltür auf, damit wir eintreten können. Zwei Blocks weiter genießen wir eine Abwechslung zum Abendessen; Gemüse aus dem Wok und geräucherter Lachs. Unser Sohn möchte einfach nur Spaghetti mit Tomatensoße und Käse. Spät und müde fallen wir in unsere Betten.

Tag 1 Keine Gauchos in San Antonio de Areco?

Nach dem Frühstück fragen wir unsere Gastgeberin nach den Gauchos. „No hay Gauchos!“ Oh nein, es gibt keine Gauchos! Warum sind wir dann hierher gefahren?! Sollen die plötzlich weg sein! Ich hatte doch darüber gelesen und vor allem meinem Sohn erzählt. Wie soll ich ihm das bloß erklären? „Nein“, denke ich „so schnell werfe ich das Handtuch nicht!“ Auf zur Information der Stadt! Dort erfahren wir, dass es in dieser Stadt einen Park, ein Stadt- und ein Gauchomuseum gibt. Gauchos kommen nur im November zum Festival hierher. Es gibt allerdings Estancias, die zwischen 15 und 16 Kilometer entfernt sind, wo man eventuell Gauchos treffen kann. Man sollte allerdings vorher anrufen, ob es möglich ist.

Am Markt von San Antonio de Areco
Am Markt von San Antonio de Areco

Ein Bus fährt da allerdings nicht hin. Ein Auto mieten kann man in dieser Stadt auch nicht. Jetzt sind wir extra wegen der Gauchos nach San Antonio de Areco gekommen und sollen keine sehen können. „Kommt gar nicht in Frage!“ beschwert sich unser Sohn. In einer Bar, in der wir uns ratlos niederlassen, erzählen wir unseren Kummer dem Kellner. Der macht uns Mut und erzählt uns wie wir dahin kommen können. Die einzige Möglichkeit bleibt schließlich die Remise (Konkurrenz zum Taxi).

Vor der Information, am Vormittag, trafen wir Martin, einen Landsmann, der seit 8 Jahren nach Südamerika kommt um hier mit einem umgebauten LKW Land und Leute zu entdecken. Wir verbringen den Nachmittag mit ihm und lauschen gespannt seinen Tipps für unsere weitere Reise während unser Großer vergnügt mit dessen Ball spielt.

Am Abend schlendern wir noch ein bisschen durch den Ort, am Park und dem Gauchomuseum vorbei, kaufen im Mercado noch ein paar Dinge für das Abendessen ein und kehren schließlich zurück zur Unterkunft.

Unser Großer beginnt damit sich furchtbar zu kratzen (das hatte er schon einmal auf dem Flughafen Frankfurt getan). Wir haben keine Not, denn unsere Reiseapotheke ist bestens bestückt. Doch in der Nacht erwachen wir, weil er unbedingt duschen möchte, da es juckt. Wir erschrecken uns sehr, weil er überall geschwollene Flecken hat. Das nächste Krankenhaus, so meinen wir, ist zwei Stunden entfernt. Etwas Panik kehrt ein. Verzweifelt und mit großer Hoffnung fotografiere ich meinen Sohn und sende diese Bilder an unsere Kinderärztin.

Tag 2 Einzug bei den Gauchos

Wir sind glücklich als wir am frühen Morgen ihre E-Mail lesen.              – Vielen Dank an unsere Kinderärztin, dass sie für uns auch in der Ferne da ist! – Durch ihren Rat ist am Nachmittag schon fast alles wieder vergessen.

Gaucho bei der Arbeit
Gaucho bei der Arbeit

Es ist beschlossen: Jetzt suchen wir erst recht die Gauchos. Wir laufen zur Remisestation und erfragen den Preis. Der Fahrer ist aber so lieb und ruft zuvor bei einer der Estancias, der Estancia la Portena de Areco an, ob wir überhaupt kommen können. Alles kein Problem, sie erwarten uns zum Mittagessen. Juhu! Während der Fahrt wird uns klar, warum hier kein Bus hin fährt. Die ca. zwei Kilometer lange Zufahrt ist ein Feldweg.

Wir werden bereits erwartet. Es gibt eingelegtes Gemüse, Empanadas (Fleisch- und Veggivariante), Kartoffel- und Gemüsesalat, gegrilltes Gemüse und gegrilltes Fleisch (Huhn und „Lomo“). Nach dem Essen erzählt uns die Hausherrin über die Geschichte der Estancia und deren Bewohner. Als Highlight dürfen wir auch noch mit einem Gaucho gemeinsam ausreiten.

Ausritt mit dem Gaucho
Ausritt mit dem Gaucho

Nach unserer Rückkehr gibt’s selbst gebackene Kuchen und Kekse mit Tee. Die Hausherrin fragt uns, ob wir bleiben möchten. Wir erklären ihr, dass wir unsere Sachen in einer anderen Unterkunft haben und die Gastgeberin sehr wahrscheinlich beleidigt sein wird. Doch per Telefon ist alles schnell geklärt.

Mein Mann fährt mit der bestellten Remise zurück in die Stadt um das Gepäck zu holen und wird anschließend vom ältesten Gaucho von San Antonio de Areco dort abgeholt, während ich ausgelassen mit unseren beiden Söhnen im Pool bade. Dann zeigt uns eine Angestellte der Farm unser Zimmer. Wir sind überwältigt! Als abschließende Krönung des Tages gibt es ein Dreigang-Menü zum Abendessen; Süßkartoffelsuppe, Pasta und Budin dazu einen Wein aus Mendoza. Zufrieden fallen wir ins Bett.

Tag 3 Entspannen bei den Gauchos

Den Gauchotest hat unser Sohn erfolgreich bestanden.
Den Gauchotest hat unser Sohn erfolgreich bestanden.

Heute wollen wir einfach entspannen und genießen. Dementsprechend lassen wir es ruhig angehen. Da sogar unsere Wäsche gewaschen wird, brauchen wir wirklich nichts machen. Zum Mittag kommen weitere Gäste. Witzig! Denn hier, ab vom Schuss, treffen wir wieder Deutsche. Janine und ihr Mann sind allerdings schon seit 6 Jahren in Buenos Aires sesshaft und besuchen mit ihren Freunden aus der alten Heimat hier die neuen Freunde. Auch sie haben viele Tipps für uns was geht und was wir uns mit Kindern verkneifen können.

Der Große und ich drehen noch eine Runde mit dem Gaucho zu Pferd. Und dann kommt der Test, ob auch er zum Gaucho taugt; Lasso schwingen. Das aus Kuhhaut geflochtene Lasso ist gar nicht so flexibel, wie ich dachte. Doch der erfahrene Gaucho hilft unserem Sohn. Test bestanden! Ganz stolz kehren wir zurück zum Papa und dem Baby. Wir lassen den Tag ruhig ausklingen und wollen eigentlich gar nicht an morgen denken, weil wir uns hier so wohlfühlen.

Der älteste Gaucho (Stand 01/2018) unterhält uns mit seiner Musik.
Der älteste Gaucho (Stand 01/2018) unterhält uns mit seiner Musik. KLICK HIER UM ANZUSEHEN