Auf der Halbinsel Valdès auf Walsuche

Es sind ca. 1200 Kilometer bis zur Halbinsel Valdès. Die wollen wir in keinem Fall mit einem Ritt bezwingen. Deshalb beschließen wir einen Zwischenstopp in Perito Moreno. Das Hostel haben wir schon gebucht. Und da es dort auch noch ein UNESCO-Weltkulturerbe zu sehen gibt, wollen wir dort zwei Nächte Zwischenstopp einlegen.

ca. 9000 Jahre alte Handabdrücke
Cuevas las manos

Wir hatten schon vielversprechende Bilder der Cuevas de las manos gesehen. Als wir schließlich dort ankommen, stellen wir fest, dass die Geschichte um die Hände an den Felsen schon spannend ist, aber weniger spektakulär anzusehen als erwartet.

Die Fahrt zu unserem Endziel dieser Tour, durch Wüstenlandschaft, an Ölfeldern vorbei und über unbefestigte Straßen gestaltet sich auch nicht interessanter. Am Abend erreichen wir endlich Puerto Pirámides auf der Halbinsel Valdes. Es ist „Low season“, weshalb wir heute die Auswahl an Unterkünften haben. So bekommen wir den 14-Bett-Schlafsaal für uns ganz alleine.

Route 40 durch Argentinien
Route 40 durch Argentinien

Die Duschzeiten haben wir leider verpasst. Morgen zwischen 19:30 Uhr und 22:00 Uhr haben wir die nächste Möglichkeit. Also ist Katzenwäsche angesagt. Nachdem der Große ausgiebig in der Bar gemalt hat fallen wir in die Betten und …

Tag 1 Auf der Suche nach den Walen

… schlafen lange. Die (Groß-)eltern haben schon mehrmals versucht Kontakt aufzunehmen. Aber das Internet funktioniert auch hier nicht so recht. Es wird also wieder nur ein kurzes Intermezzo mit zu Hause. Bei den Nationalparkwächtern hatten wir gestern Abend, mit Eintritt auf die Insel, die Gezeiten erfahren. Bei Flut stehen unsere Chancen wohl besser Wale sehen zu können. Ist doch klar was da auf unserem Plan steht; 15:00 Uhr Punto Calessa und 17:00 Uhr Punto del Norte.

Seelöwenkolonie am Punto Norte auf der Halbinsel Valdès
Seelöwenkolonie am Punto Norte auf der Halbinsel Valdès

Wir treffen Pinguine, Seelöwen, einen Graufuchs, Guanacos, Gürteltiere und … Schafe, aber keine Orcas. Ich erfrage bei einem Parkwächter unsere Chancen, der mich sofort lachend als Touristin enttarnt – Nicht nur wegen meinem spanischen Spanisch sondern auch aufgrund meiner Frage. In diesem Februar konnte man zwar bereits fünf Tiere sichten, aber es ist eigentlich  nicht so die richtige Zeit. Wir trösten uns mit dem Highlight, dass ein Gürteltier unserem Sohn das Gras aus der Hand gefressen hat.

Gürteltier hautnah
Gürteltier hautnah

Unser Glück wollen wir morgen nicht noch einmal versuchen, da es ja doch immerhin 70 Kilometer Schotterpiste pro Strecke sind, auch wenn mein Mann den Renault Duster inzwischen sehr zu schätzen gelernt hat.

 

Tag 2 Faulenzen und Badespaß auf der Halbinsel Valdès

Kein Strom, kein Internet, kein Wasser … Da merkt man erstmal wie abhängig man ist. Da besinne ich mich doch glatt wieder der altmodischen Art und schreibe die restlichen 13 Postkarten. Eine Karte möchte unser Sohn selber schreiben. Ihm vergeht die Lust tatsächlich nicht daran, wie wir erst glaubten. Ich diktiere ihm Buchstabe für Buchstabe. Und schließlich ist schon wieder Mittagszeit. Uns ist nach Kraft tanken. Das handhaben wir auf unterschiedlichste Weise.

Baden im Atlantik in Puerto Piramydes
Baden im Atlantik in Puerto Pirámides

Während ich mit dem glucksenden Baby am Strand sitze, badet der Große vor mir im eiskalten Atlantik und mein Mann verbessert sein Werk an der Kamera im Hostel. In El Calafate hatte er dies schon beschlossen und sich im hiesigen Baumarkt Lötkolben und andere diverse Werkzeuge besorgt. Als er sein Werk vollendet hat, gesellt er sich schließlich auch zu uns. Inzwischen ist Ebbe und das Kind sorgt für Ordnung am Strand. Ich bin schon stolz, wie er mit gutem Beispiel vorangeht, auch wenn das im Anschluss für uns Intensivkörperreinigung bedeutet.

Tag 3 Puerto Madryn, die Stadt der Meeresbiologie

In Puerto Madryn wollen wir uns heute gern das Museo Provincial de Ciencias Naturales y Oceanográfico, das EcoCentro und das Observatorio Punta Flecha ansehen. Dort können wir etwas über das maritime Ökosystem und speziell alles über Wale erfahren. Doch die Öffnungszeiten stimmen mit unserem Reiseführer nicht (mehr) überein. Das eine hat nur bei Flut geöffnet, das andere hat seine Öffnungszeiten spontan für diesen Tag geändert und das EcoCentro öffnet erst, wenn wir dann in Richtung Westen fahren müssen. Also genehmigen wir uns im Chonas ein super leckeres Mittagessen. Ich muss so hungrig aussehen, dass meine Portion „Risotto Vegetaria“ gleich für drei reicht. Der Preis passt super ins Backpacker-Budget.

Im Anschluss gehen wir auf den Spielplatz auf der Strandpromenade um unser Kind im Voraus für die bevorstehende lange Fahrt zu entschädigen. Bevor es dann endgültig losgeht, stelle ich mich „noch schnell“ in der Schlange in der Post an um meine Karten noch auf den Weg zu bringen. Als ich schließlich dran bin, bilde ich mir ein die Zahlen auf Spanisch verlernt zu haben, denn die freundliche Angestellte scheint mir irgendwas von 1550 Pesos (rund 65 Euro) zu erzählen. Ich zeige ihr die beiden Karten, welche ich in Ushuaia frankiert bekam. Sie schüttelt eifrig den Kopf und wiederholt mir den Preis, rechnet mir vor wie sie darauf kommt und versichert mir, dass die anderen acht Postkarten mit den Briefmarken aus Ushuaia nicht ankommen werden.

Riesiger Dinosaurier vor Trelew
Riesiger Dinosaurier vor Trelew

Ich bin verärgert und beschließe, dass das die letzten Postkarten waren, die ich in Argentinien geschrieben habe. Mit Widerwillen schiebe ich ihr das frisch erworbene Bargeld über die Theke, weil sie natürlich nur Efectivo nimmt.

Im Nachbarort halten wir noch schnell für den riesigen Dinosaurier an, bevor es in die lange Nacht geht.